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| 18:28 Uhr

Staatstheater Cottbus
Umjubelte Premiere der „Csárdásfürstin“

Emotion und Leidenschaft zwischen Budapester Varieté und Wiener Hof: Martin Shalita (Edwin), Ulrich Schneider (Fürst von und zu Lippert-Weylersheim), Mine Yücel (Sylva) und Carola Fischer (Anhilte; v.l.n.r.) liefern sich hitzige Wortgefechte und tolle Gesangseinlagen. Es dreht sich alles um die Liebe.
Emotion und Leidenschaft zwischen Budapester Varieté und Wiener Hof: Martin Shalita (Edwin), Ulrich Schneider (Fürst von und zu Lippert-Weylersheim), Mine Yücel (Sylva) und Carola Fischer (Anhilte; v.l.n.r.) liefern sich hitzige Wortgefechte und tolle Gesangseinlagen. Es dreht sich alles um die Liebe. FOTO: Marlies Kross / Marlies Kross/ Theaterfotografin
Cottbus. Die Operette „Die Csárdásfürstin“ von Leo Stein und Béla Jenbach feiert eine frenetisch umjubelte Premiere am Cottbuser Staatstheater. Unterhaltsam sind vor allem die schrägen Vögel in dieser Aufführung. Von Rüdiger Hofmann

Oft gehört, nie vergessen: „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“, „Machen wir’s den Schwalben nach“ oder „Das ist die Liebe, die dumme Liebe“ sind mehr oder weniger die bekanntesten Titel aus „Die Csárdásfürstin“. Sie wirken noch lange nach an diesem Premierenabend der weltberühmten Operette in drei Akten von Leo Stein und Béla Jenbach. Regie im Großen Haus führt Thomas Weber-Schallauer, das Bühnenbild stammt von Britta Tönne, die Kostümierungen von Nicole Lorenz.

Die Handlung ist schnell erzählt. Edwin, Spross eines winzigen Fürstentums, verliebt sich in Budapest in die Sängerin Sylva. Die Eltern sind dagegen, sie intrigieren und arrangieren eine standesgemäße Heirat. Viele Verwicklungen um die Liebe prägen den 2. Akt, und im 3. Akt folgt das Happy End. Die Uraufführung fand am 17. November 1915 im Johann-Strauß-Theater in Wien statt.

Begeisterung löst bei der Cottbuser Premiere das Ensemble aus. Neben Gesang und Tanz bringen die Darsteller auch ihre gesprochenen Pointen gut über die Bühne. Unterhaltsam sind vor allem die schrägen Vögel in dieser Aufführung. Mit dunkel timbrierter Sopranstimme singt Mine Yücel den Titelpart der Sylva, ein Tanz auf dem Vulkan, ungarisches Temperament im Budapester Varieté-Theater, später in einem Wiener Hotel. Ihr zur Seite der stimmgewaltige Tenor Martin Shalita als Edwin, jederzeit sympathisch und engagiert.

Überzeugend agiert auch das zweite Liebespaar, Graf Boni und Komtesse Stasi, die der ersten Gesangsreihe fast die Show stehlen. Hardy Brachmann schlawinert sich charmant durch die komödienhaften Szenen, jeder Zoll der flatterhafte Husar, ein quirliger Schürzenjäger. Liudmila Lokaichuk entlarvt eine lässige Abgebrühtheit hinter der vorgeblich naiven Adelstochter. Vermeintlich schüchtern und doch liebestoll. Sie trifft auch die höchsten Töne wieder perfekt.

Baron Feri-Bácsi wird von Heiko Walter besungen, auch er erwischt einen Abend nach Maß. Die spielerische Leichtigkeit nimmt man ihm ab, gesanglich ausgebufft agiert er mit vielen Raffinessen. Es fällt schwer, in ihm nicht ständig den Baron aus „Sunset Boulevard“ zu sehen.

Über der aufgesetzten äußeren Fröhlichkeit mancher Varieté-Szenen liegt aber auch immer ein trauriger Schatten, eine leise Ahnung von der inneren Verzweiflung der Menschen, die hier vom Schicksal zusammen gewürfelt werden. „Er“ steht sinnbildlich dafür, Da­niel Heck mimt den allgegenwärtigen Tod, den Ersten Weltkrieg mit all seinen traumatischen Erlebnissen. Er redet kein einziges Wort, AnnaLisa Canton lässt in ihrer Choreografie ausschließlich die Person als Bild „sprechen“.

Als unverwüstlich hingegen erweisen sich die Lieder von Emmerich Kálmán, die das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Alexander Merzyn routiniert präsentiert. Es gibt oft Szenenapplaus, und nicht endenden Beifall zum Abschluss. Christian Mö­bius und sein Opernchor entkleiden die Handlungsstränge von verklärenden Romantisierungen bis zur nackten emotionalen Verzweiflung zwischen Liebe, Standesdünkel, Intoleranz und Doppelmoral. Und das alles mit Humor, vielen Handlungsideen und zauberhaften Kostümen. Ein Muss für jeden Operettenfan!