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| 12:54 Uhr

Kulturereignis im Spreewald
Kampfgetümmel auf dem Burger Schlossberg

 „Die Rache“ auf dem Burger Schlossberg: Das Publikum dankte dem Ensemble zum Schluss mit viel Applaus.
„Die Rache“ auf dem Burger Schlossberg: Das Publikum dankte dem Ensemble zum Schluss mit viel Applaus. FOTO: Michael Helbig
Burg. Die Spreewälder Sagennacht des Sorbischen National-Ensembles Bautzen begeisterte rund 5000 Besucher.

Bereits vor dem eigentlichen Hauptprogramm des Sorbischen Nationalensembles Bautzen verzauberte das Stelzentheater Incato mit Wassernixe und Schmetterlingskönigin das auf den Schlossberg vor dem Bismarckturm in Burg das herbeiströmende Publikum. Rund 2000 Besucher erlebten am Premierensamstag im Vorprogramm die Lieder und Tänze der „Lipa-Kinder“, dem Ensemble des Kinder- und Lernhauses „Lipa“ in Burg. Mit ihrem Willkommenslied „Witajšo k nam“ begrüßten sie die Zuschauer an den drei Abenden auf der Bühne hinter dem Bismarckturm. Seit dem Schuljahresbeginn hatten die 20 Mädchen und Jungen unter der künstlerischen Leitung von Hortleiterin Iva Schultchen und Choreograf Michael Apel fleißig geprobt.

Doch auch die Mädchen und Jungen der Grundschule Krieschow begeisterten die Besucher mit ihrem Wäschetanz, und die Tänzerinnen und Tänzer des Deutsch-Sorbischen Ensembles Cottbus brachten mit ihrem bäuerlichen Tanzreigen dem Publikum die wendischen Traditionen im Spreewald nahe. Während die Tänzerinnen des femela Studios ihre ganz eigene moderne Version des Wassermann-Tanzes kreierten, tauchte deren Leiterin Mareike Linzer perfekt akrobatisch in das Reich des Wassermanns ein und unterhielt die Burger Folkloregruppe „Drjewjanki“, zu Deutsch „Holzpantoffel“, mit ihrer sorbisch/wendischen Musik. Christian Mattheé führte souverän und mit viel Humor durch das Vorprogramm und stimmte das Publikum auf das eigentliche Spektakel des Abends ein. So erfuhren die Besucher zum Beispiel, dass in den Kampfszenen Reiter des Reiterhofes Kutzeburger Mühle dabei waren. Markus Schulz vom Polizeisportverein Cottbus (PSV) erzählte, dass einige Kampfsportler in der Inszenierung des Sorbischen Nationalensembles mitspielen und die Kampfszenen mit ihren Schwertern unterstützten. Zwei Mal hätten sie vorher geprobt und ab dem vergangenen Dienstag jeden Tag auf dem Schlossberg in Burg.

Zeitreise durch die Lausitz

Schließlich war es soweit. Mit hereinbrechender Dämmerung begann kurz nach 21 Uhr das Hauptprogramm des Sorbischen National-Ensembles „Die Rache“, das geschickt an die Inszenierungen der vorangegangenen vier Jahre anknüpfte. Eine verbindende Klammer war auch in diesem Jahr wieder das Spiel der beiden Lutki Jolka (Julia Schmidt) und Jorko (Jakub Wowcer), die erneut eine Zeitreise durch die Spreewälder Lausitz antraten:

Endlich herrscht in der Lausitz Frieden! Mit dem Friedensvertrag von Bautzen wie auch der vorteilhaften Heirat des polnischen Herzogs Bolesław Chrobry mit Oda von Meißen scheint nun auch der Spreewald frei von Krieg und Kampfgetümmel zu sein. Doch die Ruhe ist trügerisch. In der Bevölkerung wachsen Unmut und Angst aufgrund des geheimnisvollen Verschwindens junger Mädchen. Die beiden Lutki konnten das furchtbare Geheimnis zwar lüften, doch es dem Wendenkönig Juro nicht rechtzeitig mitteilen. Dieser steht kurz vor seiner Hochzeit mit dem Spreewaldmädchen Anka. Als der Schrecken auch in seine Hochzeitsnacht einbricht und er von den Lutki die wahren Gründe dafür erfährt, schwört er Rache. Mit ihm ziehen auch die Schlangenkönigin und die Mittagsfrau in den Kampf gegen die dunkle Zauberin Wurlawa. Können sie den Schaden von der alten Götterwelt im Spreewald abwenden und den Siegeszug des neuen christlichen Glaubens aufhalten? Nein, das gelingt ihnen nicht, und am Ende wenden sich die Wenden von ihren Göttern ab und dem neuen Glauben zu. Nur Juro, der Wendenkönig, Serbski Kral (Petr Cyz), verweigert sich der Christianisierung. Er verlässt den Spreewald und zieht nach Jerusalem weiter: „Nur um zu verstehen, warum der neue Gott einer bösen Zauberin vergibt“, während „seine“ Wenden dem neuen Glauben folgen und zum Schluss symbolisch durch das Publikum ziehen und ihre Götter verlassen. Und wieder einmal versprechen die Lutkis, die Krone des Serbski Kral zu behüten, so dass die Fortschreibung der Geschichte zur nächsten Spreewälder Sagennacht garantiert sein dürfte.

Auch in diesem Jahr entführte das Sorbische National-Ensemble Bautzen das Publikum mit viel Liebe zum Detail und neuen Bühnenaufbauten wie einer Spreewaldbrücke sowie viel Nebel und Laserelementen in die geheimnisvolle Geschichte der Sorben und Wenden im Spreewald. Es war bereits die 12. Auflage der Spreewälder Sagennacht, und die fünfte, die das Sorbische Nationalensemble gestaltete. Das Libretto schuf Jěwa-Marja Čornakec und für Regie, Dramaturgie, das Musikkonzept und die Produktionsleitung zeichnete Johannes Gärtner verantwortlich.

Begeisterte Besucher

Nach dem traditionellen Feuerwerk über dem Bismarckturm dankten die Besucher dem Ensemble mit viel Applaus. Zu diesen gehörte Candy Hentschel aus Burg, der das Vorprogramm besonders gefallen hatte. „Ich fand es schön, dass die Lipa-Kinder in wendischer Tracht aufgetreten sind und so die Traditionen erhalten werden. Es ist wichtig, dass sie an das wendische Leben im Spreewald herangeführt werden“, und Artur (6) fügte den Worten seiner Mama hinzu: „Mir hat besonders die Akrobatik gefallen, weil das so schön aussah.“

Auch Anke Lehmann aus Burg, die mit der ganzen Familie auf den Schlossberg gekommen war, um die Spreewälder Sagennacht mitzuerleben, war von den Lipa-Kindern sehr angetan. „Und weil da Kinder dabei waren, mit denen ich befreundet bin“, erzählte Marie (6).

Ebenfalls mit der Familie und Freunden war Arlett Welkisch aus Berlin, die noch bis Dienstag einen Paddelurlaub im Spreewald verbringt, zur Sagennacht gekommen. „Die Aufführung war super. Auch die Organisation hier auf dem Platz war perfekt, und es ist schön, dass es so viel Tische und Bänke gab.“

(mih)