ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:00 Uhr

Cottbus
Spreeschule fehlen zwei Klassenräume

Cottbus. Container-Anbau wird erst in den Herbstferien fertig. Schülerzahlen steigen im neuen Schuljahr weiter. Von Peggy Kompalla

Zwei erste Klassen werden zum neuen Schuljahr ohne eigene Klassenräume an der Spreeschule starten müssen. Das erklärt Schulleiterin Michaela Dallmaier während der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses. Die Erweiterung der Schule durch einen Container-Anbau wird voraussichtlich erst in den Herbstferien abgeschlossen werden.

Für Lehrer, Schüler und Eltern ist das ein schwer zu ertragender Zustand. Notlösungen sind für die Schule, in der Kinder mit geistigen und körperlichen Einschränkungen unterrichtet werden, seit Jahren zur Dauerlösung geworden. Es gibt zwar Pläne in Sandow einen alten Schulstandort für die Spreeschule zu sanieren. Aber der wird frühestens im Jahr 2023 und dann auch nur in Teilen nutzbar sein.

Die Eltern der Spreeschule haben die Sorge um ihre Kinder in einem Schreiben an Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), Sozialdezernentin Maren Dieckmann (parteilos) und das Staatliche Schulamt deutlich gemacht. Darin heißt es: „Gerade für Kinder mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen sind eine kontinuierliche Arbeit und eine lernfördernde, sichere Umgebung äußerst wichtig. Es ist eine Zumutung, dass diese Kinder ihren Schulalltag in einer ,Notlösung’ beginnen sollen. . . . Bei aller Einsicht, es fehlt uns das Verständnis, da die Situation hinlänglich bekannt ist, öfter in den Gremien diskutiert wurde und keine zeitnahe Lösung für die Spreeschule in Sicht ist. 2023 ist für uns einfach nicht zeitnah.“

Der Grund für das bittere Schreiben sind die Bauverzögerungen für den Container-Anbau. Damit soll vorübergehend ausreichend Platz geschaffen werden, bis mit der Sanierung des Schulgebäudes in Sandow begonnen werden kann. Also für die nächsten fünf Jahre. Die Stadt hatte sich dafür beim Land Brandenburg um Container bemüht, die ihr nun auch kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Allerdings nahm die Entscheidung darüber deutlich mehr Zeit in Anspruch, als geplant. Die Genehmigung erreichte das Rathaus erst vor zwei Wochen. Nun sind zwar schon die Fundamente für die Container hergestellt, aber die weiteren Arbeiten zum Herrichten der Räume können erst jetzt ausgeschrieben werden.

Noch stehen die Container in Wünsdorf, wo sie für das Land Brandenburg einst als Unterkunft für Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung dienten. Die Stadt rechnet damit, dass die Container bis Ende des Monats nach Cottbus umgesetzt werden. Im August könnte dann mit dem Umbau begonnen werden. Der Stadtverwaltung zufolge kostet der Container-Anbau insgesamt rund 580 000 Euro. Hätte die Stadt die Container mieten müssen, wären für die nächsten fünf Jahre Kosten von rund 1,2 Millionen Euro angefallen. Damit bleiben der Stadt durch die Bereitstellung vom Land Kosten in Höhe von 620 000 Euro erspart. Darüber hinaus ist die Nutzung nicht zeitgebunden.

Trotz dieser guten Nachrichten, müssen die Kinder, Lehrer und die Eltern weiter auf bessere Bedingungen warten. Schulleiterin Michaela Dallmaier erklärt: „Das Schulgebäude in der Rudniki ist einst für 100 Kinder konzipiert worden. Heute unterrichten wir 160 Schüler.“ Die Konsequenz: „Wir haben schon unser Lehrerzimmer aufgegeben, das Musikzimmer wird umgenutzt und auch der Hort muss einen Raum abgeben.“ Mehr gehe nicht. Die Container bringen eine vorübergehende Entlastung. Aber wirklich geholfen ist der Spreeschule erst mit dem neuen modernisierten Standort in Sandow. „Wir brauchen diese Entlastung dringend“, appelliert die Schulleiterin an die Abgeordneten. „Es wäre gut, wenn das erste Haus schneller als 2023 fertig ist.“

Doch mit einem Baubeginn für den neuen Standort ist der Stadtverwaltung zufolge nicht vor dem Jahr 2020 zu rechnen. Die Bauzeit werde der Erfahrung nach mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen. Damit könnte die Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt geistige Entwicklung voraussichtlich erst im Jahr 2023 unter besseren Bedingungen arbeiten. Derzeit ist sie auf drei Standorte in der Stadt verteilt – an der Rudniki in Schmellwitz, in der Puschkinpromenade in der Stadtmitte und in der Makarenkostraße in Sachsendorf. Die Zahl der Schüler wächst stetig – insbesondere mit Kindern mit Mehrfachbehinderungen. In diesem Schuljahr besuchen 163 Kinder die Spreeschule. Im nächsten Schuljahr werden es voraussichtlich 173 sein.

Die Gesamtkosten für den Umbau des alten Standortes des Max-Steenbeck-Gymnasiums an der Elisabeth-Wolf-Straße schätzt die Verwaltung auf rund 15 Millionen Euro. Über das Kommunalinvestitionsfördergesetz stehen für die Spreeschule zunächst 8,7 Millionen Euro zur Verfügung. Damit soll zunächst das Haus 2 behindertengerecht umgebaut werden. Mit diesem ersten Schritt soll der Standort an der Puschkinpromenade abgelöst werden.