| 02:33 Uhr

Spree wird zur Fisch-Autobahn

Rainer Schloddarick, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes "Oberland Calau", Minister Jörg Vogelsänger und Ulrich Freese (MdB), Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft im Deutschen Bundestag (v. l.), bei der symbolischen Einweihung der Fischtreppe.
Rainer Schloddarick, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes "Oberland Calau", Minister Jörg Vogelsänger und Ulrich Freese (MdB), Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft im Deutschen Bundestag (v. l.), bei der symbolischen Einweihung der Fischtreppe. FOTO: Amt Burg
Schmogrow/Cottbus. Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger hat gestern die Fischtreppe am Großen Fließ in Schmogrow zum Probebetrieb freigegeben. Das 3,5-Millionen-Euro-Projekt ist beispielhaft für die Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit von Fließgewässern im Land Brandenburg. Ulrike Elsner

Nach vierjähriger Bauzeit ist mit dem neuen "Fischdrehkreuz" in Schmogrow eine der größten Baumaßnahmen auf diesem Gebiet im Land Brandenburg in den Probebetrieb gegangen. Wie Rainer Schloddarick, Geschäftsführer des bauausführenden Wasser- und Bodenverbandes Oberland Calau, informierte, wurden die Baukosten von 3,5 Millionen Euro zu 60 Prozent vom Bund und zu 40 Prozent vom Land Brandenburg getragen.

Mit einem weiteren, bereits geplanten Wehrersatzneubau inklusive Fischaufstiegsanlage zwei Kilometer oberhalb, im Nordumfluter, soll für wandernde Fischarten die Passierbarkeit vom Oberspreewald bis nach Cottbus gewährleistet werden.

Umweltminister Jörg Vogelsänger hatte im Vorfeld des Schmogrower Termins in Raddusch über geplante Baumaßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustandes im Land Brandenburg informiert. "Die Vorhaben zur Verbesserung der Durchgängigkeit von Fließgewässern", so der Minister, "zählen zu den Schlüsselmaßnahmen bei der Erfüllung der Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie."

Zu deren Umsetzung würden ab dem Jahr 2017 jährlich 25 Millionen Euro investiert. Dabei leiste der Bund mit zehn Millionen Euro den größten Beitrag. Die EU werde die Maßnahmen mit jährlich acht Millionen Euro unterstützen, das Land trage sieben Millionen Euro bei.

In diesem Jahr stehen laut Ministerium in Brandenburg insgesamt 14,8 Millionen Euro für die Verbesserung des Zustandes der Oberflächengewässer nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur Verfügung. Auch das bedeutet bereits eine deutliche Steigerung des Spielraumes für die Verbesserung des ökologischen Zustandes der Oberflächengewässer. Denn im gesamten Zeitraum von 2009 bis 2015 stand mit 15,5 Millionen Euro nur eine unwesentlich höhere Summe als für die Zeit von Januar bis Dezember 2016 für die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit brandenburgischer Gewässer zur Verfügung.

Hauptziele sind dabei die Verbesserung der Gewässerstruktur sowie die Passierbarkeit für Fische. Die Vorhaben sind auf eine naturnahe Umgestaltung der Gewässerränder, den Wiederanschluss von Altarmen, die Wiederherstellung alter Flussläufe sowie den Bau von Fischwanderhilfen ausgerichtet.

Mit der geplanten Sanierung des Großen und Kleinen Spreewehrs in Cottbus sowie des Kiekebuscher Wehrs und dem jeweiligen Bau einer Fischaufstiegsanlage in den Jahren 2017 bis 2020 soll die ökologische Durchgängigkeit der Spree im Stadtgebiet Cottbus hergestellt werden. "Diese Maßnahmen machen nur Sinn, wenn alle drei Wehre im Komplex gesehen werden", betonte Minister Vogelsänger.

Es handle sich um eine anspruchsvolle Aufgabe, betonte Kurt Augustin, Abteilungsleiter Wasser und Boden im brandenburgischen Umweltministerium, zumal für die Cottbuser Wehre Denkmalschutzauflagen zu berücksichtigen sind. Die Planung der Fischtreppen richte sich danach, welche Fische sie auf dem Weg zu ihren Laichgebieten zu passieren hätten. Im konkreten Fall handle es sich hauptsächlich um Meerforelle und Lachs.

Der Spremberger Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese (SPD) erinnerte daran, dass die Wehre im Interesse des Hochwasserschutzes ohnehin saniert werden müssten. Diese Maßnahme mit dem Gedanken der ökologischen Durchgängigkeit zu verknüpfen, setze Synergieeffekte frei.

In der Übersicht der konkreten Baumaßnahmen für den Zeitraum 2016 bis 2020 wird für die drei Wehre in und bei Cottbus mit insgesamt 8,96 Millionen Euro der mit Abstand größte Posten veranschlagt. Für das Große Spreewehr rechnet das Land mit Kosten von 2,86 Millionen Euro, für das Kleine Spreewehr mit 2,85 Millionen Euro und für das Kiekebuscher Wehr mit 3,25 Millionen Euro.

Mit der Sanierung des Großen Spreewehrs werde begonnen, informierte Rainer Schloddarick. "Wir rechnen in der nächsten Woche mit der Baugenehmigung der Oberen Wasserbehörde", sagte der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Oberland Calau.