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| 17:43 Uhr

Cottbus
Spree wird in Cottbuszur Fluss-Baustelle

Das Luftbild zeigt die Spreewehrmühle und das Großen Spreewehr. Auf der Mühleninsel wird ab dem Frühsommer ein Fischpass gebaut, der 150 Meter lang ist und rund 2,7 Millionen Euro kostet.
Das Luftbild zeigt die Spreewehrmühle und das Großen Spreewehr. Auf der Mühleninsel wird ab dem Frühsommer ein Fischpass gebaut, der 150 Meter lang ist und rund 2,7 Millionen Euro kostet. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Im Frühsommer beginnt der Bau eines Fischpasses am Großen Spreewehr. Das ist nur der Anfang. Der Fluss soll natürlicher werden. Von Peggy Kompalla

Als junger Wasserbauingenieur hat Rainer Schloddarick die Spree begradigt. Kurz zuvor war Cottbus in den Fluten der Spree versunken. Das Hochwasser im Jahr 1981 erwischte die Region schwer. „In der Folge wurde dafür gesorgt, dass das Wasser so schnell wie möglich durch die Stadt fließt“, sagt er. Das sei auf Beschluss des Politbüros geschehen. Heute ist Rainer Schloddarick Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Oberland Calau und macht im Auftrag des Landes Brandenburg genau das Gegenteil. Der Fluss soll wieder so natürlich wie möglich fließen, Lebewesen sollen das Gewässer ungehindert durchwandern können. So wird die Spree wieder zur Baustelle.

Den Anfang macht der Bau eines Fischpasses am Großen Spreewehr. Die Baugenehmigung liegt vor, das Geld von EU, Bund und Land steht bereit. Im Frühsommer soll der Bautrupp anrücken. Das berichtet Schloddarick am Dienstag im Umweltausschuss. „Dabei wird das Wehr selbst nicht angefasst. Die Anlage ist in einem guten Zustand und aus wasserwirtschaftlicher Sicht recht neu. Im Durchschnitt beträgt die Nutzungsdauer solcher Anlagen 80 Jahre“, sagt er. Die Arbeiten am Großen Spreewehr werden demnach bis Ende 2019 dauern.

Danach ist das Kleine Spreewehr dran. Auch dort wird ein Fischpass errichtet. „Das Vorhaben ist umso schwieriger“, sagt Schloddarick. Auf der Mühleninsel in unmittelbarer Nachbarschaft von denkmalgeschützten Ensembles muss das Bauwerk entstehen. Die Stadt hatte deshalb erhebliche Bedenken angemeldet. Während die Anlage am Großen Spreewehr in die Länge gezogen wird, gleicht der Fischpass am Kleinen Spreewehr einem Kasten. Der Wasserwirtschaftler versichert: „Der Bereich wird später bepflanzt, sodass die Anlage hinter Grün verschwindet. Damit wird das nicht so ein großer visueller Eingriff, wie anfangs befürchtet.“ Auch die Wehre in Kiekebusch und Madlow sollen künftig entsprechend mit Fischpässen ergänzt werden. Diese Vorhaben sind allerdings noch in Planung.

Den Kritikern der Fischpässe, die im Vergleich zu alten Bauten überdimensioniert wirken, entgegnet der Wasserfachmann: „Die Fische passieren diese Anlagen in Größenordnungen, die auch mich überrascht haben. Wir haben bei ähnlichen Anlagen in unserem Gebiet bis zu 1000 Individuen in der Woche gezählt.“ Unabhängig davon würden alle neuen Anlagen durch das Land auf ihre Funktionalität überprüft.

Baustellen an der Spree
Baustellen an der Spree FOTO: LR

Damit nicht genug. Es sollen nicht nur vorhandenen Wasserbauwerke passierbar gemacht werden. „Die Gewässerstruktur soll sich verbessern“, erklärt der Fachmann. Dafür werden zwischen Großem Spreewehr und Döbbrick diverse Buhnen am Ufer eingebaut. Sie sollen eine natürliche Struktur schaffen helfen und die Eigendynamik des Flusses erhöhen. „Dabei werden Raubaumbuhnen eingebaut. Das sind tatsächlich Bäume, die eine natürliche Uferstruktur schaffen und Lebensraum für Tiere. Im Spreewald haben wir damit schon gute Erfahrungen gemacht.“

Darüber hinaus sollen in der Nähe von Döbbrick ein alter Nebenarm des Flusses sowie ein Nebengewässer wieder an die Spree angeschlossen werden. „Das sind im Grunde die Rudimente der alten Spree, die von der Begradigung übrig geblieben sind“, erklärt Rainer Schloddarick.