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| 18:13 Uhr

Cottbus
Der Ostsee als Speicher?

Blick vom Merzdorfer Aussichtsturm über den ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord.
Blick vom Merzdorfer Aussichtsturm über den ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord. FOTO: ZB / Patrick Pleul
Cottbus/Forst. Angesichts der anhaltenden Dürre wäre ein zusätzliches Wasserreservoir für die Spree und den Spreewald wichtig, betont Spree-Neiße. Von Peggy Kompalla

Derzeit fließt nur genügend Wasser durch Spree und Spreewald, weil Sachsen und Brandenburg zusätzliches Wasser in den Fluss schicken. Bis Ende September wird mit diesen länderübergreifenden Not-Maßnahmen ein ausreichender Pegel garantiert. Doch was geschieht, wenn der Regen auch danach ausbleibt? Deshalb wäre eine zusätzliche Sicherung erstrebenswert. Diese könnte der künftige Ostsee liefern. Dafür plädiert der Landkreis Spree-Neiße. Auch im Landesumweltamt gibt es Fürsprecher für einen Ostsee-Speicher.

Ob der Tagebausee diese Funktion aber übernehmen wird, ist noch unklar. Diese Entscheidung obliegt dem Landesbergamt. Die Behörde ist mit dem Landesumweltamt Herrin des wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahrens, das derzeit läuft. Erst mit dessen Abschluss darf mit der Flutung des Sees begonnen werden. Bis November soll der Beschluss vorliegen. Landesbergamtspräsident Hans-Georg Thiem lässt vorab keine Informationen durchblicken.

Die Stadt Cottbus hat als wichtigste Ostsee-Anrainerin bereits deutlich gemacht, dass sie kein Interesse an einer Talsperre hat. Sie fürchtet um die touristische Nutzung und höhere Kosten für das Hafenquartier. Zumal mit dem Bau der Kaimauer bereits begonnen worden ist. Darüber hinaus würde mit dem Speicher automatisch das Land Brandenburg Eigentümer des Ostsees werden. Die Leag ist nach der Auskohlung des Tagebaus für die Renaturierung und Flutung verantwortlich. Der Standpunkt des Unternehmens ist klar: Es geht von einen Normalwasserstand von 62,5 Metern über dem Meeresspiegel (NHN) aus, stellt die Ufer aber gemäß Auftrag für einen Wasserstand von 61,8 bis 63,5 Metern über NHN her. Das entspricht einem Schwankungsbereich – im Fachjargon Wasserlamelle – von 1,7 Metern.

Der Landkreis Spree-Neiße favorisiert eine Wasserlamelle von 1,5 Metern. Sprich: Der Ostsee sollte als Speicherbecken genutzt werden, dessen Wasserspiegel um maximal anderthalb Meter variiert. „Wir müssen als Landkreis auch an das Umfeld denken“, betont Jürgen Hartz. Er ist Sachgebietsleiter in der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Spree-Neiße. „Für die Zukunft des Spreewaldes ist das wichtig.“ Der Fachmann prophezeit, dass die Spree künftig häufiger Niedrigwasser führen wird. „Das liegt nicht allein am Klima. Die Sümpfungswässer aus den Tagebauen Jänschwalde, Welzow und Nochten werden systematisch sinken.“ Bislang wird das Grubenwasser direkt in die Spree geleitet. „Die Mengen werden von derzeit zwölf Kubikmetern pro Sekunde ab dem Jahr 2030 oder 2035 auf sechs zurückgehen“, sagt er. „Deshalb wird es in der Spree immer öfter ein Wasserdefizit geben.“

Jürgen Hartz zeigt auf eine Karte, auf der existiert der Ostsee bereits. Er fragt: „Wie sollen wir denn erklären, dass ein solches Wasserreservoir nur vier Kilometer von der Spree entfernt liegt und wir es nicht nutzen?“ Der Fachmann hat ein paar Zahlen parat. Die Talsperre Spremberg fasst eine Wassermenge von 42 Millionen Kubikmetern. Der Betriebsraum beträgt allerdings nur 20 Millionen Kubikmeter. Zum Vergleich: Der Ostsee wird künftig eine Wassermenge von 146 Millionen Kubikmetern fassen. Die Wasserlamelle von 1,5 Meter entspräche 28 Millionen Kubikmetern. „Das ist fast 50 Prozent mehr Speicher als die Talsperre“, betont Hartz. Das dürfe nicht ignoriert werden. Allerdings müsste dann auch die Ableitung anders organisiert werden, als derzeit favorisiert. Der Landkreis plädiert für eine Rohrleitung direkt zur Spree. So würde das Wasser aus dem Ostseespeicher über die Wehrgruppe Schmogrow in den nördlichen Spreewald gelangen und sich gut verteilen. „Der Schwarze Graben wäre dafür nicht geeignet“, betont Harzt.

Der Wasserbauer betont: „Die Speicherfunktion würde den Tourismus nicht einschränken. Denn sie würde nur im Notfall zum Tragen kommen, wenn alle Maßnahmen, die derzeit ergriffen werden, ausgeschöpft sind. Das wäre nicht in jedem Jahr der Fall.“ Dann gibt Jürgen Hartz noch zu bedenken: „Wenn der Speicher erst im Nachhinein hergestellt wird, muss das der Steuerzahler bezahlen und nicht der einstige Bergbaubetreiber.“ Die baulichen Anpassungen für einen Ostsee-Speicher wären derzeit problemlos möglich und im Gesamtinvestitionsvolumen marginal.