| 02:33 Uhr

Sportstadt fährt auf Verschleiß

Um die Sportstätten in Cottbus ging es am Samstag beim Sportbrunch des CDU-Landtagsabgeordneten Michael Schierack (2.v.l.) im Lokstadion. Tobias Schick (Stadtsportbund), Anja Zimmermann (Verwaltung), Olaf Wernicke (Stadtsportbund), Berndt Weiße und Kay Havenstein (beide Verwaltung/v.l.) nutzten die Zusammenkunft mit den Vereinsvertretern, um sich über Probleme auszutauschen.
Um die Sportstätten in Cottbus ging es am Samstag beim Sportbrunch des CDU-Landtagsabgeordneten Michael Schierack (2.v.l.) im Lokstadion. Tobias Schick (Stadtsportbund), Anja Zimmermann (Verwaltung), Olaf Wernicke (Stadtsportbund), Berndt Weiße und Kay Havenstein (beide Verwaltung/v.l.) nutzten die Zusammenkunft mit den Vereinsvertretern, um sich über Probleme auszutauschen. FOTO: Sven Hering
Cottbus. Ein Rekord sorgte am Samstagvormittag im Cottbuser Lokstadion für Aufsehen. Gerade einmal unfassbare 14 Sekunden benötigte Rene Frost, um mit einer acht Kilogramm schweren Leiter erst gut 30 Meter weit zu laufen und anschließend auf einen rund 13 Meter hohen Turm zu klettern. Sven Hering

Das Hakenleitersteigen ist die Königsdisziplin im Feuerwehrsport. Und Frost, der bei der Cottbuser Berufsfeuerwehr arbeitet, holte sich in diesem Wettbewerb bei der jüngsten Feuerwehr-Olympiade im österreichischen Villach den Vize-Olympiasieger-Titel. So ganz nebenbei bedeutete seine Zeit auch noch deutschen Rekord.

Das Video von diesem Lauf war am Samstag auf der Leinwand in der Vereinsgaststätte Loki zu sehen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Schierack hatte dorthin zum Sportbrunch geladen. Eine Veranstaltung, die sich in der Stadt längst etabliert hat. Verwaltung, Politik und Sportvereine kommen dabei zusammen.

Benny Bastisch war einer der geladenen Gäste. Der Trainer des Teams Lausitz, so nennt sich die erfolgreiche Mannschaft der Feuerwehrsportler, nutzte die Gelegenheit, um diese "Randsportart”, wie er sie selbst nannte, vorzustellen. "Wer sich diesem Sport verschreibt”, so Bastisch, "der muss schon ein bisschen verrückt sein. Positiv verrückt.”

Doch damit alleine erklimmt man nicht die Weltspitze. Regelmäßiges Training ist Pflicht. Und dafür nutzen die Sportler von Benny Bastisch gern auch die Cottbuser Sportstätten. Die Abstimmung mit dem Sportstättenbetrieb funktioniere prima, so Bastisch. Also alles gut bei der Cottbuser Sportfamilie?

Nicht unbedingt. Ausgerechnet der Mann, der im Cottbuser Rathaus der oberste Sportchef ist, legte den Finger in die Wunde. Cottbus sei eine Sportstadt und werde das auch in absehbarer Zeit bleiben, erklärte Dezernent Berndt Weiße (parteilos). "Doch wir verlassen uns ein bisschen darauf, dass die guten Strukturen, die wir hier haben, auch dauerhaft funktionieren”, so Weiße. Dabei werde ein Problem immer mehr deutlich. Weiße: "Wir fahren auf Verschleiß.” Er meint damit nicht unbedingt die Sportanlagen. Die sind zum großen Teil in einem ganz passablen Zustand. Von den 27 Turnhallen zum Beispiel, so verriet Immobilienamtschefin Anja Zimmermann, wiesen noch vier größere bauliche Defizite auf. Doch der Sport ist mehr als ein Fußballplatz oder eine Ballsporthalle. So gibt es im Cottbuser Rathaus lediglich eine halbe Stelle ausschließlich für die sportlichen Belange. "Das ist für eine Stadt wie Cottbus zu wenig”, erklärte Weiße. Vergleichbare Städte hätten dafür drei Vollzeitstellen. Doch in dieser Frage übte der Dezernent, der in ein paar Monaten in den Ruhestand geht, auch Selbstkritik. Leider habe er es in seiner Amtszeit nicht geschafft, dieses Defizit zu beheben.

Ein anderes Vorhaben hingen, das schon seit geraumer Zeit auf Weißes Schreibtisch liegt, könnte schon bald auf den Weg gebracht werden. "Wir brauchen einen Plan, der uns zeigt, wo es in der Zukunft Probleme geben könnte, wo wir mit Sportstätten zum Beispiel unterversorgt sind”, so Weiße. Rund 70 000 Euro, so hat es die Verwaltung berechnet, kostet das Sportentwicklungskonzept. Was fehle sei ein Bekenntnis zu diesem Papier und damit ein Votum der Stadtverordnetenfraktionen. Tobias Schick, Geschäftsführer des Stadtsportbundes, unterstützte dieses Ansinnen. "Wir brauchen eine Infrastruktur, die zeitgemäß ist”, sagte er. Ein Konzept zeige mögliche Schwachstellen auf.

Vernünftige Sportstätten seien die eine Sache, erklärte Olaf Wernicke, Präsident des Stadtsportbundes. "Wir müssen uns aber auch um Übungsleiter kümmern - und das bei uns vor Ort”, betonte er. Seine Vorschläge: Vereine könnten sich Trainer teilen. Mit Schulen solle stärker kooperiert werden. Für die Qualifizierung von Übungsleitern müsse zudem Geld in die Hand genommen werden.

"Wir stehen vor großen Herausforderungen”, fasste Gastgeber Michael Schierack nach knapp zwei Stunden das Ergebnis der Diskussionsrunde zusammen. Und wenn ein Teil der Vorhaben, die am Samstagvormitag im Loki besprochen worden sind, umgesetzt werden, dann dürfen sich die Cottbuser auch künftig auf Top-Leistungen aus ihrer Stadt freuen. Auch - oder gerade - in den Randsportarten.