(ski) Daran konnte Sven Keuchler damals im Jahr 1994 nicht am entferntesten denken, dass er 25 Jahre nach dem Erhalt einer fremden Niere gleich vier Mal zur Siegerehrung bei einer Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft gerufen würde, um das oberste Treppchen zu besteigen. Als Zugabe wurde er in Murr bei Stuttgart, wo kürzlich die offenen Deutschen Meisterschaften für Transplantierte und Dialysepatienten ausgetragen wurden, auch nach dem 50-Meter-Sprint der Schwimmer mit Silber geehrt. „Obwohl ich schon vor der Transplantation ein fleißig trainierender Leichtathlet beim LC Cottbus war, konnte ich mir nie vorstellen, wie weit man es auch mit einer fremden Niere bringen kann. Darum waren bei mir am ersten Juni-Wochenende die Freude und der Stolz doch verdammt groߓ, erzählt der 47-jährige. In Murr lief er die 100 Meter, kam beim 400-Meter-Lauf nach einer Minute und 10 Sekunden ins Ziel, um danach auch auf den Mittelstrecken über 1500 und 5000 Meter in seiner Altersklasse Erster zu werden.

Ein Blick zurück scheint an dieser Stelle angebracht. Am 16. September 1994 erhielt er nachts einen Anruf, dass nach seiner akuten Nierenentzündung und der unverzichtbaren Dialyse-Behandlung ein Spender gefunden war. „Sachen packen, per Taxi nach Berlin, all das ging rasend schnell, und schon bald danach ging die Operation los, die ich gut überstand. Auch die Reha-Maßnahmen liefen gut. So kam dann allmählich der Gedanke auf, im Rahmen der Möglichkeiten doch wieder meinem geliebten Sport nachzugehen“, erinnert sich Sven Keuchler an den Start in seine neue Sportlerlaufbahn.

Zwar verging ein Jahr bis zur Rückkehr ins normale Leben, doch konnten die Umfänge körperlicher Belastung Schritt für Schritt angepasst gesteigert werden. So kehrte er schon im Jahr 2017 mit einem kompletten Medaillensatz von der Transplantierten-DM aus Leipzig heim. Dass ihn ein Beinbruch an der 2018 ins Haus stehenden Europameisterschaft in Italien hinderte, war für ihn eine schmerzliche Erfahrung. Jetzt aber soll alles anders werden, sagt der Sportler, der inzwischen in einem Architekturbüro arbeitet: „Noch mal kann ich doch nicht so ein Pech haben. Darum zielt mein langfristiges Aufbautraining unter der fachlich kompetenten Anleitung von Stephan Freigang, dem Olympia-Medaillengewinner von Barcelona, zielgerichtet auf die nächste DM im Mai 2020 in Simmern bei Koblenz ab. Noch wichtiger aber ist mir, dass ich bei der danach folgenden EM in Dublin ganz fit an den Start gehen kann.“

Mit einem weiteren Wunsch trägt sich der Mann aus der Branitzer Siedlung. Um die Menschen für das Thema der Organspende auch in Cottbus und Umgebung noch mehr zu sensibilisieren, würde er allzu gern gemeinsam mit einigen Mitstreitern aus den Cottbuser Vereinen in Bälde eine DM veranstalten: „Wir haben den LC Cottbus und den RSC mit großartigen Sportstätten und Menschen, die schon weit größere Wettkämpfe organisiert und durchgeführt haben.

Gleiches trifft auf die Schwimmer des PSV zu, die in der Lagune zuhause sind. Es wäre schön, wenn wir gemeinsam auf diesem Weg das Thema Organspende, das mich persönlich am Leben gehalten hat, verbreiten könnten.“