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| 13:13 Uhr

Handball
Zauber aus der „Wundertüte“

Nick Widera zieht ab. Der LHC-Torjäger ist zweitbester Schütze der Liga und war auch gegen Stralsund treffsicher. Zwölf Tore erzielte er.
Nick Widera zieht ab. Der LHC-Torjäger ist zweitbester Schütze der Liga und war auch gegen Stralsund treffsicher. Zwölf Tore erzielte er. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der LHC Cottbus überrascht in der Handball-Oberliga mit einem 28:24-Heimsieg gegen den Tabellenzweiten Stralsunder HV. Von Wolfgang Swat

Wer hätte das vor dem Anpfiff des Oberliga-Spiels gedacht? Der LHC Cottbus besiegte am Samstag den Tabellenzweiten Stralsunder HV mit 28:24  Toren und ließ den Männern von der Ostsee zu keiner Zeit eine Chance. Bereits das Hinspiel hatte die Lausitzer gewonnen.

„Da sind wir unserem Ruf als Wundertüte wieder einmal gerecht geworden“, schmunzelte Robert Takev nach dem Abpfiff. Dabei konnte der Leistungsträger des LHC nicht einmal mithelfen bei dem, was die Truppe vor leider nur noch 298 Zuschauern in der Lausitz-Arena auf den Hallenboden zauberte. Grippegeschwächt  zum Pausieren gezwungen, applaudierte Takev seinen Mannschaftskameraden. „Das haben die Jungs super gemacht. Sie haben gekämpft, geackert, prima gespielt und immerhin den Tabellenzweiten sicher bezwungen“, so Robert Takev. „Es war das Meisterschaftsspiel des vergangenen Jahres, und wir haben wieder gewonnen. Stralsund scheint uns zu liegen.“

Wie im vergangenen Jahr, als sich der LHC gegen die Ostsee-Städter zum Oberliga-Meister gekürt hatte, war es auch diesmal ein bedeutender Erfolg. Allerdings einer in einer anderen Region. „Der Sieg war wichtig im Kampf um den Klassenerhalt“, stellte der amtierende LHC-Präsident Gerald Haschick fest. In der Tat, ist doch der Abstand zum Minimalziel der Saison, nämlich Platz fünf, größer (fünf Punkte) als  der zum ersten Nichtabstiegsplatz (vier Punkte).

Dabei war der LHC, wie schon die gesamte Saison über, auch diesmal von personellen Ausfällen geplagt. Neben Robert Takev war auch Bruder Florian lediglich Bankdrücker, der mit Kniebeschwerden nur für den Notfall bereit stand. Dieser Notfall trat nicht ein, weil die Mannschaft von Trainer Marcus Meier, der wegen seiner Armverletzung in dieser Saison nicht mehr als Spieler in das Geschehen eingreifen kann, einen Start-Ziel-Sieg herbei zauberte. Nick Widera, mit zwölf Treffern erfolgreichster Werfer beim LHC, war es, der nach 33 Sekunden die Lausitzer in Führung brachte, und er war es auch, der 36 Sekunden vor dem Abpfiff den letzten Treffer zum 28:24-Erfolg markierte.

Dabei hatten die Stralsunder zunächst mit kurzer Deckung versucht, den besten Cottbuser Torjäger (155 Tore in 18 Spielen)  aus dem Spiel zu nehmen. Anders als zuletzt gesehen, fanden die Lausitzer diesmal Lösungen. Alexander Takev zum Beispiel stieß immer wieder in die Lücken der Gästeabwehr und unterstrich eindrucksvoll seine gute Form.  Die Angriffe wurden geduldig vorgetragen, und bei angezeigtem Zeitspiel gelang es, entscheidende Freiwürfe herauszuholen. „Wir wissen doch, dass Nick die Dinger aus zehn Metern im Tor unterbringen kann“, freute sich Trainer Meier.

Andererseits hatte die zupackende LHC-Abwehr den Liga-Torschützenbesten Benjamin Hinz (177 Tore, Platz 1 vor Widera) im Griff und gestattete ihm nur vier Tore. „Dieses Wochenende haben wir uns für die gute Leistung belohnt“, zollte Meier dem Team Respekt, in dem Glenn Nietzel im Rückraum gut Regie führte („Diese Position habe ich in der Jugend oft gespielt“), Richard Lößner sein Talent unterstrich und Julien Adam im Tor mehrfach, unter anderem gegen den Ex-Cottbuser Johannes Trupp, glänzend parierte.

Im Gegensatz zu manch anderen Saisonspielen leisteten sich die Cottbuser  diesmal  nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit keinen Hänger. Näher als auf zwei Tore ließen sie den Gast nie an sich heran kommen. „Wir haben aus der Deckung heraus gut gespielt und vorn von mehreren Positionen aus getroffen“, lobte Co-Trainer Dieter Sklenar. „Das muss uns nächste Woche auch gelingen“, blickte er auf die Begegnung gegen Bad Doberan voraus.

Nach Minuspunkten betrachtet, liegen der LHC und der derzeitige Tabellenzwölfte gleichauf. Da kann man, wie Sklenar, von einem „Schlüsselspiel“ sprechen.                           In dem die „Wundertüte“ LHC hoffentlich wieder Gutes heraus zaubern kann.

LHC: Adam, Berndt (Tor); Widera (12 Tore), A. Takev (7), Lößner (4), Schmitz (2), Nietzel (1), Efa (1), Reimann (1), Baccar, F.Takev, Mulemba