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| 18:45 Uhr

Interview
„Wir wollen einfach nur unser Hobby ausüben“

 In der Fußball-Landesklasse Ost müssen die Kicker der SG Eintracht Peitz auf ihnen bislang fremden Plätzen antreten, wie hier beim SV Preussen 90 Beeskow. Die Fahrtwege haben sich deutlich verlängert.
In der Fußball-Landesklasse Ost müssen die Kicker der SG Eintracht Peitz auf ihnen bislang fremden Plätzen antreten, wie hier beim SV Preussen 90 Beeskow. Die Fahrtwege haben sich deutlich verlängert. FOTO: FuPa Brandenburg
Peitz. Bei der SG Eintracht Peitz hadert man mit so mancher Verbandsentscheidung. Die Versetzung in eine andere Staffel schmerzt. Von Roland Scheumeister

Der Fußballclub SG Eintracht Peitz hat sich im vergangenen Jahrzehnt stetig weiterentwickelt. Doch die Freude im Verein an der „schönsten Nebensache der Welt“ ist getrübt, nachdem die Niederlausitzer von der Landesklasse Süd in die Landesklasse Ost umgesetzt worden waren. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Trainer Sven Ballack und Stammspieler Stephan Groß.

Die SG Eintracht Peitz ist ein bestens aufgestellter Verein. Die Freizeitkicker und ihr ehrenamtlicher Betreuerstab sind dennoch nicht rundum glücklich. Wo drücken momentan die Fußballschuhe?

Ballack In der Tat haben wir eine recht gute, stabile Vereinsstruktur. Wir sind von den Alten Herren bis zu den Bambinis, und nicht zuletzt in der Frauenkreisliga, mit mindestens einer Mannschaft vertreten. Personelle Unterstützung kommt dabei von der Nachbargemeinschaft SG Preilack. Unsere „Erste“ hat sich seit ihrem Aufstieg 2010 zu einer festen Größe in der Landesklasse Süd gemausert. Auch dem Thema Integration gegenüber zeigen wir uns aufgeschlossen. Mit Jebril Muhammad lief, nach zwölf Einsätzen in der Kreisoberliga, ein im afrikanischen Tschad beheimateter Spieler schon zweimal als Angreifer in der „Ersten“ auf. Unsere Unterstützung, insbesondere beim Erlernen der deutschen Sprache, trägt erste Früchte.

 Die Mannschaft von Trainer Sven Ballack gilt als besonders fair. Das erwarten die Peitzer aber auch vonseiten des Verbandes.
Die Mannschaft von Trainer Sven Ballack gilt als besonders fair. Das erwarten die Peitzer aber auch vonseiten des Verbandes. FOTO: FuPa Brandenburg

Dies alles zeigt, dass wir uns den immer wieder neuen Herausforderungen stellen und als leidenschaftliche Fußballer mit vollem Herzen dabei sind. Doch Entscheidungen wie Punktabzüge wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls oder die Versetzung unserer ersten Mannschaft in die Landesklasse Ost haben zu einigen Irritationen im Umfeld der SG geführt.

Wie hätte man denn Ihrer Ansicht nach mit diesen Streitpunkten umgehen sollen?

Ballack Wie unsere zweimalige Auszeichnung als fairstes aller auf Landesebene spielenden Teams belegt, hat Fairness bei uns hohe Priorität. Das erwarten wir aber auch im Umgang mit uns. Denn es ist ein Stück weit auch die Art und Weise, wie uns manche Entscheidungen mitgeteilt und begründet werden. Das Schiedsrichterproblem betraf die Saison 2016/17. Sechs Punkte wurden uns dann, obwohl der Mangel bereinigt war, in der darauffolgenden Spielzeit abgezogen, was speziell unseren Spielern schwer zu vermitteln war und ihnen in der entscheidenden Saisonphase, als wir vorn mitspielten, die Motivation nahm.

Klar war uns, dass durch den Abstieg des VfB Cottbus und Burg  sowie dem freiwilligen Rückzug des Kolkwitzer SV die 16 Plätze der Südstaffel nicht für alle Niederlausitzer und Südbrandenburger Teams ausreichen. Schweren Herzens haben wir die Versetzung in die Oststaffel als notwendige Maßnahme akzeptiert. Als sich dann aber Burg auch noch zurückzog, wurde der freie Platz vakant gelassen. Man hätte – notfalls per Losentscheid – zumindest einer betroffenen Mannschaft – neben uns musste auch Rot-Weiß Luckau in den sauren Apfel beißen – die Rückkehr gewähren können. So aber entgehen uns durch mangelnde Flexibilität der Entscheidungsträger nicht nur die Einnahmen aus einem halben Dutzend Kreisduellen, sondern es fallen erhebliche, kaum zu stemmende zusätzliche Fahrtkosten an.

Groß Im Spielerkreis der ersten Mannschaft haben wir mal nachgerechnet. Durch die Versetzung in die Oststaffel haben wir insgesamt um knapp 1000 Kilometer längere Wege als im Süden. Das ist für uns, die wir alle auch in Familie, Beruf oder Studium gefordert sind, deutlich zeitaufwändiger und nicht immer leicht zu bewältigen.

Was könnte allgemein besser laufen?

Ballack Wünschenswert wäre mehr Transparenz seitens der verantwortlichen Instanzen, wodurch sicherlich ein besseres Miteinander und mehr Verständnis für manche Entscheidungen und Vorgaben erreicht werden könnte. Zum Beispiel überzeugt es niemanden, wenn auf dem Verbandstag höhere Beiträge beschlossen werden und als Begründung nur auf andere Verbände verwiesen wird. Für die Zukunft muss sicherlich auch darüber nachgedacht werden, ob, angesichts konkurrierender Freizeitangebote, immer schwieriger werdender finanzieller Absicherung und fehlendem Nachwuchs sowie dem derzeitigen Rückzug vieler kleiner Vereine aus dem Spielbetrieb die aktuellen Strukturen mit 16er-Staffeln noch zu stemmen sind.

Groß Einige Entscheidungen nehmen wir als  sehr bürokratisch, wirklichkeitsfremd und damit unverständlich wahr. Wir alle wollen doch einfach nur unser Hobby ausüben.

Wie ergeht es Ihnen nach einem halben Jahr in der Ost-Staffel?

Ballack Sportlich gab es zunächst erhebliche Anpassungsprobleme, was die deutlich robuster und kämpferischer ausgerichtete Spielweise der Gegner in der Oststaffel anbelangt. Wie die Resultate zeigen, sind wir aber inzwischen dort angekommen. Und es gibt natürlich auch positive Effekte. Man lernt andere Mannschaften und Spielstätten kennen und hat einen Blick auf das Fußballgeschehen über die lokalen Grenzen hinaus.