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| 13:23 Uhr

Nach Lehrer-Versetzung und Eltern-Empörung
Was ist los am Handball-Stützpunkt in Cottbus?

FOTO: Eibner-Pressefoto /Strohdiek / Strohdiek /Eibner-Pressefoto
Cottbus. Die Versetzung der Handball-Lehrertrainer Diane Brucke und Peter Melzer von der Lausitzer Sportschule hat für Unruhe gesorgt. In einem Brief haben Teile der Elternschaft nun schwere Vorwürfe erhoben. Von Wolfgang Swat

Im Cottbuser Handball-Leistungsstützpunkt rumort es nach der Versetzung der Lehrertrainer Diane Brucke und Peter Melzer von der Lausitzer Sportschule durch das brandenburgische Bildungs- und Sportministerium weiter. In einem  „Offenen Brief“ werden von Eltern der Klassen acht und neun schwere Vorwürfe  erhoben. Es gibt aber auch positive Signale. Die RUNDSCHAU analysiert Hintergründe und Aussichten.

Die Hintergründe: Seit Jahren schwelt ein Konflikt zwischen den jetzt versetzten Lehrertrainern. Im Juni 2017 entschieden die Träger des Leistungsstützpunktes, dass die Ausbildungsmannschaften der Klassen  sieben und acht durch Diane Brucke und die der Klassen neun und zehn von Peter Melzer geführt werden, und ein  Hochwachsen  der Trainer mit den Mannschaften in andere Altersgruppen  nicht mehr stattfindet. Mit dem Aufstieg in die A-Jugend-Bundesliga 2018 schien ruhigeres Fahrwasser erreicht zu sein. Das war  trügerisch. Es gab weiterhin heftigen Streit, Vermittlungsbemühungen des Schulamtes Cottbus blieben ergebnislos. Weil sich die  Auseinandersetzungen zunehmend negativ auf Schüler und Elternschaft auswirkten,  entschied das Ministerium Anfang August, die  Lehrertrainer zu versetzen (RUNDSCHAU berichtete). „Diese Situation konnte nicht weiter hingenommen werden“, so das Ministerium.

Eskalation des Streites: Nach der Ministerium-Entscheidung eskalierte der Streit. Über Facebook kursierte am Montag ein  anonymer  „Offener Brief“ von Eltern. Gerichtet war er auch an Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woitke, an die Spitzen des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und auch an einen  „Kämpfer“ gegen Mobbing  an Schulen. Die Vorwürfe darin sind heftig. Von einer „katastrophalen“ und einer „das Kindeswohl gefährdenden Entscheidung“ wird geschrieben, zumal  nach Verkündung der Versetzungen „den Minderjährigen keine Psychologen“ zur Seite gestellt wurden.  Auch von „Mobbing“ durch „Sportler, Trainer, Funktionäre und Leitungskräfte“ sowie „seelische Gewalt“  ist die Rede. Zudem geht es um eine Anzeige gegen den LHC wegen Fördermittelbetrug. Diese gibt es, die Ermittlungen dazu sind noch nicht abgeschlossen.

 Wehrt sich gegen die Vorwürfe mancher Eltern: Sportschulleiter Wolfgang Neubert.
Wehrt sich gegen die Vorwürfe mancher Eltern: Sportschulleiter Wolfgang Neubert. FOTO: Frank Hammerschmidt

Die Reaktionen:  Schulleiter Wolfgang Neubert versichert, dass „zu jeder Zeit die Hilfe durch die Sozialarbeiterin und den Schulpsychologen“ angeboten wurde.  Der Sportstättenbetrieb der Stadt Cottbus, der auch für das Sportinternat  zuständig ist,  erklärte, dass  keinerlei Vorfälle von oder unter Internatsschülern von „Mobbing und Gewaltandrohung“ bekannt seien. Es gebe keine Beschwerden  oder Anzeigen. Nach  RUNDSCHAU-Informationen haben Elternteile inzwischen gegenüber der Schule erklärt, dass sie den Inhalt des „Offenen Briefes“ nicht kannten und nicht unterstützen.

Wie geht es weiter? Die zwei Lehrerstellen sind ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endet am 22. August. „Im Fall dieser Stellen muss neben der Lehramtsbefähigung auch eine (Trainer-)A-Lizenz des Deutschen Handball Bundes nachgewiesen werden“, heißt es aus dem Ministerium. Sind Unterricht, Training und Wettkampfbetreuung bis dahin abgesichert?  „Ja“,  erklären Schule und LHC. „Der reguläre Unterricht und auch der Wahlfachunterricht wird durch Lehrer der  Schule übernommen“, so Wolfgang Neubert.  LHC-Präsident Bernd Tietz versichert,  dass „viele im Verein  in der komplizierten Situation  an einem Strang ziehen“.

Abgestimmt ist, dass alle Schüler der siebten und achten Klasse der C-Jugend und die der neunten und zehnten Klasse der B-Jugend angehören. „Die neuen Trainer müssen dann in enger Absprache die Mannschaften zusammenstellen“, so Schulleiter Neubert. Das Nachmittagstraining gewährleisten der ehemalige polnische Nationalspieler und aktuelle Landestrainer Jacek Bedzikowski, der sportliche Leiter des LHC und Ex-Bundesliga-Spieler Kai-Uwe Weilmünster, oder Lizenz-Trainer Falk Fürstenberg. Darüber hinaus übernehmen Trainer und Spieler der ersten   Männermannschaft  Übungseinheiten.

Bleibt der Leistungsstützpunkt in Cottbus weiter bestehen? „Selbstverständlich“, versicherten das Ministerium und der Handball-Verband Brandenburg  auf  RUNDSCHAU-Nachfrage. Schließlich habe der Handballsport in Cottbus und in der Lausitz eine große Tradition. So haben beispielsweise Nationalspieler  Tobias Reichmann oder Akteure wie Christoph Schindler, Ren Boesé, Hannes Lindt, Georg Pöhle, Alexander Urban, Norman Rentsch, Toni Podpolinski  von Cottbus aus den Sprung in die erste oder zweite Bundesliga geschafft.