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| 15:44 Uhr

Fußball
Pokalfinalist Laubsdorf: Ein Team aus Brüdern, Vätern und Söhnen

 Haben mit Traktor Laubsdorf seit einem Jahr kein Spiel mehr verloren: die Brüder Max (l.) und Philipp Pohl. Das soll möglichst auch nach dem Kreispokal-Finale am Freitag gegen Wacker Ströbitz II noch so sein.
Haben mit Traktor Laubsdorf seit einem Jahr kein Spiel mehr verloren: die Brüder Max (l.) und Philipp Pohl. Das soll möglichst auch nach dem Kreispokal-Finale am Freitag gegen Wacker Ströbitz II noch so sein. FOTO: LR / Steven Wiesner
Laubsdorf. Einst spielten Bittencourt und Benken in Laubsdorf. Nach Insolvenz und zwei Jahren Abstinenz könnte der Nachfolgeverein nun seinen ersten Titel gewinnen – auch dank besonderer Fußball-Familiengeschichten. Von Steven Wiesner

Max Pohl hat in Ligen spielen dürfen, in denen sich nicht jeder Amateurfußballer zeigen darf. Wenn man den 26-Jährigen nach seinem stolzesten Moment auf dem Fußballplatz fragt, denkt er aber nicht an seine ersten Oberliga-Minuten oder seine Einsätze in der Brandenburg-Liga. Max Pohl denkt an seinen sechs Jahre jüngeren Bruder Philipp und das Halbfinale im Kreispokal vor einem Monat. „Gegen Kunersdorf lief die 85. Minute, als sich Philipp gegen vier Mann durchtankt und das Ding in den Winkel knallt – da sind mir die Tränen gekommen“, sagt Max. Am Ende gewannen die Brüder von Traktor Laubsdorf das Spiel mit 4:2 und zogen ins Endspiel gegen Wacker Ströbitz II ein, das an diesem Freitag (18 Uhr) gespielt wird.

Es ist ein Satz, der nicht nur über das Verhältnis der beiden Brüder eine Menge aussagt, sondern über den Geist der gesamten Mannschaft. Wo andernorts oft von familiärer Atmosphäre die Rede ist, muss man sie beim Tabellenführer der 1. Kreisklasse Niederlausitz wörtlich nehmen. Denn im Bräsinchener Weg spielen Brüder, Väter und Söhne in einer Mannschaft. Vor Torhüter Andreas Römer (46) verteidigt Sohn Maximilian (21). In der Offensive wirbeln die Pohl-Brüder als Topscorer mit 28 Toren und 31 Vorlagen. Und die Blutlinie wird auch an der Seitenlinie weitergeführt, wo ihr Cousin Marco Christoph (38) auf der Trainerbank sitzt. „Die große Verbundenheit im Kader ist dadurch noch etwas größer“, sagt Max Pohl. Blut ist eben dicker als Wasser.

Und manchmal kommt es sogar noch dicker. Dann nämlich, wenn Papa Heiko (47) auch noch den Rasen betritt. So wie am 30. März dieses Jahres, als er beim 10:0 gegen Cottbus-Ost in der Ersten Mannschaft aushalf und seinen Zöglingen damit einen Kindheitstraum erfüllte. Im Garten mit dem Papa zu knödeln, ist das eine. Aber in einem offiziellen Pflichtspiel das gleiche Trikot zu tragen, etwas, was nicht viele erleben. „Das ist einmalig und war natürlich das coolste Spiel. Wir haben sogar alle drei ein Tor geschossen und standen danach zusammen in der FuPa 11 des Tages“, sagt Max Pohl. „Das Ding wurde sofort ausgedruckt und zuhause hingehangen.“

Ein Erlebnis, das Max und Philipp Pohl nicht vergessen werden. „Papa war früher auch Kapitän in Laubsdorf und eine Persönlichkeit auf und neben dem Platz. Es war als Kind immer mein Traum, wie er zu sein“, sagt Max Pohl. „Unser Vorbild war nicht Zidane oder Beckham, sondern unser eigener Vater.“

 Mit dem Bruder zu jubeln, macht am meisten Spaß: Max und Philipp Pohl.
Mit dem Bruder zu jubeln, macht am meisten Spaß: Max und Philipp Pohl. FOTO: FuPa Brandenburg

Große Namen hat es früher trotzdem gegeben in Laubsdorf. So mancher Energie-Profi ließ hier in der Gemeinde Neuhausen seine Karriere ausklingen, was dazu führte, dass Ende der 2000er-Jahre Franklin Bittencourt, Sven Benken oder André Thoms nochmal für Blau-Gelb Laubsdorf die Schuhe schnürten. 2014 aber meldete der Verein dann Insolvenz an – und das 500-Einwohner-Dorf hatte zwei Jahre lang kein eigenes Fußballteam mehr.

Seit 2016 aber gibt es den Nachfolgeverein Traktor Laubsdorf. Der einstige Brandenburger Meister musste ganz neu anfangen in der 2. Kreisklasse. Am Wochenende machte er die Meisterschaft in der 11. Liga und damit den zweiten Aufstieg binnen drei Jahren klar. Im Kreispokal kann Traktor Laubsdorf nun am Freitag den ersten Titel seiner jungen Vereinsgeschichte gewinnen.

Wie es sich anfühlt, zu verlieren, wissen die Laubsdorfer um Max und Philipp Pohl fast gar nicht mehr. Die letzte Niederlage liegt bald ein Jahr zurück, in dieser Saison ging noch kein Spiel verloren. Schon im März titelte die RUNDSCHAU: „Wie Juven­tus: Die Unbesiegbaren der Lausitz“. Zwei Tage später verlor der italienische Meister aus Turin sein erstes Spiel. Laubsdorf aber blieb unbesiegt. Auch im Pokal gegen die drei Achtligisten Spremberger SV, VfB Cottbus und Kunersdorf.

Und deswegen können sie nun auf der heimischen Anlage das Finale spielen. „Vor dem Halbfinale hat uns der Vorstand informiert, dass wir Ordner machen müssten, falls wir es nicht ins Endspiel schaffen. Das war natürlich Motivation genug“, lacht Max Pohl. Auch gegen Kreisoberliga-Meister Ströbitz wird Laubsdorf wieder der Außenseiter sein. „95 Prozent der Leute werden es uns nicht zutrauen“, glaubt Trainer Marco Christoph. Doch solange die restlichen fünf Prozent in seiner Kabine sitzen, hat Laubsdorf eine Chance. Sein Kapitän jedenfalls gibt die Richtung vor: „Im Viertelfinale haben wir die Kirsche auf die Sahnetorte gepackt. Im Halbfinale kamen die Schokostreusel oben drauf – und jetzt zünden wir die Wunderkerzen an und gucken, was passiert.“ Bis erneut die Tränen kommen.