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| 17:19 Uhr

Handball
Paukenschlag beim LHC Cottbus: Marcel Linge tritt zurück

"Ich konnte mir das nicht bis zum Ende ansehen": Marcel Linge hat sich noch vor Spielende verabschiedet und ist als Trainer zurückgetreten.
"Ich konnte mir das nicht bis zum Ende ansehen": Marcel Linge hat sich noch vor Spielende verabschiedet und ist als Trainer zurückgetreten. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der Sieg der Oberliga-Handballer im letzten Spiel des Jahres gerät zur Nebensache, weil der Trainer noch vor dem Spielende die Halle verlässt. Von Wolfgang Swat

Der Lausitzer Handball-Club (LHC) Cottbus hat am Samstag  sein letztes Spiel in diesem Jahr in der Handball-Oberliga gegen den Tabellenletzten SV Brandenburg-West mit 23:19 gewonnen. Angesichts dessen, was sich kurz vor Spielende ereignete, geriet das Ergebnis aber eher zur Randnotiz. In einer von der Gastmannschaft eineinhalb Minuten vor dem Abpfiff beantragten Auszeit hatte  Trainer Marcel Linge nach einer kurzen Ansprache an die Mannschaft nicht nur die Bank, sondern auch die Halle verlassen. Robert Takev berichtete: „Marcel Linge hat sich in dieser Auszeit von der Mannschaft verabschiedet und ist sofort gegangen.“

Takev  war, wie die gesamte Mannschaft, vom Zeitpunkt des Paukenschlages überrascht, nicht jedoch von der Entscheidung. „Ich hatte den Mannschaftsrat bereits vor dem Spiel informiert. Kurz vor Ende war die Begegnung für uns entschieden, und ich konnte mir das dann nicht mehr bis zum Ende ansehen“, sagte Linge auf RUNDSCHAU-Nachfrage und fügte hinzu:  „Ich bin nicht  als Sportlicher Leiter zurückgetreten.“

Nach den wechselhaften Leistungen in der bisherigen Saison wollte sich Linge  im Ergebnis einer Analyse mit der Mannschaft  sportlich intensiver um das Oberliga-Team kümmern und hat nach eigenen Angaben das Präsidium gebeten, ihn von anderen Aufgaben auch aufgrund beruflicher Verpflichtungen zu entlasten.  Stattdessen habe man ihn aus der sportlichen Verantwortung nehmen wollen.

Der Verdacht, dass es  brodelt im Verein,  wird durch einen  Beitrag von Linge auf seiner Facebook-Seite genährt: „Um allen Wichtigtuern zu zeigen, dass Wichtiges getan werden muss und dass das nicht nur am Bierstand geht, übergebe ich den Staffelstab an meinen Freund Marcus (Meier, Anm.d.Red.) und trete einen Schritt zurück, um für die Zukunft des Vereins ein paar wichtige Dinge zu organisieren.“ LHC-Präsident Peter Gronem stand noch nicht für Auskünfte zur Verfügung.

Nachdem, was nach Ende des Spiels an die Öffentlichkeit drang, war das, was auf dem Parkett geboten worden war, eher erklärbar. Nach einem guten Start des LHC und einem  5:0-Lauf funktionierte es in Abwehr und Angriff zunächst noch zufriedenstellend. Gestützt auf einen prima aufgelegten Torhüter Florian Berndt spulte die Mannschaft ihr Pensum ab, ohne die Zuschauer von den Sitzen zu reißen.

Nach der Pause zerbröselte der Spielfaden immer mehr. In der Anfangsphase leistete sich der LHC acht Fehlwürfe und technische Fehler in Folge, und so kamen die Gäste bis auf zwei Tore heran. Vor allem Torhüter Berndt, der 18 Bälle parierte, war es zu verdanken, dass es nicht enger wurde. „Es war kein ansehnliches Spiel“, räumte Florian Takev ein, der wegen einer Rippenprellung pausieren musste. „Es war, als wenn die Fehler mit aus der Kabine gekommen wären.“ Bruder Robert, der als Spielmacher fungierte, weil Kapitän Marcus Meier weiter verletzt fehlt, schnaufte nach dem Abpfiff durch. „Ich bin froh über den Sieg und dass wir den Vorsprung verteidigt haben, auch wenn der Spielfluss nicht da war.“ Auf den Paukenschlag mit Linges Abgang angesprochen, sagte er: „Ich bin gespannt, wie es  weiter geht.“

LHC: Adam, Berndt (Tor); Widera (12 Tore), A. Takev (4), Mulemba (2), R. Takev (2), Nietzel (1), Efa (1), Lößner (1), Baccar, Schmitz, Fischer.