| 02:39 Uhr

Mit Sangria zum Aufstieg

Das letzte gemeinsame Mannschaftsfoto des Fußball-Bezirksmeisters SV Dissenchen aus dem Jahr 1992.
Das letzte gemeinsame Mannschaftsfoto des Fußball-Bezirksmeisters SV Dissenchen aus dem Jahr 1992. FOTO: Helbig
Dissenchen. Bernhard Hansch erinnert sich noch gut an die unerwartete Pleite, als wäre es erst ein paar Wochen her. Der SV Dissenchen war längst aufgestiegen, wollte jetzt noch auswärts ungeschlagen bleiben und im letzten Saisonspiel das 100. Sven Hering

Saisontor erzielen. 97-mal hatte das Team zuvor in den 29 Spielen getroffen. Doch stattdessen kassierte der souveräne Tabellenführer eine 0:1-Niederlage beim Tabellenzwölften Hertha Finsterwalde. 1450 Zuschauer sahen damals die Begegnung in der Bezirksklasse. Zwar war dem Gast der Titel des letzten Bezirksmeisters nicht mehr zu nehmen. "Trotzdem hatten wir uns natürlich einen anderen Abschluss gewünscht", sagt Bernhard Hansch, der damals, in der Saison 1991/92, als Trainer an der Seitenlinie stand.

Jetzt, 25 Jahre später, wird wohl auch noch einmal über dieses Spiel gesprochen, wenn das damalige Meisterteam am 24. Juni im Rahmen des Dissenchener Sportfestes zusammenkommt. Dabei soll aber nicht nur in Erinnerungen geschwelgt, sondern auch ein wenig Fußball gespielt werden.

Allerdings ist das ein nicht so einfaches Unterfangen. "Unter den 21 Spielern, die eingeladen wurden, sind einige dabei, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auflaufen können", erklärt Bernhard Hansch. Der 74-Jährige ist dennoch zuversichtlich, eine Truppe zusammenzubekommen, die dann gegen ein Team mit durchaus klangvollen Namen antreten wird. Bernhard Hansch zählt einige davon auf: Konetzke, Kloschinski, Besser, Fandrich oder Mattuschka.

Von 1964 bis 1966 spielte Hansch bei Dynamo Cottbus, anschließend fünf Jahre bei Energie. In den siebziger Jahren übernahm er den Trainerposten im Dissenchener Fußball. Und führte das Team zu Erfolgen, die es so danach nie wieder gegeben hat.

"Wir hatten damals die Kohle hinter uns und damit sehr gute Bedingungen", erklärt Hansch den Erfolg seines Teams. So wurden die Spieler mit Arbeitsplätzen versorgt. "Der Vorteil: Wir konnten kontinuierlich trainieren, die Jungs waren immer zusammen", erinnert sich der Dissenchener. "Einige waren auch bei uns auf dem Platz beschäftigt, das war zeitweise wie im Profifußball." Zudem verfügte der Kader über außergewöhnlich talentierte Leute. Hansch nennt stellvertretend die Namen Andreas Rath, Henry Brühl oder Jörg Scholz. Viele von ihnen hätten in der DDR-Liga gespielt. Später sei das Team auseinander gebrochen. Einige der Leistungsträger seien in den Westen abgewandert. Die Unterstützung der Kohle fiel weg. Für Auswärtsfahrten bis nach Neubrandenburg mussten beispielsweise 800 Mark aufgebracht werden. "Das konnten wir uns nicht mehr leisten", so Hansch. Der Höhenflug des Vereins war gestoppt. Fortan ging es in den Ligen immer weiter runter.

In diesem Jahr allerdings gibt es in Dissenchen wieder Grund zum Feiern. Die gemeinsam mit Haasow gebildete Spielgemeinschaft hat den Aufstieg in die Kreisoberliga geschafft.

Ob das Team dabei auf ein Ritual des letzten Bezirksmeisters 1992 zurückgegriffen hat, weiß Hansch nicht. Seine Spieler jedenfalls schwörten seinerzeit vor jedem Spiel auf einen Schluck Sangria. Kurz vor Anpfiff - der Trainer hatte zu diesem Zeitpunkt die Kabine bereits verlassen - sei immer eine Flasche herumgereicht worden. Bernhard Hansch wusste von dieser ganz speziellen Einstimmung auf die Spiele nichts. "Ich habe davon erst im Jahr 2010 erfahren", betont er. Beim letzten Treffen der 92er-Truppe im Jahr 2012 sorgte Hansch dann für eine Überraschung. "An diesem Tag hatte ich eine Flasche Sangria dabei." Die Truppe, die das Geheimnis über viele Jahre bewahrt hatte, habe jedenfalls nicht schlecht geguckt.