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| 11:53 Uhr

Der Trainer vom LHC Cottbus im Interview
Marcus Meier: „Wir werden Vollgas-Handball spielen“

 Musste seine Laufbahn früh beenden und leitet die Mannschaft nun als Trainer: LHC-Coach Marcus Meier.
Musste seine Laufbahn früh beenden und leitet die Mannschaft nun als Trainer: LHC-Coach Marcus Meier. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der junge Trainer vom LHC Cottbus redet über seine neue Rolle am Spielfeldrand und verspricht Knalleffekte für die neue Saison. Von Wolfgang Swat

Marcus Meier hat mit seinen 28 Jahren bereits Spuren im Cottbuser Handball hinterlassen. Ausgebildet an der Lausitzer Sportschule und beim LHC Cottbus war er viele Jahre Kapitän der Oberliga-Mannschaft. Die aktive Handball-Karriere von Meier, der beruflich im Außendienst für eine Baustoff-Firma arbeitet, endete im Oktober 2017, als er sich das linke Ellenbogengelenk brach. Im Januar 2018 übernahm er nach dem Rücktritt von Marcel Linge übergangsweise den Trainerposten. Im Januar 2019 sprang er nach der Ablösung von Bozidar Bursac erneut ein und führte den LHC noch auf einen achtbaren 4. Rang in der Oberliga.

Herr Meier, nach der schweren  Verletzung und dem Karriereende die wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Meier Im Februar bin ich das zweite Mal operiert worden. Eine Nachuntersuchung vor einigen Tagen zeigte, dass die Heilung nicht wie erhofft vorangeht. Es ist nicht auszuschließen, dass ein künstliches Gelenk eingesetzt werden muss.

Denken Sie noch oft an das Foul und den Folgen?

Meier An das Foul denke ich eigentlich gar nicht mehr. Im Alltag ist es eine Belastung, weil ich den linken Arm nicht mehr viel  belasten kann.

Juckt es dennoch, den Ball noch einmal in die Hände zu nehmen?

Meier Na klar. Handball war doch ein wichtiges Stück meines bisherigen Lebens. Umso mehr freue ich mich, dass ich mit den Jungs weiter zusammen bin.

Sie sind im Januar das zweite Mal als Trainer eingesprungen. Hätten Sie sich das träumen lassen?

Meier Nein, daran habe ich nie gedacht. Ich hatte seinerzeit gesagt, dass ich bis zum Saisonende einspringe. Mit der Verpflichtung von Bozidar Bursac war  ja dann eigentlich der Haken dran.

Und dann?

Meier Ich war nie weg, habe mir die Spiele von der Tribüne aus angesehen.  Ich war auch unter der Woche in der Halle, habe mich fit gehalten. Es war schwierig zu beobachten, wie die Jungs spielen, denn ich wusste ja, dass sie es besser können. Ich habe mich aber nie eingemischt. Das war nicht mehr meine Sache.

Wie war der Zustand der Mannschaft bei der Übernahme?

Meier Körperlich waren die Spieler topfit. Allerdings mussten wir  taktisch viel verändern. Es war nicht mehr alles wie zuvor auf  Nick Widera und Robert Takev zugeschnitten. Das Zusammenspiel musste wieder  auf die ganze Mannschaft von rechts bis links verteilt werden.

An welchen Stellschrauben wurde gedreht?

Meier Jedem wurde Verantwortung übertragen. Jeder konnte und musste seinen Beitrag leisten.  Wir wollten wieder den „Cottbuser Handball“ spielen mit schnellen Kombinationen, denn die Spieler sind körperlich ja keine Riesen. Dabei hat mir  Peter Melzer sehr geholfen, der einmal in der Woche das Taktik-Training übernommen hat.

Das wird nicht jeder gerne hören?

Meier Das ist mir egal. Wir haben in ihm einen Mann, der sich taktisch sehr gut auskennt und das Spiel der Mannschaft prägt. Viele von uns kennen Peter seit der 7. Klasse in der Sportschule. Wir sind mit ihm aufgewachsen und wissen, wie wir ihn nehmen müssen.  Na klar sagt er dir, wenn du, pardon, „Scheiße“  bist. Da nimmt er kein Blatt vor den Mund. Damit muss man umgehen können.

Wie bewerten Sie die gerade beendete Saison?

Meier In der Hinrunde haben wir unter unserem Niveau gespielt. Der Tabellenplatz war ein deutlicher Beleg dafür. Die Rückrunde war nicht nur von der Trainingsbeteiligung  her viel, viel besser, sonder daraus resultierend auch spielerisch. Wir haben uns nicht umsonst noch auf Platz vier gekämpft. Die letzten drei Spiele haben wir gewonnen, auch gegen Usedom. Das war und ist ganz wichtig für die Köpfe, dieses Gefühl, dass wir zuhause  jede Mannschaft schlagen können.

Sie hängen noch ein Trainerjahr dran. Wie sind Beruf und Traineramt  in der Oberliga unter einen Hut zu bringen?

Meier Das geht ja nicht nur mir so, sondern auch den Spielern, die nicht mehr zur Schule gehen. Wichtig war für mich die Einschätzung der Jungs, dass es wieder Spaß mache, gemeinsam zu kämpfen, zu gewinnen und auch bei einer Niederlage zusammenzustehen.

Jetzt geht es erst einmal ab Ende Mai bis Mitte Juli in die Pause. Worauf können sich die Zuschauer schon jetzt freuen?

Meier Wir wollen in der Lausitz-Arena möglichst alle Spiele gewinnen. Die Zuschauer können sich darauf freuen, dass wir Vollgas-Handball spielen, dass wir es in jedem Spiel knallen lassen werden. Die Mannschaft bleibt zusammen. Jüngere Spieler  aus dem Nachwuchs kommen hinzu. Zudem kehrt mit Nicola Kuhlmey ein erfahrener Spieler aus Lübbenau zu uns zurück.

Sind Meisterschaftsträume erlaubt?

Meier Man kann ja träumen, realistisch ist es aber nicht. Wir haben noch viel zu arbeiten. Ein Selbstläufer wird auch die neue Saison nicht. Wenn  alles gut läuft und wir von Verletzungen  verschont bleiben, brauchen wir uns aber nicht wie in der abgelaufenen Saison wieder mit unteren Rängen beschäftigen.