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| 18:51 Uhr

Handball
LHC-Spektakel mit „offenen Visieren“

 Nick Widera (l.) hebt ab. 16 Volltreffer gelangen dem Cottbuser Torjäger gegen den HSV Insel Usedom.
Nick Widera (l.) hebt ab. 16 Volltreffer gelangen dem Cottbuser Torjäger gegen den HSV Insel Usedom. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Die Cottbuser Oberliga-Handballer besiegen den Tabellenzweiten Usedom in einer torreichen Partie mit 36:32 (15:14). Von Wolfgang Swat

Nach dem Abpfiff der Partie, dem Jubel der LHC-Akteure im Siegerkreis und dem herzlichen Applaus der 307 Zuschauer in der Lausitz-Arena war ein Mann im roten Trikot der Gastgeber dennoch traurig: Glenn Nietzel. Schon nach wenigen Minuten wurde der Linksaußen zum gezwungenen Bankdrücker. Die Wade zwickte und ließ ein Weiterspielen nicht mehr zu. „Ich war sehr enttäuscht, dass ich gegen meine alte Truppe nicht mehr mitspielen konnte“, gab er zu. Nietzel, der vor seinem Wechsel in die Lausitz einst in Usedom  agierte, hätte sich als Angreifer beim „Spiel mit offenen Visieren“, das beide Mannschaften an diesem vorletzten Saison-Spieltag bevorzugten, sicher wohl gefühlt.

Die ersatzgeschwächten Gäste, die offensichtlich nicht mehr wirklich an ihre Meisterchance gegen Spitzenreiter Stralsund geglaubt hatten, konnten, ebenso wie der LHC nach dem vor Wochenfrist fest gemachten Klassenerhalt nach einer schwierigen Saison, befreit aufspielen. „Der Angriff war super, die Abwehr stand gar nicht“,  fasste Nietzel, der von Malik Reimann gut vertreten wurde, zusammen.

Das traf aber auch auf die Gäste zu. Beide Truppen hatten wohl vergessen, dass man bei der  Abwehr gegnerischer Angriffe am besten die Visiere geschlossen hält. So kam es bereits in der ersten Halbzeit zu einem torreichen Spiel mit einer 15:14-Führung  für die Lausitzer.

„Wir hatten uns vorgenommen, gut zu decken“, offenbarte nach dem Abpfiff Trainer Marcus Meier die taktische Vorgabe. „Das hat nicht so geklappt“, räumte er ein und fügte hinzu: „Wir haben uns in der Halbzeit über die vielen Gegentore geärgert.“ Die Usedomer Einschätzung mag ähnlich gewesen sein.

Am offenen Gefecht beider Mannschaften änderte sich trotz der zutreffenden Lageeinschätzung nichts. Oder  zunächst wenig.  Erst als LHC-Torhüter Julien  Adam das Visier runter klappte, nach dem 18:18-Ausgleich der Gäste zwei Konterchancen gekonnt abwehrte und später auch noch zwei Siebenmeter für die Gäste entschärfte, fand Cottbus den Weg auf die Siegerstraße.

Robert Schulze stellte dennoch nüchtern fest: „Für die Zuschauer war es ein gutes Spiel, von uns insgesamt aber nicht. Das war ja wie ein Scheibenschießen.“

In dieser „Sportart“ erwiesen sich die Cottbuser am Ende erfolgreicher als die Insulaner aus Usedom. Vor allem auch dank eines Nick Widera. Der Cottbuser Torjäger, dem die Abwehrarbeit weitgehend abgenommen worden war, traf vorn quasi wie er wollte. Am Ende standen 16 Volltreffer bei wenigen Fehlschüssen auf seinem Konto. „Das hat viel Spaß gemacht“, schätzte er nach Abschluss des „Schützenfestes“ ein. „Wir haben die Angriffe gut ausgespielt, und die Jungs haben die Würfe für mich gut vorbereitet“, lobte Widera seine Nebenleute in der Angriffs-Formation. „Es macht wieder Spaß, Handball zu spielen“, fügte er an.

Einer, der vom Trainerwechsel  im Januar von Bursac zu Meier profitierte, ist Robert Schulze. Nach seiner Rückkehr in dieser Saison aus Zittau ist er in den vergangenen Spielen sichtlich aufgeblüht. Den Grund für den individuellen wie mannschaftlichen Leistungsanstieg sieht er vor allem in einer besseren Trainingsbeteiligung auch aufgrund einer engeren Verzahnung  der Mannschaften von der A-Jugend bis zu den zweiten Männern.  „So macht es allen einfach mehr Spaß“, stellte er fest.

Schulze, wie die Mehrheit seiner Mitspieler mit der Cottbuser Handballschule  und dem schnellen Kombinationsspiel groß geworden („wir sind ja körperlich alle keine Riesen“),  hob neben dem „mehr Rennen“ in den Übungseinheiten unter der Woche vor allem den taktischen Feinschliff nach der wiederbelebten Einbeziehung von „Trainerfuchs Peter Melzer“ in das Taktik-Training hervor. „Herr Melzer verbessert jeden im Training“, ist seine Einschätzung.

Glenn Nietzel sieht es ähnlich. „Uns kann man nachts wecken, und wir haben sofort unsere Spielzüge drauf. Es kommt eben auch auf den Feinschliff an.“

Dass dazu gehört, in der Abwehr die Visiere runter zu klappen, dazu gab es nach dem Spiel bei aller Freude über das Offensiv-Spektakel am Samstag keinen Widerspruch.

LHC Cottbus – HSV Insel Usedom 36:32

LHC: Adam, Hinzer; Widera (16/3), Efa (5), Reimann (4), R. Takev (3),  Schulze (3), A. Takev (2), Hüneburg (2), Volk (1), Nietzel, Wieland, T. Fischer