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| 12:13 Uhr

Senioren-Schachclub Cottbus
König, Dame und Bauer suchen Nachwuchs

Detlef Schmidt erklärt am Demonstrationsbrett clevere Spielzüge, bevor diese im anschließenden Training ausprobiert werden. Der Ingenieur ist erst seit zwei Monaten bei den Cottbuser Senioren-Schachspielern dabei.
Detlef Schmidt erklärt am Demonstrationsbrett clevere Spielzüge, bevor diese im anschließenden Training ausprobiert werden. Der Ingenieur ist erst seit zwei Monaten bei den Cottbuser Senioren-Schachspielern dabei. FOTO: Daniel Friedrich
Cottbus. Mit zwei Mannschaften tritt demnächst der Senioren-Schachclub Cottbus im Liga-Spielbetrieb an. Der Verein hat nicht nur die wohl ältesten Mitglieder – er ist auch der einzige seiner Art in Brandenburg. Die „Nachwuchssuche“ ist dabei stets ein Thema. Von Daniel Friedrich

Sie sitzen sich an einem Tisch gegenüber und schieben kleine Holzfiguren namens König, Dame oder Bauer auf einem gemusterten Spielbrett hin und her. Was simpel klingt, ist in Wahrheit anspruchsvolle Kopfarbeit und für die Mitglieder des Cottbuser Senioren-Schachclubs ihr liebstes Hobby. Immer mittwochs treffen sie sich für mehrere Stunden im Sachsendorfer Pflegezentrum und ziehen sich in ihren Trainingsraum zurück. „Hier haben wir gute Bedingungen. Für Mannschaftsspiele können wir den großen Saal nutzen“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Böhm (69).

Mannschaftsturniere mit mehreren  Spielern wird es nun bald öfters geben: Denn ab Herbst 2018 tritt der einzige Senioren-Schachclub Brandenburgs wieder mit zwei Mannschaften zum Spielbetrieb an. Gestartet wird in der Landesklasse Süd und der Regionalliga Süd mit jeweils acht Spielern pro Team. Die vergangene Saison beendeten die Cottbuser Senioren mit einem fünften und einem sechsten Tabellenplatz. „Jetzt haben wir Verstärkung durch einige neue Spieler bekommen, sodass wir dieses Jahr noch besser abschneiden können“, hofft Wolfgang Böhm.

Dass Schach als Sportart von manchen Zeitgenossen nur belächelt wird, findet er schade: „Zwar sind wir nicht so sehr körperlich aktiv, dennoch müssen wir gesundheitlich fit sein, denn so ein Punktspiel über drei bis fünf Stunden ist eine psychische und körperliche Herausforderung – auch ohne viel Bewegung.“ Außerdem fördere Schachspielen das Denkvermögen, bringt Ruhe in den mitunter stressigen Alltag und stärkt den freundschaftlichen Zusammenhalt. Einigen hat ihr Hobby auch beim Übergang zwischen Beruf und Ruhestand geholfen. „Es hält geistig fit und wirkt der Vereinzelung von Menschen entgegen. Das ist doch gerade im Alter wichtig“, meint Werner Didzuhn (88), der den Schachclub einst leitete.

Einen freundschaftlichen Austausch pflegen die Cottbuser zum Beispiel mit Schachspielern aus Dresden: Jährlich gibt es ein Freundschaftsturnier. Daneben organisiert der Seniorenschachclub für Hobbyspieler in Cottbus regelmäßige Traditionsturniere: „Der älteste Freizeitspieler dabei ist 93 Jahre alt. Im Ligabetrieb haben wir sechs Leute über 80 Jahre“, berichtet Wolfgang Böhm, der wie die meisten anderen Vereinsmitglieder als Schulkind mit dem Schachspielen begonnen hat.

Bei einem solch hohen Altersschnitt ist die „Nachwuchssuche“ auch stets Thema in der Runde. „Begünstigt für den Schachsport sind Menschen, die variabel und strategisch im Denken sind und eine gewisse Fantasie mitbringen, Mathematiker etwa“, sagt der Vereinschef. Trotzdem seien in dem Schachclub Spielerinnen und Spieler jeder Herkunft und jeden Alters willkommen. „Eine Altersgrenze nach unten gibt es nicht“, versichert er.