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Jonas schwimmt in der Medaillen-Flut

Vier Gold- und zwei Silbermedaillen, dazu einen Hallenrekord – die Bilanz von Jonas Herrmann am vergangenen Wochenende in Cottbus.
Vier Gold- und zwei Silbermedaillen, dazu einen Hallenrekord – die Bilanz von Jonas Herrmann am vergangenen Wochenende in Cottbus. FOTO: Helbig
Cottbus. Die RUNDSCHAU stellt in einer neuen Serie hoffnungsvolle Lausitzer Talente vor. Heute: Schwimmer Jonas Herrmann aus Cottbus. Anja Brautschek

Elegant schießt Jonas Herrmann durch das Becken der Lagune Cottbus. Seine leuchtend rote Badekappe strahlt aus dem Wasser hervor, wenn er seinen Kopf zum Luftholen nach oben streckt. Mit kräftigen Arm- und Beinbewegungen schiebt er sich Meter für Meter nach vorne und lässt dabei seine Konkurrenten hinter sich. Zum Nachwuchsschwimmfest des PSV Cottbus mit mehr als 400 Teilnehmern sichert sich der Neunjährige gleich vier Gold- und zwei Silbermedaillen sowie einen Hallenrekord über 200m Rücken. Auch zu den Landesmeisterschaften 2017 gewann Jonas in seiner Altersklasse vier Titel und zwei Mal Silber.

Dass er im Schwimmen so erfolgreich wird, damit hätte vor fünf Jahren vermutlich niemand gerechnet. Denn Jonas war von Geburt an etwas steif und musste zur Frühförderung. Um seinen Körper und die Muskeln weiter zu trainieren, suchte er nach einer geeigneten Sportart. Nach einem Schwimmkurs mit einem Freund fing Jonas Feuer und Flamme fürs kühle Nass. "Ich habe mich richtig gut angestellt und wollte sofort weitermachen. Auch der Kursleiter hat erkannt, dass ich Talent fürs Schwimmen habe", erzählt er. Also meldeten Jonas Eltern ihn vor fünf Jahren beim PSV Cottbus an. Und seitdem steigert der Neunjährige konsequent seine Leistungen. Schon 2015 zur Landesbestenermittlung räumte er mit Silber, Bronze und Bronze in der Staffel die ersten Medaillen ab. Krönender Höhepunkt seiner bisherigen Karriere war die vergangene Landesmeisterschaft im April, bei der er gleich sechs Mal das Siegertreppchen besteigen durfte. Nach der Bestenliste gehört Jonas zu den erfolgreichsten Schwimmern Brandenburgs und führt die Rangliste derzeit unter anderem in seinen Paradedisziplinen 50m Brust und 200m Brust an. Diese Erfolge haben Jonas nicht nur körperlich weit nach vorn gebracht, sondern dem einst schüchternen Jungen zu Selbstbewusstsein verholfen.

Mit eisernem Willen und zielstrebigem Blick schaut er bereits auf sein nächstes, großes Ziel: die Sportschule in Potsdam. Um dort angenommen zu werden, tut der Neunjährige bereits jetzt alles. Er scheut sich deshalb nicht, neben dem vollen Trainingsplan noch ein paar zusätzliche Einheiten einzuschieben. Mit Fahrradfahren trainiert er in seiner Freizeit zusätzlich Ausdauer und Kraft. Und bei Wettkämpfen sucht er immer die Herausforderung. "Wenn ich starke Mitstreiter habe, macht es am meisten Spaß. Nur so kann ich mich steigern", sagt er.

Um sich mental selbst zu pushen, ist sein Glücksbringer - ein plüschiger Wassertropfen und das Maskottchen der Schwimm-WM 2013 - im Geiste immer an seiner Seite. "Wenn ich schwimme, stelle ich mir vor, dass er mich verfolgt. Dann schwimme ich schneller", verrät Jonas einen Trick. Neben ein paar weiteren kuschligen Andenken von der Familie oder Arztbesuchen ziert der Wassertropfen sein Bett. An der Wand des Kinderzimmers sind Jonas Medaillen fein säuberlich sortiert und aufgehangen. Rund 130 Auszeichnungen sind es schon jetzt - aufgehangen an einem gezimmerten Regal von seinem Opa. "Medaillen, die mir besonders viel bedeuten, haben einen besonderen Platz. Das sind die der Landesmeisterschaft und der Landesbestenermittlung. Und wenn wir demnächst umziehen, bekomme ich sogar eine Vitrine für meine Pokale", sagt Jonas mit strahlenden Augen.

Wenn es nach dem jungen Cottbuser geht, soll sich in diesen Erfolgen irgendwann auch eine olympische Medaille einreihen. "Allein die Teilnahme wäre schon super, eine olympische Medaille allerdings das beste", sagt Jonas. Damit strebt er eine Schwimmkarriere genau wie sein großes Vorbild Christian Diener an. Der ehemalige PSV-Schwimmer feierte in Rio de Janeiro seine Olympia-Premiere und sicherte sich auf Anhieb Platz 7 über 200m Rücken. Die Voraussetzungen für Jonas, später in diese großen Fußstapfen zu treten, stehen nicht schlecht. Den nötigen Siegeswillen und Ehrgeiz bringt er mit. Selbst bei seinem Hobby, dem Handball, lässt Jonas immer etwas Vorsicht walten, um seine momentane Form nicht zu gefährden. "Eine Verletzung oder Krankheit wirft einen immer etwas zurück."Ärzte haben zudem errechnet, dass er als ausgewachsener Mann eine Körpergröße von etwa 1,95 Metern erreichen wird. "Das wäre fürs Schwimmen perfekt", berichtet er stolz.

Zum Thema:
Alter: 9Verein: PSV CottbusTrainer: Petra Petrov, Dominik KurzVorbild: Christian DienerGrößte Erfolge: vier Landesmeistertitel sowie zwei Vizetitel zur Landesmeisterschaft 2017Größtes Ziel: eine olympische Medaille gewinnenWeitere Hobbys: HandballLieblingsessen: Nudeln mit Tomatensoße, Plinse, Kartoffeln mit Quark und LeinölIn sozialen Netzwerken zu finden: nein

Zum Thema:
Die RUNDSCHAU will es wissen: Wo sind in der Lausitz die Talente versteckt, die eines Tages für Deutschland die olympischen Medaillen aus dem Feuer holen werden? Haben Sie in Ihrem Verein ein Mädchen oder einen Jungen, die schon früh erkennen lassen, dass sie eines Tages die erfolgreichen Nachfolger von Diskus-Olympiasieger Christoph Harting oder Bahnrad-Weltmeister Maximilian Levy werden könnten? Wir wollen diese Talente kennenlernen. Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail an die Adresse: sport@lr-online.de. Betreff: Lausitzer Talente.