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Hobeck: "Diese Quälerei tue ich mir nicht mehr an"

Meeting-Chef Ulrich Hobeck
Meeting-Chef Ulrich Hobeck FOTO: Beyer
Cottbus. Den befürchteten Schlussstrich hat Ulrich Hobeck nach dem stimmungsvollen 15. Internationalen Springermeeting in Cottbus nicht gezogen. Der 69-jährige Meeting-Direktor will die Veranstaltung auch 2018 wieder in Angriff nehmen – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Jan Lehmann und Mirjam Danke

Aufatmen gegen Mitternacht. "Wir hatten befürchtet, der Uli sagt uns heute, dass er aufhört", raunt man sich erleichtert im Organisationsteam des Cottbuser Springermeetings zu. Doch "der Uli", also Meeting Direktor Ulrich Hobeck, hat das nicht getan.

Kein Wort vom Rücktritt, kein Schlussstrich. Wie hätte er den auch ziehen können, nach einer so stimmungsvollen Veranstaltung vor mehr als 2000 Zuschauern in der ausverkauften Lausitz-Arena? Nach einem Springermeeting, das nicht nur wegen des 5,92-Meter-Rekordsprungs des Polen Piotr Lisek wohl das bisher beste in 15 Jahren war.

Die hochkarätige Veranstaltung war genau das richtige fürs Lausitzer Sportlerherz in diesen kalten Januar-Tagen. Das ging auch dem Meeting-Direktor so. Hobeck, der sich nach der Veranstaltung in einer kurzen Rede bei den Förderern und Helfern bedankte, berichtete: "Ich habe das Meeting intensiv genossen, gerade weil wir monatelang so hart daran gearbeitet haben. Es war für mich noch einen Tick besser als im vergangenen Jahr."

Während der drei Stunden mit großem Sport und guter Show war auch die RUNDSCHAU-Berichterstattung über das mögliche Ende der Traditionsveranstaltung ein Thema unter den Gästen. Die steigenden Kosten, die schwierige Suche nach Sponsoren - es wird für das Team um Hobeck und seine Kollegin Franziska Penske immer schwieriger, das Meeting zu stemmen.

"Sie müssen das hier alle zusammen erhalten", forderte deshalb der erstklassige Moderator Michael Werling das Publikum auf und erhielt dafür viel Applaus. Den größten Beifall erntete allerdings ein Anderer - und zwar nicht Rekordspringer Lisek. Nein, Hobeck selbst wurde minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert, ein rührender Moment.

Doch mit Bauchpinselei allein ist die Meeting-Fortsetzung 2018 noch nicht gesichert. Mirko Wohlfahrt, der als Direktor des Turniers der Meister bei den Turnern ähnliche Kunststücke wie Hobeck vollführt, sagte: "Ich habe großen Respekt vor Uli und seinem Team, die hier jedes Jahr eine tolle Veranstaltung auf die Beine stellen. Dass wir in Cottbus gut organisieren können, hat sich mittlerweile in der Sportwelt herumgesprochen. Von unseren guten Strukturen profitiert das Meeting genau wie unser Turnier. Aber hinter jeder Veranstaltung steht die Frage, was man sich wirklich leisten kann. Die müssen wir jedes Mal aufs Neue beantworten."

Bei dieser Frage gehen die Blicke automatisch auch immer in Richtung Stadt. Doch während andere Kommunen solche Veranstaltungen teilweise selbst finanzieren, fehlt in Cottbus dafür das Geld. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) betonte jedoch am Mittwochabend: "Das, was wir im Rahmen der Sportförderrichtlinie tun können, das tun wir. Das heißt, dass bestimmte Dienstleistungen teils unentgeltlich erbracht werden können. Außerdem animieren wir natürlich unsere eigenen kommunalen Unternehmen, Sponsoring zu betreiben. In diesem Jahr hat das Carl-Thiem-Klinikum das ganz groß gemacht, die Stadtwerke sind schon über viele Jahre auch in schwierigen Zeiten ein Partner des Meetings."

Kelch verspricht: "Wenn es uns gelingt, Uli Hobeck weiter zu animieren, auch das 16. Meeting anzugehen, dann werden wir uns an einen Tisch setzen und besprechen, wie wir ihn noch weiter unterstützen können."

So wie es aussieht, muss man Hobeck allerdings nicht groß animieren. Doch der Mann, der im Juni seinen 70. Geburtstag feiert, hat sich selbst klare Bedingungen gestellt. Er erklärte: "Ich muss erstmal alles sacken lassen. Und dann muss ich mit vielen Sponsoren reden. Ich habe ja auch neue, die nicht nur 500 Euro geben. Wenn die bereit sind, mache ich mit meinem tollen Team weiter. Aber diese Quälerei mit mehr als 100 Sponsoren und beim fünften, sechsten Mal immer noch keine Unterschrift - ich glaube, die tue ich mir nicht mehr an."

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