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| 16:23 Uhr

Sumo
„Hier ist niemand übergewichtig“

Gruppenbild mit Trainern beim PSV Cottbus (hinten v.l).: Björn Bieling, Aleksander Sztanuchin, Nekruz Dzhovidzoda, Erik Oertel, Emily Bieling, Sandra Köppen-­Zuckschwerdt und Elke Nowack. Vorn v.l.: Oskar Becker, Cara Zimmer, Magda Skrajnowska und Paul Erfurt.
Gruppenbild mit Trainern beim PSV Cottbus (hinten v.l).: Björn Bieling, Aleksander Sztanuchin, Nekruz Dzhovidzoda, Erik Oertel, Emily Bieling, Sandra Köppen-­Zuckschwerdt und Elke Nowack. Vorn v.l.: Oskar Becker, Cara Zimmer, Magda Skrajnowska und Paul Erfurt. FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Die Sumo-Bundestrainerin räumt mit Vorurteilen auf. Sechs Sportler des PSV Cottbus fahren zur Junioren-EM. Von Georg Zielonkowski

Sechs junge Judoka des PSV Cottbus haben sich für die European Continental Cadets and Juniors Sumo Championships 2018, die an diesem Wochenende in Rakvere/Estland stattfinden, qualifiziert. Mit einem intensiven Vorbereitungsprogramm hat Elke Nowack die jungen Leute auf die Europameisterschaft vorbereitet. Unterstützt wurde das Sextett auch von den Trainern eines Partnervereins aus dem polnischen Leczna, Aleksander Sztanuchin und Magda Skrajnowska. Letztere kann auf vordere Platzierungen bei vielen Ranglistenturnieren, Europa- und Weltmeisterschaften sowie den World Games verweisen. Im August 2018 waren die Cottbuser Sumotoris für eine Woche bei ihnen für ein Trainingslager zu Gast. Sehr gern folgten sie der Einladung aus Cottbus für einen Gegenbesuch.

Ebenfalls vor Ort in der Trainingsstätte in der Karl-Liebknecht-Straße war die Bundestrainerin Sandra Köppen-Zuckschwerdt. Die vierfache Sumo-Weltmeisterin, die vor ihrem Einstieg in die Sumo-Szene in ihrer früheren Kernsportart Judo zweifache Europameisterin wurde, berichtet im RUNDSCHAU-Gespräch unter anderem vom Stellenwert, den Cottbus, Brandenburg und Deutschland in der Szene des japanischen Nationalsports inzwischen inne haben.

Frau Köppen-Zuckschwert, hört man etwas vom Sumo-Ringen, hat man spärlich bekleidete, höchst übergewichtige Sportler vor Augen, die sich auf der Matte balgen, nachdem sie sich vor dem Beginn den Reis über die Schulter geworfen haben. Wie falsch ist dieses Vorurteil?

Köppen-Zuckschwerdt Ganz falsch, denn schauen Sie sich im Leistungsstützpunkt Cottbus um. Sehr junge Menschen üben hier für die EM, bei denen wir Starter ab zehn Lebensjahren sehen. Von denen ist niemand übergewichtig, sie besitzen stattdessen eine ungeheure Schnellkraft und Athletik. Wahr ist allerdings, dass im Sumo-Mutterland Japan die von Ihnen beschriebenen Kämpfe schon vorkommen. Sumo wird eben auch von Sportlern in Gewichtsklassen gekämpft, die weit über der 100-Kilo-Marke liegen.

Führen Sie uns bitte kurz ins Regelwerk samt der gängigen Rituale ein.

Köppen-Zuckschwerdt Vor Beginn des Kampfes gehen die Kämpfer langsam in die Hocke, klatschen zweimal in die Hände, reiben sie gegeneinander und strecken dann ihre Arme weit auseinander. Sieger ist, wer den Gegner aus dem Ring drängt, trägt oder ihn aus dem Gleichgewicht bringt, sodass ein anderes Körperteil als die Fußsohle den Boden berührt, also die Hände, Knie oder sogar die Haare. Um das zu erreichen, wenden die Kämpfer Stoß- und Schiebetechniken und Griffe an. Die Kämpfe dauern meist nur wenige Sekunden, oft ist die Begrüßung länger als der Kampf.

Welchen Stellenwert hat Sumo deutschlandweit, in Brandenburg und speziell in Cottbus?

Köppen-Zuckschwerdt In ganz Deutschland gibt es 340 Sumo-Kämpfer, und hört, hört: 224 davon allein in Brandenburg. Bei uns im Land gibt es zwei Stützpunkte, nämlich in Brandenburg und hier in Cottbus, wo mit Elke Nowack eine großartige Frau an der Spitze steht. Mit ihr habe ich früher in der Judo-Bundesliga gekämpft, inzwischen war sie sogar bei der Sumo-Weltmeisterschaft in Taipeh als Kampfrichterin im Einsatz. Sie weiß also bestens in dieser Sportart Bescheid und hat als Trainerin hier in Cottbus eine Schar begeisterter junger Leute geformt, die nun aussichtsreich zur Jugend-EM fahren.

Mit Sandra Köppen-Zuckschwerdt sprach Georg Zielonkowski