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| 18:58 Uhr

Radball
Glücksfall für den Cottbuser Radball

Fachsimpelei nach einem Sieg: Lutz Pannach (2.v.l.) spielt nach wie vor Radball. Neben ihm und seit 25 Jahren an seiner Seite: Gerold Noack.  Foto: Verein
Fachsimpelei nach einem Sieg: Lutz Pannach (2.v.l.) spielt nach wie vor Radball. Neben ihm und seit 25 Jahren an seiner Seite: Gerold Noack. Foto: Verein FOTO: LR
Cottbus. Ohne ihn ist dieser Sport in der Stadt nicht denkbar: Heute wird Lutz Pannach 60 Jahre alt. Von Gerold Noack

Er ist ein Cottbuser Radball-Urgestein, seit fast 38 Jahren ununterbrochen Trainer und damit ebenso lange im Ehrenamt des Cottbuser Leistungssports tätig. Mehr als 100 Kinder erlernten bei ihm das Radball-ABC. Zwei Mal in der Woche Training der verschiedenen Alters- und Leistungsgruppen und an bis zu 20 Wochenenden bei Punktspiel- und Pokalturnieren mitfiebern – das verlangt eine große Portion Idealismus. Den hat Lutz Pannach zweifellos. „Ich möchte den Kindern sinnvolle, spannende und schweißtreibende Freizeit bieten, die mit etwas Ehrgeiz und Disziplin ein Leben lang nachwirkt“, sagt Pannach. An diesem Dienstag feiert er seinen 60. Geburtstag. Eine gute Gelegenheit, zurückzublicken.

Mit sieben Jahren ging Lutz Pannach einst selbst zum Radball in seiner Heimatstadt Großenhain, war ehrgeizig und spielte als Schüler und Jugendlicher für die BSG Landtechnik in verschiedenen Ligen des Bezirkes Dresden. Als Elektromeister kam er später ins Kraftwerk Jänschwalde und heiratete seine Angelika. „Du heiratest nicht nur mich, sondern auch den Radball!“ Sie wusste das vor der Hochzeit, es war kein Hindernis.

Das waren gleich zwei Glücksfälle für den Cottbuser Radball. Mit Heirat, Beruf, Wohnort- und Vereinswechsel wurde der Hallenradsport Cottbus gerettet. Heute kann man das so behaupten. 1980 waren die großen Cottbuser Radpolo-Oberligazeiten  vorbei, Kunstradfahrer gab es wenig, Radballnachwuchs noch weniger. Lutz Pannach spielte selbst weiter Radball und engagierte sich von Beginn seiner Cottbuser Zeit im Radball als Schülertrainer. Angefangen als Übungsleiter mit einer Handvoll Schülern und Jugendlichen, ab 1983 mit der Trainer-B-Lizenz, riss die Nachwuchsförderung bis heute nicht ab.

Unter den fast 20 Vereinen in Brandenburg ist seine Trainingsgruppe im Nachwuchsbereich seit vielen Jahren eine der teilnehmer- und leistungsstärksten neben Großkoschen und Ludwigsfelde.

Nach dem Gewinn von mehr als 30 Landesmeistertiteln und Pokalsiegen seiner Nachwuchsschützlinge brachte Lutz Pannach in den vergangenen 25 Jahren als Trainer mehrere Teams der Schüler, Jugend und Junioren zu den Deutschen Meisterschaften und den Finals des U23-Deutschlandspokals.

Erstmals in der Cottbuser Sportgeschichte ist von ihm 2004 eine Männermannschaft (Mario Bossan und sein Sohn Jan Pannach) in die 2. Bundesliga geführt worden. 2011 gelang Bossan/Pannach über zwei schwere Relegationsturniere sogar der Aufstieg in die 1. Radballbundesliga für die Saison 2012. Am 21. Januar 2012 gab es das erste und einzige Heimturnier der Cottbuser in der 1. Bundesliga, das einzige derart hochkarätige Radballevent in der Cottbuser Sportgeschichte seit der Stadtgründung. In Erinnerung bleibt allen Beteiligten und Gästen aus ganz Brandenburg der spektakuläre 6:5-Sieg der Cottbuser über das Duo aus Ehrenberg mit dem Ex-Weltmeister Mike Pfaffenberger. Die Zuschauer in der Sporthalle des Niedersorbischen Gymnasiums waren am Toben.

Lutz Pannach ist zweifellos der Chef der Radballer. Er war Abteilungsleiter Radball bei der „BSG Fortschritt Cottbus“, beim „BSV Cottbus-Ost“ und beim „RK Endspurt 09“. Seit 2003 ist er Vereinsvorsitzender des Lausitzer Radsportvereins (LRV Cottbus).

Der Hallenradsport hatte es in Cottbus zu keiner Zeit leicht, fortzubestehen. In den 1970er-Jahren hielt Christa Lieben mit ihrer Spielpartnerin im Radpolo den Verein hoch, allein mit ihren fünf Spieljahren in der Oberliga, der höchsten Spielklasse der DDR. Hallenradsport als nichtolympischer Sport blieb im Radsport im Vergleich zu den zahlreichen Cottbuser Olympiasiegern im Bahnradsport und Straßenradsport immer das „fünfte Rad am Wagen“. Lutz Pannach hatte trotz der allgemeinen Finanzprobleme im Sport, speziell im Breitensport durch seinen ganz persönlichen Einsatz immer wieder Sponsoren wie Vattenfall/Leag, die Sparkasse Spree-Neiße und das Fahrradhaus Schenker gewinnen können, um das Fortbestehen der kleinen Sportgemeinschaft zu sichern.

Neben seiner Trainertätigkeit und der leitenden Funktion im Verein ist Lutz Pannach auch immer aktiver Liga-Spieler gewesen. Den Schülern kann er noch immer alle Spielertricks vormachen, ist selbst in der Landesliga Berlin/Brandenburg aktiv. Mit seinem Spielpartner Gerold Noack feierte er unlängst „Silberhochzeit“ – 25 Jahre gemeinsam ununterbrochen im Punktspielbetrieb der Ligen Brandenburgs. „Es muss passen wie in jeder Ehe“, meint Noack. „25 gemeinsame Pokale sind eine bescheidene Erfolgsbilanz.“

Erst am vergangenen Wochenende schlossen Lutz Pannach und Gerold Noack die diesjährige Punktspielsaison in der Landesliga-Süd mit Platz fünf von acht Teams ab. Dabei gelang ihnen beim Abschlussturnier mit 8:0 Toren über Spremberg II der höchste Tagessieg der Liga. „Nach solchen Spielen muss ich nicht über das Ende als Aktiver nachdenken“, betont Pannach, der heutige Jubilar.