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Handball
Für den LHC wird es „langsam eng“

Cottbus. Als Meister des Vorjahres werden die Cottbuser Oberliga-Handballer ihren Ansprüchen momentan nicht gerecht. Von Wolfgang Swat

Marcus Fischer redete erst gar nicht um den heißen Brei herum. „Es wird langsam eng“, sagte der Spieler des LHC Cottbus nach der erneuten Heimpleite vor nur noch 360 Zuschauern jüngst in der Lausitz-Arena. Mit 26:28 waren die Lausitzer gegen den Ludwigsfelder HC unterlegen. Nach der zweiten Niederlage vor heimischem Publikum in Folge hat der vorjährige Oberliga-Meister nach zehn Spielen nur neun dürftige Punkte auf seinem Konto und liegt gegenwärtig auf Platz neun der Tabelle. Nach den zuletzt drei Heimspielen wollte der LHC eigentlich die obere Etage der Tabelle, also mindestens Platz fünf, besetzt haben. Dafür aber reichten die Leistungen in den Spielen gegen Loitz (27:28) und jetzt gegen Ludwigsfelde nicht aus.

Der Auftakt der Cottbuser am Freitagabend erinnerte zunächst fatal an den Fehlstart eine Woche zuvor. Schon in der sechsten Minute musste LHC-Trainer Marcel Linge die „Grüne Karte“ für eine Auszeit auf den Kampfrichtertisch legen. 0:4 stand es da bereits, weil die Lausitzer keinen der Gästespieler in den Griff bekamen und im Angriff Fehler um Fehler produziert worden war. „Jungs, Feuer rein“, war der Appell von Linge an die Rothemden, der zunächst ungehört blieb, denn Ludwigsfelde erhöhte gar auf 0:5.

Dann aber loderte das LHC-Feuer. Bis zur 26. Minute legten die Einheimischen einen 11:1-Tore-Lauf hin, der sie 12:6 in Führung brachte. Der eigene Kreis wurde gut abgeschirmt, und was dennoch durchkam an Würfen, wurde eine Beute des zu diesem Zeitpunkt zur Höchstform auflaufenden Torhüters Florian Berndt.  Dann aber schlich sich wieder Bruder Leichtsinn in die Reihen der Hausherren ein. Bezeichnend war die Szene in der 29. Minute. Nach einem Gegentor ließ sich Cottbus das nachfolgende Anspiel von einem Ludwigsfelder Spieler (regelgerecht) klauen. Zu allem Überfluss vergab der LHC danach einen Siebenmeter-Wurf, und so stand es zur Halbzeit nur noch 13:10.

Selbst diese drei Tore Vorsprung waren dann bereits nach gespielten acht Minuten in der zweiten Halbzeit nur noch Geschichte. Wieder und wieder marschierten die Gäste durch die LHC-Abwehr, die offen wie ein Scheunentor wirkte. Da konnte dann auch Berndt im Tor keinen Riegel mehr davor schieben.

„Du gewinnst Spiele in der Abwehr“, zitierte Marcus Fischer eine Handball-Regel, die die Cottbuser an diesem Abend wohl vergessen hatten. „Hinten haben Bereitschaft und Kommunikation untereinander gefehlt“, stellte er fest. „Wir haben es in den letzten Minuten der ersten und dann in der zweiten Halbzeit schleifen lassen, in der Abwehr nicht zugepackt und nach vorn zu viele Fehler gemacht, die Angriffe nicht durchgespielt“, analysierte Marc Schmitz.

Als Ludwigsfelde nach 47 Minuten das 18:23 gelang, war spürbar, dass die Vorentscheidung zu Ungunsten des LHC gefallen war. Immer deutlicher wurde der psychische und physische Verschleiß beim Gastgeber, bei dem das Fehlen von Torjäger Nick Widera (persönliche Gründe), Markus Meier und Glenn Nietzel (Verletzungen) nicht zu kompensieren war und auch Robert Takev unter der Woche wegen einer gegen Loitz erlittenen Blessur nicht trainieren konnte.

Ein gutes Debüt gab in den letzten Minuten mit Rudi Thomas ein Spieler aus der A-Jugend des LHC. Wenigstens das war ein Lichtblick.

LHC: Berndt, Adam (Tor); Schmitz, A.Takev (je 6 Tore), F. Takev (5), Lößner, Mulemba (je 3), R. Takev (2), Fischer (1), Baccar, Thomas, Efa, Reimann