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| 17:55 Uhr

Handball
Eine Wahl mit Nachwehen: Beim LHC gibt es weiter Unruhe

 Viel zu selten geht es beim LHC Cottbus um den Ball und die Sache. Schon wieder gibt es Streit im Verein.
Viel zu selten geht es beim LHC Cottbus um den Ball und die Sache. Schon wieder gibt es Streit im Verein. FOTO: Eibner-Pressefoto /Strohdiek / Strohdiek /Eibner-Pressefoto
Cottbus. Auch nach der neuen Präsidiumswahl kommt der LHC Cottbus nicht zur Ruhe. Frauen-Trainer Ramon Quarta spricht von „Wahlmanipulation“. Von Wolfgang Swat

Seit dem  18. März 2019 hat der  LHC Cottbus ein neues Präsidium mit dem Unternehmer Bernd Tietz an der Spitze. Es war eine schwere Geburt, denn ein erster Wahlversuch Ende 2018  war gescheitert, weil sich die 40 Anwesenden nicht auf einen neuen Präsidenten einigen konnten. Eine Findungskommission wurde eingesetzt, um nach Kandidaten zu suchen. Mit 84 Teilnehmern war der Zuspruch an der neuen Wahl im März überraschend hoch. Der LHC hat nach Vereinsangaben 135 wahlberechtigte Mitglieder ab 16 Jahre.

Doch statt Freude, dass die schwierige Geburt endlich gelungen ist, setzten Nachwehen ein, die noch anhalten. Ramon Quarta, seit Saisonbeginn Trainer der Frauenmannschaft, zweifelt an der Rechtmäßigkeit der Abstimmung.  In einem Interview mit „Niederlausitz Aktuell“ sagte Quarta, der den Frauenhandball in Cottbus auch finanziell stark fördert: „Ich gehe von ganz klarer Wahlmanipulation aus.“

Sein Vorwurf:  Es seien Jugendliche „herangekarrt“ worden, um die  Stimmen  zu bekommen. Diese seien zur Teilnahme mit entsprechenden Wahlempfehlungen  quasi  „verpflichtet“ worden.  Quarta, der Mitglied der Findungskommission war, war bei der geheimen Wahl mit vier Kandidaten  für zwei Beisitzer-Posten gescheitert.

In der Tat hat es nach RUNDSCHAU-Informationen eine solche Nachricht an Schüler der Sportschule gegeben. Genannt wurden darin die Kandidaten der Findungskommission. Der Name von Ramon Quarta  war nicht darunter. Der hatte  am  8. März schriftlich seine Kandidatur für die Wahl dem amtierenden Präsidium mitgeteilt.

Nicht behandelt wurden zudem  Quartas Anträge zur Änderung der Tagesordnung und der Vereinssatzung.  Auch die Berichte  der Revisionskommission wurden abgesetzt, weil das Steuerbüro Jahresabschlüsse  aus „Krankheitsgründen“, wie es hieß, nicht fertig gestellt hatte. In der geplatzten Veranstaltung im Dezember hatte Schatzmeister Frank Prätzel angedeutet, dass man für das Jahr 2017 mit einem Minus im fünfstelligen Bereich rechnen müsse.

 Erhebt schwere Vorwürfe: Frauen-Trainer Ramon Quarta.
Erhebt schwere Vorwürfe: Frauen-Trainer Ramon Quarta. FOTO: Georg Zielonkowski

Allerdings gab  es im Vorfeld des Wahlvotums  weitere  Aktivitäten.  So wurde in einem WhatsApp-Chat  an ältere  LHC-Mitglieder appelliert, an der Versammlung teilzunehmen, um die Wahl von Kai-Uwe Weilmünster  ins Präsidium zu verhindern, weil der nur eine „Marionette“ sei, wie es hieß.

Am Dienstag hat sich das Präsidium des LHC mit den Manipulationsvorwürfen von Quarta beschäftigt. Die Anschuldigungen wurden von dem fünfköpfigen Gremium entschieden zurückgewiesen.  „Bei der Wahl sind  weder  Stimmzettel manipuliert noch Stimmen  falsch ausgezählt worden“,  versicherte LHC-Präsident Tietz.  Es habe auch keine Einsprüche von Mitgliedern gegen den Ablauf der Versammlung oder zum Wahlergebnis gegeben.

Auch Ramon Quarta schlägt trotz der Manipulationsvorwürfe versöhnliche Töne an.  Er setzt sich dafür ein, dass es  im Cottbuser Handball auf der Grundlage einer leistungssportlich orientierten männlichen  Nachwuchsarbeit weiter vorangeht mit dem Ziel, durch den Einsatz von Talenten  in Zukunft den Aufstieg der Männermannschaft  in die 3. Liga anzustreben.  Es müsse gelingen, dass Jugendliche automatisch zur Lausitzer Sportschule nach Cottbus kommen, weil hier der Nachwuchs gut ausgebildet wird.  Zudem wünsche er sich, dass der Verein auch dem Frauenhandball  eine Chance gibt. Nur durch Frauen und Männer gebe es ein lebendiges Verbandsleben, so Quarta.