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Ein Multitalent auf dem Wasser

Trägt mit Stolz den Adler auf der Brust: Jonas Draeger (18) vom ESV Lok RAW Cottbus.
Trägt mit Stolz den Adler auf der Brust: Jonas Draeger (18) vom ESV Lok RAW Cottbus. FOTO: privat
Cottbus. Zwar waren die meisten Flüsse, Kanäle oder Fließe in der Region bis vor Kurzem zugefroren. Für Jonas Draeger war das jedoch kein Grund für eine sportliche Pause. Anja Brautschek

Im Skilager und Trainingscamps trainiert der 18-Jährige jetzt im Winter vor allem Kraft und Ausdauer. Denn beim Kanurennsport ist mehr als eine gute Figur auf dem Wasser gefragt.

"Das ist mit Paddeln im Spreewald überhaupt nicht zu vergleichen", sagt Jonas Draeger. Die Boote sind wesentlich schmaler und länger. Da ist sehr viel Balance gefragt, um nicht kopfüber im Wasser zu landen. Körperspannung ist dabei genauso gefragt wie Kondition und Technik. Diese Vielseitigkeit mag der Cottbuser an dem Sport. "Keine Trainingseinheit gleicht der anderen. Man muss möglichst vielseitig trainieren, um maximale Ergebnisse einzufahren", erzählt er. Bei Wind und Wetter - solange die Flüsse nicht zugefroren sind - ist er in seinem Kajak zu finden. Das härtet ab. Auch nach der Schule widmet er sich beinahe täglich dem Sport. Vor Wettkämpfen wird meist auch das gesamte Wochenende trainiert. Freunde und Familie kommen da manchmal kurz. "Wir haben uns daran gewöhnt. Man lernt, die wenige Freizeit sinnvoll zu nutzen", sagt der 18-Jährige. Früher habe er gern Gitarre gespielt. Doch dazu komme er kaum noch.

Trotz aller Disziplin geht Jonas mit sehr viel Spaß an den Sport und ist auch bei nicht medaillenrelevanten Wettbewerben wie der Sommerregatta in Peitz regelmäßig in der Starterliste zu finden. "Bei internationalen Vergleichen wie EM oder WM schwingt immer Aufregung bei mir mit. Denn davon hängt die gesamte Saison ab. Doch auf solche ‚Spaß-Wettbewerbe' freue ich mich regelrecht", erzählt der Cottbuser.

Zum Kanusport ist er durch seinen Vater Michael Draeger gekommen. Er war ebenfalls Kanute und ist genau wie Sohn Jonas Mitglied beim ESV Lok RAW Cottbus. "Er hat mich irgendwann ins Bootshaus mitgenommen. Von Anfang an hat mir das Riesen-Spaß gemacht", erinnert sich Jonas. Seit 2009 trainiert er regelmäßig und fährt mittlerweile vielen Kanuten davon. Bereits zwei Mal holte er sich den Titel des Deutschen Meisters (2010 und 2011) und konnte bei der Junior-Weltmeisterschaft einen vierten Platz über 1000 Meter im K4 belegen. "Die Erfolge sind für mich der größte Ansporn", sagt er. Die Leistungen seien nicht nur seiner Disziplin, sondern auch Trainerin Wiebke Pontzen zu verdanken. Für ihre Schützlinge opfere sie sich auf. Nun will Jonas auch international weiter nach vorne. Sein Traum ist es, irgendwann selbst einmal eine olympische Medaille in den Händen zu halten. "Ich möchte später meinen Kindern erzählen, wie erfolgreich ich war", sagt der 18-Jährige.

Schritt für Schritt arbeitet Jonas sich dafür heran. Mit Stolz trägt er bereits den Bundesadler auf dem Trikot, ist Teil des Bundeskaders des Deutschen Kanuverbandes. In dieser Saison wird Jonas Draeger erstmals für die U23 antreten. "Das wird noch einmal eine große Herausforderung", sagt er. Im Kajak macht er aber eine sichere Figur. Wellen schlagen nur durch seine pfeilschnellen Bewegungen auf. "Wackler ausgleichen funktioniert mittlerweile intuitiv. Das letzte Mal bin ich vor etwa drei Jahren ins Wasser gefallen."

Zum Thema:
Alter: 18Verein: ESV Lok Raw CottbusTrainerin: Wiebke PontzenVorbilder: Kanut Ronald Raue sowie die Olympiasieger 2016 im Kajak Zweier und ViererGrößte Erfolge: deutscher Meister 2011, vierter Platz bei der Weltmeisterschaft 2015 der 16- bis 18-JährigenGrößtes Ziel: OlympiaWeitere Hobbys: Gitarre spielenLieblingsessen: BurgerIn diesen sozialen Netzwerken zu finden: Facebook, Snapchat, Instagram (jonas.kayak)

Zum Thema:
Die RUNDSCHAU will es wissen: Wo sind in der Lausitz die Talente versteckt, die eines Tages für Deutschland die olympischen Medaillen aus dem Feuer holen werden? Haben Sie in Ihrem Verein ein Mädchen oder einen Jungen, die schon früh erkennen lassen, dass sie eines Tages die erfolgreichen Nachfolger von Diskus-Olympiasieger Christoph Harting oder Bahnrad-Weltmeister Maximilian Levy werden könnten? Wir wollen diese Talente kennenlernen. Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail an die Adresse: sport@lr-online.de. Betreff: Lausitzer Talente.

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