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| 19:41 Uhr

Handball
Ein Leben mit und für den Handball

Mehrere Jahrzehnte war Werner Siemers verantwortlich für den Handball in der Stadt Cottbus. Zwei Chronik-Bände hat der 85-Jährige bereits verfasst, ein weiterer soll bis zum 100. Geburtstag des Cottbuser Handballs folgen.
Mehrere Jahrzehnte war Werner Siemers verantwortlich für den Handball in der Stadt Cottbus. Zwei Chronik-Bände hat der 85-Jährige bereits verfasst, ein weiterer soll bis zum 100. Geburtstag des Cottbuser Handballs folgen. FOTO: Michel Nowak
Cottbus. Die Cottbuser Legende Werner Siemers feiert am Freitag 85. Geburtstag. Bis heute ist er regelmäßig Gast beim LHC. Von Michel Nowak

Werner Siemers und der Handball – das ist eine jahrzehntelange, intensive Beziehung. Eine, wie sie nur in absoluten Ausnahmefällen zu finden ist. Denn der gebürtige Chemnitzer war 33 Jahre als Vorsitzender des Kreisfachausschusses (KFA) Cottbus verantwortlich für den Handball in der Stadt.

Dass Werner Siemers selbst ein guter Handballer war, darauf deutet schon seine Körpergröße hin. Auf Mannschaftsfotos aus den 1950er-Jahren überragt er stets seine Teamkollegen. „Ich war lang und dünn“, sagt er, „und die Mannschaftssportart Handball war immer das richtige für mich.“

Seine Eltern waren Schwimmer, der Vater spielte Wasserball. „Sie wollten, dass ich auch Sport treibe“, sagt er. Das Hallenbad habe ihm aber eher mäßig gefallen. Beim Tennis probierte sich Werner Siemers aus und über einen Sportlehrer kam er 1949 auch zum Handball – seinerzeit noch überwiegend draußen auf dem Großfeld. Schon ein Jahr später trat er mit einer Sondergenehmigung für die Männer des Postsportvereins in Chemnitz an. „Auch Tennis lief noch 20 Jahre weiter nebenher“, erzählt er, „dieser reaktionsschnelle Sport hat mir auch in der Deckungsarbeit beim Handball geholfen.“

Werner Siemers als Aktiver im Feldhandball-Team 1952 (2.v.l.): „Ich war lang und dünn“, erzählt er.
Werner Siemers als Aktiver im Feldhandball-Team 1952 (2.v.l.): „Ich war lang und dünn“, erzählt er. FOTO: Werner Siemers

Sein Lebensweg sollte Werner Siemers nach Cottbus führen. Nach seinem Abschluss als Bau- und Möbeltischler begann er hier ein Ingenieur-Studium an der Hochschule für Bauwesen. Beim Verein Fortschritt Cottbus spielte er in der Kreisklasse, trainierte diese Mannschaft auch und stieg mit ihr in die Bezirksklasse auf.

Werner Siemers arbeitete später beruflich als Verkehrsplaner und lief als Handballer dann für die BSG Lok RAW Cottbus auf. Im Alter von 37 Jahren wurde  er Vorsitzender des KFA Cottbus Stadt. „Dass es aber 33 Jahre in dieser Funktion werden sollten, das hätte ich damals nicht geglaubt“, sagt er.

Als Vorsitzender entwickelte er eine Schulrunde für Nachwuchs-Handballer. In zwei Altersklassen beteiligten sich jahrelang teils mehr als 60 Mannschaften aus Cottbus und der Umgebung. Die Spiele wurden nicht etwa während der Schulzeit, sondern am Wochenende ausgetragen. „Wir waren die einzige Sportart, die das in dieser Größenordnung mit den Schulen gemacht hat.“ Zusätzlich gab es zeitweise auch eine „Bildungsrunde“ des Cottbuser Bildungszentrums mit älteren Teilnehmern und immerhin bis zu 19 Teams. Bei Kinder- und Jugendspartakiaden spielten schon mal bis zu 400 Teilnehmer auf drei Rasenflächen. Der KFA war in dieser Zeit Dachverband für bis zu zehn Vereine im Stadtgebiet.

Und dann war da noch der Bau der Cottbuser Stadthalle. Werner Siemers war daran beteiligt, dass sie ihre für damalige Verhältnisse vergleichsweise großen Ausmaße erhielt. Nach der Eröffnung im Jahr 1975 arbeitete er komplett ehrenamtlich an der Organisation von Länderspielen und internationalen Turnieren mit. „Mit Filzlatschen sind wir übers Parkett gelaufen“, erinnert er sich.  Bis 1989 war er als „Technischer Leiter“ für den „Pokal der Energiearbeiter“ zuständig. Dazu kam bis 1995 seine Schiedsrichtertätigkeit – alles neben seinem sowieso schon zeitaufwändigen Beruf als Chefingenieur für Verkehr.

Auch in den Wendejahren blieb Werner Siemers an der Spitze des KFA: „Ich hatte überlegt, ob ich weitermachen sollte. Aber ich hatte genügend Unterstützung.“ Schmerzhafte Einschnitte musste der Cottbuser Handball in den Folgejahren hinnehmen. Die Bildungsrunde und auch die Schulrunde gingen verloren. „Wir haben uns die größte Mühe gegeben, aber der Cottbuser Handball wurde kleiner.“

Beispielhaft stehen dafür die Fusionsprozesse seines eigenen Vereins Lok RAW. Der ging erst im SC Cottbus auf, fusionierte später mit dem USV Cottbus und mündete 2003 im Lausitzer Handball-Club. Im LHC ist Werner Siemers bis heute Ehrenmitglied.

Beruflich ging er 1998 in Rente. Als KFA-Vorsitzender machte er noch fünf Jahre weiter. „Ich wollte eher aufhören, aber es fand sich lange kein Nachfolger“, sagt Werner Siemers heute. Erst 2003 übergab er sein Amt an Torsten Setzkorn.

Untätig war Werner Siemers deshalb aber nicht. Ganz im Gegenteil: Als Buchautor veröffentlichte er mehrere Bände über die Geschichte des Verkehrs in Cottbus.  Außerdem setzte er sich an die Chronik des Handballs in seiner Heimatstadt. Auf inzwischen mehr als 1800 Seiten „habe ich alles aus Sicht der unteren Kreisebene zusammengefasst.“ Detailliert sind Beteiligte, Ergebnisse und Tabellen in dem umfassenden Werk aufgelistet. Zwei Bände (1920-1989 und 1990-2010) hat Werner Siemers veröffentlicht. Er setzt die Chronik fort, bis zum 100. Geburtstag des Cottbuser Handballs im Jahr 2020 soll sie weiter geschrieben werden. Unterstützt wird Werner Siemers auch von seiner Frau Hannelore, die Rechtschreibung und Kommasetzung überprüft. Keine Frage: Ein einzigartiges Dokument hat Werner Siemers mit seiner Arbeit über den Cottbuser Handball geschaffen.

Für sein fast 70-jähriges Wirken im Handball wurde das Ehrenmitglied des Handball-Verbandes Brandenburg vielfach ausgezeichnet. Der begeisterte Pilzsammler – auch hier hat er sich schon an einem Buch versucht – ist mit seinen früheren Handball-Kollegen von Lok RAW regelmäßig bei den Heimspielen des LHC dabei. Am 18. Mai dieses Jahres feiert Werner Siemers nun seinen 85. Geburtstag. Neben der Familienfeier soll es ein kleines Treffen mit einigen Wegbegleitern geben. Für den Handball hat Werner Siemers in den nächsten Jahren zwei Wünsche. „Was uns fehlt, sind Schiedsrichter in den höheren Ligen. Ich hoffe, dass sich da wieder etwas entwickelt“, sagt er. „Und die Handballer des Lausitzer HC gehören langfristig in die 3. Liga.“