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"Da kullern schon mal die Tränen"

Im November hat der ehemalige Bundesliga-Profi Kai-Uwe Weilmünster die Brandenburgliga-Damen des LHC übernommen.
Im November hat der ehemalige Bundesliga-Profi Kai-Uwe Weilmünster die Brandenburgliga-Damen des LHC übernommen. FOTO: ski1
Cottbus. Ein ehemaliger Bundesliga-Profi als Frauen-Coach: Kai-Uwe Weilmünster hat sich beim LHC Cottbus auf neues Terrain gewagt. Er trainiert die Frauen des Vereins, die noch so ihre Schwierigkeiten in der Brandenburgliga haben. Georg Zielonkowski / ski1

Es war die vielleicht wichtigste Nachricht dieser Tage für die Handball-Frauen des LHC Cottbus: Der kurzfristig als Trainer eingesprungene Kai-Uwe Weilmünster wird die Mannschaft weiterhin begleiten, nun bis zum Ende der Saison. "Es wird bestimmt nicht ganz einfach, Beruf und Freizeit unter ein Dach zu bekommen. Aber grundsätzlich bleibe ich trotz des Abrutschens in der Tabelle dabei", betont Weilmünster. "Es gibt in der Mannschaft genug Potenzial, um qualitativ weiter voran zu kommen", sagt der Coach, der als Firmenchef deutschlandweit Hotelunterkünfte für Montagearbeiter vermittelt.

Weilmünster weiß, dass sein LHC-Team noch immer mit einer entscheidenden Umstellung zu kämpfen hat. "Zwei niederlagenlose Serien liegen hinter den Mädels, nach dem Aufstieg ist die Zeit der überwiegend einfachen Spiele jetzt aber vorbei. In der Brandenburgliga geht es in Sachen Robustheit, Taktik und Tempo ganz anders zur Sache. All das muss erst einmal verkraftet werden", erklärt der Coach, der erkannt hat, dass zudem hier und da auch die nötige Cleverness fehlt.

Für den Angriff gilt nun nicht mehr allein das schnelle Konterspiel seiner jungen Parkett-Flitzer als probates Mittel. Zumal in der neuen Spielklasse die Gegnerinnen in der Lage sind, die langen Sprints mitzugehen. Positionsangriffe heißt das neue Schlagwort, wobei dem bisher Erlernten nicht grundsätzlich abgeschworen werden soll: "Beginnend beim schnellen Abwurf müssen sich nach der schnellen Mitte Tempowechsel im Angriff anschließen, um weniger ausrechenbar zu werden", verdeutlicht Weilmünster, der selbst viele Jahre beim LHC gespielt hat. "Es braucht Zeit, dies zu verinnerlichen. Aber die Mädels müssen während der Spiele auch mit den Augen klauen, wie ich es immer gern nenne. So verstehen sie die Handball-Welt deutlich schneller und besser", übt sich der Coach in Geduld.

Diese Geduld muss Weilmünster auch aufbringen, wenn es um das Miteinander von Jung und Alt geht. Unterschiede macht der Trainer nicht zwischen den ehemaligen LHC-Jugendspielerinnen, den Routiniers und den vor der Saison nach Cottbus gewechselten Neuzugängen. In dieser Hinsicht sieht er sich auf einem guten Weg, da sich der aktuelle Start-Sechser mit drei jungen und ebenso vielen erfahrenen Spielerinnen doch recht ausgeglichen darstellt.

Seine neue Aufgabe im weiblichen Bereich hält für den ehemaligen Bundesliga-Profi allerdings ab und an völliges Neuland bereit. Obwohl auch der weibliche Handball eine eher robuste Sportart ist, muss sich Kai-Uwe Weilmünster dennoch mit einigen Besonderheiten anfreunden. "Da sind fast regelmäßig die Kinder von zwei Spielerinnen beim Training mit in der Halle. Ab und an rufen die halt auch nach ihrer Mama. Bei einer anderen ist das Kind krank, deshalb fällt eine Spielerin halt auch mal beim Training aus", beschreibt der Trainer.

"Und wenn ich mal etwas härter in meiner Ansprache bin, kullern auch schon mal ein paar Tränen", fügt er hinzu.

Weilmünster spürt jedoch auch: "Grundsätzlich scheine ich in der Truppe akzeptiert zu sein, sodass wir alle gemeinsam an unserem Ziel, dem gesicherten Mittelfeldplatz, weiter konsequent arbeiten wollen. Und dieses werden wir erreichen, da bin ich sicher!"

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