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| 18:01 Uhr

Leichtathletik
Cottbuser Sprinterin auf Medaillenjagd

 Beim Deutsch-Polnischen Meeting hat sich Skadi Schier eine Medaille geholt. Jetzt soll auch eine DM-Plakette dazukommen.
Beim Deutsch-Polnischen Meeting hat sich Skadi Schier eine Medaille geholt. Jetzt soll auch eine DM-Plakette dazukommen. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Die 18-jährige Skadi Schier vom LCC gilt bei den Deutschen Hallenmeisterschaften am Wochenende als Topfavoritin. Von Sven Hering

Nervosität, Lampenfieber, Aufregung? Von wegen! Ganz entspannt absolvierte Skadi Schier am Mittwochvormittag in der Cottbuser Leichtathletikhalle ein paar Dehnübungen. Dann war für sie die Trainingseinheit beendet. Die 18-jährige Sprinterin des Leichtathletikclubs Cottbus (LCC) gehört am kommenden Wochenende bei den Deutschen U20-Hallenmeisterschaften in Sindelfingen zu den Topfavoritinnen auf den Titel. Für den Verein ist sie eine Hoffnungsträgerin.

Ihre Trainerin Andrea Schieskow dämpft freilich ein wenig die Erwartungen. „Eine Medaille wäre schön“, sagt sie und nimmt damit zugleich ein wenig Druck von ihrer Athletin. Gerade über die 200 Meter ist die gebürtige Lübbenauerin, die einst bei der TSG mit der Leichtathletik begonnen hat, derzeit das Maß der Dinge in Deutschland. In der Meldeliste für die Titelkämpfe in Sindelfingen liegt sie mit ihren 23,98 Sekunden – gelaufen im Juni des vergangenen Jahres in Berlin – mit Abstand auf Platz eins.

LCC-Vizepräsident Ulrich Hobeck hätte die neue Cottbuser Sprint-Hoffnung gern schon am vergangenen Wochenende bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig laufen sehen. „Das Risiko wäre es wert gewesen, zumal sie noch nicht so viele harte Wettkämpfe absolviert hat“, sagt er. Hobeck glaubt, dass sie dabei sogar um die Medaillen mitgelaufen wäre.

Doch Trainerin Andrea Schieskow entschied sich gemeinsam mit ihrer Athletin gegen einen Start in Leipzig. „Wir wollen den Fokus auf Sindelfingen legen – und uns dann auf die Freiluftsaison konzentrieren“, betont sie. Höhepunkt sei die U20-Europameisterschaft im Juli im schwedischen Boras.

Trotz der starken Entwicklung in den vergangenen Monaten gab es für die Lübbenauerin in den letzten Tagen eine Enttäuschung. So ist der traditionelle Hallen-Länderkampf zwischen Deutschland, Frankreich und Italien in diesem Jahr abgesagt worden. Die Sprinterin des LCC hatte gute Karten, nominiert zu werden. „Es ist schade, dass den jungen Athleten diese zusätzliche Motivation genommen worden ist“, bedauert Andrea Schieskow. Finanzielle Gründe haben laut Ulrich Hobeck den Verband dazu bewogen, den Wettbewerb abzusagen.

So sind die Deutschen Meisterschaften am Wochenende der Höhepunkt der Hallensaison. Skadi Schier ist im berühmten Glaspalast in Sindelfingen dabei nicht die einzige Cottbuser Medaillenhoffnung. Blanka Dörfel darf sich über die 3000 Meter einiges ausrechnen. Laut Meldeliste reist sie mit der drittbesten Zeit zu den Titelkämpfen an. Auch Artur Beimler muss die Konkurrenz auf der Rechnung haben. Er startet über die 1500 Meter und gehört über diese Distanz ebenfalls zu Deutschlands Top-Läufern.

Für die anderen LCC-Athleten geht es entweder um das Erreichen des Endkampfs oder einfach darum, Erfahrungen bei einem großen Wettkampf zu sammeln. Charlott Bursch startet über die 60 Meter Hürden, Malte Pohl und Plamedi Mavinga im Dreisprung, Isabell Bernhard über die 400 Meter. Außerdem schickt der LCC bei den jungen Männern eine 4x200-Meter-Staffel ins Rennen.

Die aktuell erfolgreichste Nachwuchsathletin des Vereins wird allerdings in Sindelfingen fehlen – so wie auch bei allen anderen Hallenmeetings in dieser Wintersaison. Für Marie Scheppan, die im vergangenen Jahr bei den U18-Europameisterschaften und bei den Olympischen Jugendspielen jeweils Silber geholt hat, spielt die Hallensaison diesmal keine Rolle. Das hatte ihr Trainer Rainer Kruk schon im vergangenen Jahr angekündigt. „Wir wollen sie nicht überfordern, sondern müssen sie ganz behutsam aufbauen“, erklärt Ulrich Hobeck.

Dazu zählt, dass die Döbbrickerin jetzt eine kleine Wohnung direkt in der Nähe des Sportzentrums bezieht. „Damit sind für sie die Wege zum Training noch kürzer“, erklärt der LCC-Vizepräsident.

Dabei hätte Marie Scheppan zum Beispiel in Leipzig eine richtig gute Rolle spielen können. Zumal Hobeck vom Niveau der Titelkämpfe in der sächsischen Metropole wenig angetan war. „Ich bin ein wenig gespalten, zum einen gab es Wettkämpfe, da wurde Weltklasse abgeliefert, zum anderen haben wir aber auch sehr viel Mittelmaß gesehen.“ Das wiederum dürfe nicht der Anspruch der deutschen Leichtathletik sein.

Allerdings – so räumt Hobeck ein – seien längst nicht alle Top-Athleten in Leipzig an den Start gegangen. Das hänge mit dem späten Termin der Weltmeisterschaften, die in diesem Jahr erst Ende September in Doha stattfinden, zusammen. „Und viele Athleten richten ihre Trainingsplanung natürlich auch jetzt schon auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr aus“, weiß er zu berichten.

Vielleicht ist der einstige Hindernisläufer ja auch nur ein wenig verwöhnt vom Springermeeting, das er vor wenigen Wochen in der Lausitz-Arena organisiert hatte. „Es war vom Niveau eines der besten Meetings weltweit in dieser Hallensaison“, schwärmt Hobeck. Das honorieren auch die Besucher. Hobeck: „Wir haben schon die ersten Ticketbestellungen für das nächste Jahr bekommen.“