| 17:02 Uhr

Schwimmen
Cottbuser Ex-Richter jetzt Chef der Schwimmer

Hoffnungsvoller Nachwuchs: Schwimmtraining beim PSV in Cottbus mit Trainerin Petra Petrov.
Hoffnungsvoller Nachwuchs: Schwimmtraining beim PSV in Cottbus mit Trainerin Petra Petrov. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der PSV-Vorsitzende Wolfgang Rupieper ist zum Präsidenten des Landesschwimmverbandes Brandenburg gewählt worden. Von Sven Hering

Ein gestörtes Vertrauensverhältnis der Führungsebene, Querelen um den Bundesstützpunkt und Top-Talente, die in andere Bundesländer flüchten. Im Brandenburger Landesschwimmverband hat es in den vergangenen Monaten mächtig rumort. Mit einem neuen Mann aus Cottbus an der Spitze soll nun wieder Ruhe einkehren. Wolfgang Rupieper, Chef des Polizeisportvereins Cottbus, der eine erfolgreiche Schwimmabteilung vorzuweisen hat, ist zum Präsidenten des Landesschwimmverbandes gewählt worden.

Der gebürtiger Bochumer ist für seine ruhige und besonnene Art bekannt. Von 1996 bis 2012 arbeitete er als Direktor des Cottbuser Amtsgerichtes, zuvor war er lange Jahre als Haftrichter in verschiedenen Städten in Ost- und Westdeutschland eingesetzt. Er musste sich immer mal wieder als Streitschlichter bewähren. So wie bei zwei älteren Damen zum Beispiel, die beide Anspruch auf einen Dackel angemeldet hatten. „Das habe ich den Hund entscheiden lassen und vorher natürlich kontrolliert, dass keine der Damen ein Bockwürstchen in der Tasche hatte“, so Rupieper. Der 71-Jährige kann vermitteln – eine Eigenschaft, die ihm in seiner neuen Funktion durchaus zugute kommen dürfte.

Auch im Ruhestand ist Rupieper weiter aktiv. Als Vorsitzender des Vereins „Pro Lausitzer Braunkohle“ engagiert er sich politisch. Rupieper erlebte in seiner westfälischen Heimat die Abwicklung eines Bergbaureviers ohne Alternativplan – mit drastischen Folgen und dem Verlust von Heimat für Zehntausende. Das will er in der Lausitz verhindern.

Nun also noch ein zusätzliches Ehrenamt. Rupieper ist sich bewusst, keinen leichten Job zu übernehmen. Die Außenwirkung des Schwimmverbandes sei in den vergangenen Monaten fatal gewesen. Der Cottbuser will dafür sorgen, dass nun wieder der Sport in den Vordergrund rückt.

Für das Schwimmen gibt es dabei in Brandenburg mit dem Bundesleistungsstützpunkt in Potsdam die besten Voraussetzungen. „Dieser Stützpunkt muss auch in Brandenburg bleiben. Uns ist nicht damit gedient, wenn die besten Talente nach Heidelberg oder Berlin gehen“, sagt Rupieper. Zuletzt hatten mit Johannes Hintze, Josha Salchow und Wassili Kuhn drei Junioren-WM-Teilnehmer und damit hoffnungsvolle Talente Potsdam in Richtung Bundesstützpunkt Heidelberg verlassen. Und damit auch Debatten über die Führung des Verbandes ausgelöst.

Rupieper weiß aus seinen Cottbuser Erfahrungen, wie schwer es ist, Kinder und Jugendliche für den Leistungssport zu begeistern. So hätten sich erst jüngst auch Cottbuser Talente gegen einen Wechsel an die Sportschule nach Potsdam entschieden. „Das Schulische war ihnen wichtiger, dazu wollten sie ihren Freundeskreis und die Familie nicht verlassen“, erzählt der 71-Jährige. „Und ich kann das durchaus nachvollziehen. Durch Schwimmen kann man schließlich nicht reich werden.“ Eine berufliche Perspektive sei deshalb sehr wichtig.

Doch Rupieper gewinnt dem Leistungssport auch viel Gutes ab. „Er schult für das Leben, die jungen Sportler lernen viel über Disziplin oder Zeitmanagement – und das hilft ihnen später weiter.“ Die Vereine seien allerdings stärker denn je gefordert, Talente zu erkenen und ihnen auch eine sportliche Perspektive zu bieten.

Positive Beispiele gibt es in Cottbus – auch im Hinblick auf die kommenden Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Rupieper denkt vor allem an Christian Diener, der zwar inzwischen in Potsdam wohnt und trainiert, noch immer aber auch Mitglied in seinem Heimatverein PSV ist. „Mit seinem Namen wird die Lausitz, wird Cottbus in die Welt getragen“, betont sein PSV-Vereinspräsident. Der 71-Jährige fordert eine Anerkennung der Leistung jenseits der Medaillenränge. „Bei einer EM oder WM im Endlauf Siebenter zu werden, das ist auch schon was.“ Wer Spitzenergebnisse haben möchte, der müsse auch eine Spitzenförderung anbieten, erklärt Rupieper. „Andere Länder sind da wesentlich weiter, da hat jeder Top-Schwimmer einen eigenen Trainer, die Unterstützung ist sehr viel individueller.“

Doch Rupieper will sich an der Spitze des Landesverbandes künftig nicht nur für den Leistungssport stark machen. Der Breitensport sei genauso wichtig. Und so formuliert er ein Ziel, das noch ambitionierter ist, als einen Olympiasieger zu formen. „Jedes Kind“, so Rupiepers Wunsch, „sollte schwimmen können.“

Ein Selfie mit dem Tokio-Hoffnungsträger: Wolfgang Rupieper (l.) und der Cottbuser Schwimmer Christian Diener.
Ein Selfie mit dem Tokio-Hoffnungsträger: Wolfgang Rupieper (l.) und der Cottbuser Schwimmer Christian Diener. FOTO: LR
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE