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Radsport
Cottbus ehrt die EM-Gold-Jungs

Die Vereinschefs Bernd Mildner (RK Endspurt/l.) und Bernd Kühner (RSC/r.) beglückwünschten ihre erfolgreichen EM-Starter Maximillian Levy (2.v.l) und Franz Schiewer.
Die Vereinschefs Bernd Mildner (RK Endspurt/l.) und Bernd Kühner (RSC/r.) beglückwünschten ihre erfolgreichen EM-Starter Maximillian Levy (2.v.l) und Franz Schiewer. FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Maximilian Levy und Franz Schiewer zurück bei ihren Heimatvereinen. Von Georg Zielonkowski

Fast ist es in Cottbus schon normal, dass nach internationalen Radsport-Großereignissen Medaillengewinner oder zumeist sogar Titelträger geehrt werden. Dass Maximilian Levy in diesem Jahr zu diesen Ehren kommt, als goldgeschmückter EM-Teilnehmer, war dann aber so selbstverständlich auch nicht.

Der lange Leidensweg des RSC-Radsportlers nach seinem erneuten Schlüsselbeinbruch am Beginn diesen Jahres, ließ das Ziel Europameisterschaft in der Heimstadt zunächst in weite Ferne rücken. „Damals hatte ich lediglich gehofft, überhaupt in Berlin am Start zu stehen. Zumal Rio ja überhaupt nicht nach Wunsch verlief und ich 2013 ein letztes Mal Gold bei einem internationalen Wettkampf geschafft habe“, schaut der 30-Jährige auf die schweren Wochen und Monate zurück. Aber mit viel Energie und der ihm eigenen Leidenschaft hat er den Weg ziemlich gradlinig bestritten.

Bei der Deutschen Meisterschaft in Frankfurt (Oder) schürfte er gleich dreifach Gold, was gut war für den Mut und sein wachsendes Vertrauen. Dass diese Hoffnung am Ende mit dem Gewinn der Keirin-Gold-Medaille belohnt wurde, war das Ergebnis harter Trainingsarbeit: „Als wir uns dann nach meiner Zieldurchfahrt mit meiner Frau und den Kindern am Rand der Bahn überglücklich in den Armen lagen, müsste ja jeder gesehen haben, wie schön und zugleich wichtig mir gerade dieser Erfolg war“, sagt Maximilian Levy. Eine Aussage zu einem möglichen Start bei den in drei Jahren in Tokyo stattfindenden Olympischen Sommerspielen schiebt der Sprinter allerdings noch ganz weit von sich. „Einerseits weiß ich, dass ich es wieder kann – aber ich muss ja nicht mehr. Drei Jahre sind eine verdammt lange Zeit und ich habe ja selbst ausreichend erfahren, was so alles passieren kann.“

Franz Schiewer, der zweite Cottbuser Goldjunge der EM-Tage von Berlin, skizzierte nochmals seinen schwierigen Weg zum obersten Podest des Steherrennens. War schon der Startplatz sechs im „Sandwich“ der Holländer als nicht gerade ideal zu bezeichnen, so gab es auch noch mit der Maschine von Schrittmacher Gerd Gessler Probleme. „Der Motor hat einfach keine Leistung gebracht, dadurch waren es höchst ungleichmäßige, eben auch kraftraubende Runden. So habe ich dann gemeinsam mit Gerd Gessler entschieden, dass wir uns erst einmal bewusst ganz nach hinten fallen lassen, damit der Motor sich erholen und ich außerdem in der frischen Luft fahren kann“, erinnert sich der Forster, der in Cottbus Mitgliedsbücher sowohl vom RSC als auch vom RK Endspurt besitzt. Nach einigen verhaltenen Runden konnte er doch wieder tüchtig Fahrt aufnehmen, um so an die Spitze des Feldes zu gelangen.

Über eine halbe Runde hatte er am Ziel seinen Konkurrenten abgenommen, und sich so nach Silber 2016 nun Gold geholt. Bevor er aber die Medaille überreicht bekam, genoss er seine eigene, so ganz persönliche Freude: „Es ist immer herrlich, wenn meine Mutter an der Bande steht, dort mitfiebert und nach guten Ergebnissen von mir vor Freude immer fast zu heulen beginnt. Wenn das mal nicht so ist, weiß ich gleich, dass ich wohl nicht ganz so gut war. Aber Berlin war für uns beide genial!“