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| 17:19 Uhr

Fußball
Aus Wanderpokal wird Wacker-Pokal

Seriensieger: Torhüter André Thoms (Nr. 1) gibt den Befehl zum Jubeln für seine Wackeraner.
Seriensieger: Torhüter André Thoms (Nr. 1) gibt den Befehl zum Jubeln für seine Wackeraner. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Wacker Ströbitz und sein mühevoller Titel-Hattrick, Eintracht Peitz und sein Tore schießender Betreuer, und Krieschow und sein kleines Waterloo – so lief das Hallenturnier der SG Groß Gaglow. Von Steven Wiesner

Um 18.34 Uhr stand Steven Semke am Neunmeterpunkt und sah den Matchball vor sich liegen. Zwei Kolkwitzer waren im Entscheidungsschießen bereits gescheitert und so konnte Wackers Abwehrmann den Befehl zum Korkenknallen geben und den dritten Ströbitzer Triumph beim Gaglower Hallenturnier hintereinander perfekt machen. Er nahm Maß, donnerte den Ball gegen die Latte und konnte sich glücklich schätzen, dass das Leder gegen den Rücken von Torhüter Stephan Choschzick klatschte und von dort hinter die Linie trudelte. Wackers Titel-Hattrick nach den Siegen von 2016 und 2017 war damit Gewissheit.

Irgendwie taugte dieser letzte Schuss von Semke im Landesliga internen Endspiel gegen Kolkwitz als Sinnbild für Wackers Weg zum historischen Triple, das bis dato nur der BSV Cottbus-Ost zwischen 2001 und 2003 hatte hinlegen können. Denn so wie sich Semkes Neunmeter an Choschzick vorbeischummelte, mühte sich auch Ströbitz zur Siegerehrung. Nach der Auftaktpartie gegen die SG Burg, die der Titelverteidiger noch furios mit 5:0 gewinnen konnte, präsentierte sich Ströbitz reichlich fahrig und kam in den finalen Gruppenspielen gegen Spremberg (1:0) und Gaglow (2:2) zu eher schmeichelhaften vier Punkten und dem Gruppensieg.

Das zweite Ticket für die Vorschlussrunde sicherten sich die Jungs vom SC Spremberg, die in der Halle eigentlich immer eine Bank sind. Mit Pascal Scheider, der vier Turniertore anhäufen und als einziger Spieler einen Hattrick in nur einer Partie erzielen konnte, Franz Goethel, der ähnlich clever auftrat wie Kollege Felix Jentsch, oder den Hermann-Zwillingen Raik und Rico war der Landesklassen-Spitzenreiter wieder eine Bereicherung und behauptete sich im letzten Gruppenspiel gegen Landesliga-Schlusslicht Burg (3:2), das nur kurz am Halbfinale schnuppern durfte.

Wenngleich Gastgeber SG Groß Gaglow zu diesem Zeitpunkt schon wieder ausgeschieden war, wehrte sich der Kreisligist ordentlich gegen die ranghöhere Konkurrenz aus dem Landesspielbestrieb. Im Grunde kamen die Gaglower um ihren zweifachen Torschützen Dennis Hauska nur bei der 1:4-Schlappe gegen Burg etwas unter die Räder und konnten sich am Ende des Tages sogar darüber freuen, gegen den späteren Turnierchampion aus Ströbitz ihren einzigen Punkt geholt zu haben. Mehr war in dieser Gruppe nicht mehr möglich.

Was aber möglich ist, zeigten die Landesklasse-Repräsentanten von Eintracht Peitz in Gruppe B, bei denen Altliga-Feldspieler Steffen Leupold das Tor hütete, Enrico Kadler einen treffsicheren und umsichtigen Angreifer verkörperte und mit dem erst 17-jährigen Sven-Erik Schwella sogar jemand mitkickte und Tore schoss, der für gewöhnlich nur als Betreuer fungiert. Ihr 5:1-Feuerwerk gegen den Oberligisten und turmhohen Favoriten aus Krieschow war wahrscheinlich das Spiel des Turniers. Der VfB hatte eine vielversprechende Formation mitgebracht. Mit Andy Hebler (71), Markus Kaiser (31), Florian Bernhardt (17) und Martin Dahm (6) standen sogar 125 Regionalliga-Spiele auf dem Parkett der Lausitz-Arena. Eine Peitzer Lehrstunde in Sachen Leidenschaft und Teamwork aber bescherte Krieschow ein kleines Waterloo, das noch peinlicher ausgefallen wäre, hätte Keeper Fritz Pflug nicht noch einen Peitzer Versuch gegen die Querlatte gelenkt.

Episches Halbfinale: Kolkwitz (Christopher Gipp, l.) gegen den SC Spremberg (Pascal Scheider).
Episches Halbfinale: Kolkwitz (Christopher Gipp, l.) gegen den SC Spremberg (Pascal Scheider). FOTO: Steffen Beyer

Von diesen zwölf Minuten werden sie in Peitz noch lange erzählen. Was diesen Erfolg noch pikanter macht: Schon anderthalb Wochen zuvor beim Sparkassen-Cup hatte Peitz den VfB Krieschow aus dem Turnier gekegelt. Trainer Sven Ballack scherzte nun auf die Frage, wie er sich als Krieschows Angstgegner fühle: „Die werden uns bestimmt nicht mehr zum Testspiel einladen.“

Der amtierende Brandenburger Meister hatte seine Chancen auf ein Weiterkommen damit schon fast gänzlich zunichte gemacht. Gegen Kolkwitz hätte ihn nur ein Kantersieg noch in die Vorschlussrunde gebracht – doch auch die letzte Paarung ging verloren (0:1) gegen einen KSV, der sich im Schatten des großen Kontrahenten mit einer makellosen Bilanz in die K.o.-Runde schoss.

Hier ging es spektakulär weiter. Während Wacker sein Halbfinale gegen Peitz in der vorgesehenen Zeit gewann (2:1), lieferten sich Kolkwitz und der SCS einen Vergleich, der episches Ausmaß erreichen sollte. Das Neunmeterschießen zog sich so lange hin, dass man zwischenzeitlich sogar Sorge haben musste, nicht pünktlich zum „Tatort“ wieder auf der Couch zu sitzen. Erst der 26. (!) Neunmeter brachte das Gespann von Trainer Sven Goertz ins Finale. Mancher Zuschauer war da wohl schon so weit, sich eine Pizza zu seiner Sitzschale kommen zu lassen.

Ziemlich weit brachte es Kolkwitz dann im Endspiel, nach der sehenswerten Führung durch Hannes Kaiser hatte der Sieger von 2000, 2004, 2005 und 2007 schon eine Hand am Pott. Doch Rostyslav Diakiv, der sich mit ein paar Kabinettstückchen und vier Toren für die Wahl zum Besten Spieler empfahl, hatte noch eine Antwort parat und gab Semke somit erst die Möglichkeit zum Matchball. Ströbitz hat damit das Kunststück fertiggebracht, einen Wanderpokal zum Stillstehen zu bringen. Nach dem dritten Triumph in Folge geht die Trophäe in den Besitz des Vereins über. Aus dem Wanderpokal ist am Ende ein Wacker-Pokal geworden.

Gaglow-Präsident Ralf Rackwitz (r.) ehrt Rostyslav Diakiv.
Gaglow-Präsident Ralf Rackwitz (r.) ehrt Rostyslav Diakiv. FOTO: Steffen Beyer