Es gibt auch in der Lausitz Geschichten, die beginnen wie ein Märchen. Es war einmal ein Cottbuser Punk-Quartett. Nico, Micha, Alex und Thomas machten sich 1997 unter dem Namen SPN-X von Cottbus aus auf, um die Punkwelt zu erobern. Beim Abschiedskonzert der Toten Hosen und von Die Ärzte wollten sie spielen. Auf dem Weg dorthin haben sie den größten Bandwettbewerb Ostdeutschlands gewonnen, einen Plattenvertrag ergattert und mit einem Ex-Arzt (Hagen Liebing) einen Soundtrack erarbeitet. Bundesweite Aufmerksamkeit ernteten die Skatepunks mit ihrem Lied "Bravo-Punk" beim deutschen Vorausscheid vom Bundesvision Song Contest. Mit ihrer Playback-Veralberung wählte sie die TV-Nation auf Rang sieben. Und der im Lied geäußerte Wunsch "Wir woll'n in die Bravo, nur ein Foto von mir" wurde auch wahr. Die Zeitschrift druckte gar einen Ministarschnitt der Cottbuser.

Doch ganz so märchenhaft ging es nicht weiter. Mit dem Musikbusiness taten sie sich in bester Punktradition schwer. So erschien im Jahr 2009 das Album "zurück in die Hände der Affen" in Eigenregie ohne Plattenfirma. "Wir müssen uns keine Gedanken mehr um Titellängen machen, und es bestimmt niemand mehr, wie was zu klingen hat", sagte Bassist Micha Schlottke damals. Und so teilten die Cottbuser auch schon mal einem Musikkritiker, der ihre Scheibe nicht so doll fand, ziemlich direkt mit, was sie von ihm hielten. Sie "verwechselten" einfach ein Postpaket mit der Porzellanschüssel im Bad und sandten es luftdicht verpackt zu der damals deutschlandweit bekannten Musikzeitschrift.

Dann wurde es ruhig um SPN-X. Häuser wurden gebaut, Kinder gezeugt, Geld für die Familie musste verdient werden.

Nun sind sie wieder zurück und haben einen wahrhaft märchenhaften Plan. Der heißt: Wir machen wieder Musik und haben einfach Spaß dabei. Micha Schlottke: "Das Geilste ist, wenn man von seiner Musik leben kann. Aber wer damit rechnet, ist doof." Für die Spaßkarriere wurden wild die Instrumente getauscht, der Bandname Sonnbrand erfunden und mit Leo am Schlagzeug und Sarah am Mikrofon Verstärkung geholt.

Und irgendwie steckt auch jede Menge der SPN-X-Philosophie hinter Sonnbrand. Den ein oder anderen verrückten Plan haben die Musiker nämlich immer noch. Hinter dem neuen Bandprojekt steckt nämlich ein Zehnjahresplan: Immer am 17. April erscheint ein neues Album von Sonnbrand. Im Internet auf www.sonnbrand.wtf lässt sich schon eine Zeitreise unternehmen und ein Blick auf das Albumcover mit dem Titel "D" werfen, welches am 17. April 2023 (!) erscheint. Auch 2015 ist ein Album erschienen - in Eigenregie. Für den Vertrieb setzen die Cottbuser auf die unkomplizierten Wege des Internets. In allen großen Onlineshops gibt es die Sonnbrand-Lieder zu kaufen.

Und die Musik selbst? Eine gute Mischung aus allen Sparten des Rock. Die mit Cottbuser Videokünstlern umgesetzte Single "Wo mein Herz ist" macht schnell klar, um was es bei Sonnbrand geht. Micha Schlottke: "Unsere Musik soll einfach angenehm sein."

Und wer weiß, vielleicht klappt es durch den Zehnjahresplan ja doch noch mit dem Happy End. Und sie können auf dem Abschiedsabend von Campino und Farin Urlaub spielen. Und wenn sie nicht gestorben sind, spielen sie noch heute