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| 20:56 Uhr

Sucht und Prävention
SPN kämpft gegen Drogenprobleme

Crystal Meth ist eine gefährliche Droge: Sie macht schnell süchtig, ist teuer und führt auch in Spree-Neiße zu Problemen mit Beschaffungskriminalität. Der Kreis reagiert nun, fordert aber auch das Land auf zu helfen.
Crystal Meth ist eine gefährliche Droge: Sie macht schnell süchtig, ist teuer und führt auch in Spree-Neiße zu Problemen mit Beschaffungskriminalität. Der Kreis reagiert nun, fordert aber auch das Land auf zu helfen. FOTO: dpa / Jens Schlueter
Spree-Neiße. Prävention und Suchthilfe könnten auch Diebstahldelikte eindämmen. Von Daniel Schauff

Es war ein deutliches Zeichen, das der Kreistag Spree-Neiße in der vergangenen Woche ausgesandt hat: Die Forderung nach mehr Hilfe im Kampf gegen die synthetische Droge Crystal Meth. Sie ist teuer, macht schnell abhängig, ist aus Tschechien über die Grenze nach Sachsen geschwappt, von dort aus weiter unter anderem nach Spree-Neiße. Die Folge: nicht nur verhältnismäßig viele Süchtige, sondern auch verhältnismäßig viel Beschaffungskriminalität.

Das lässt sich unter anderem an den Zahlen für Fahrraddiebstähle im Kreis ablesen. Das Portal billiger.de wertet – basierend auf Polizeistatistiken – die auf Stadt- und Kreisebene aus. Die Zahlen sind nicht brandaktuell, haben aber bereits 2017 einen Warnschuss an die zuständigen Behörden abgegeben. In keinem Landkreis, hieß es damals, würden mehr Räder geklaut als in Spree-Neiße, rechnet man die Einwohnerzahlen ein. Pro 100 000 Einwohner waren es im Jahr 2016 1190 – Großstadtniveau. Eine beruhigende Nachricht hatte Bettina Groß, Leiterin der Polizeidirektion Cottbus/Spree-Neiße bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2017. Demnach hatte sich die Zahl der Fahrraddiebstähle in der Großstadt und dem Landkreis deutlich verringert – insgesamt 700 Fälle weniger als 2016 waren registriert worden. In den beiden Grenzstädten Forst und Guben war die Zahl sogar um 27 Prozent gesunken. Aber – auch das gab Groß zu bedenken: Die Dunkelziffer sei weit größer – nicht jeder Fahrraddiebstahl werde zur Anzeige gebracht. Kein Wunder: Die Chance, das Rad irgendwann wiederzusehen, ist gering. Die Aufklärungsquote bei Diebstahl allgemein liegt bei rund 30 Prozent, bei Fahrraddiebstahl bei rund zehn Prozent.

Von Crystal Meth zu Radklau – die Zusammenhänge liegen auf der Hand: Wer dringend Drogen braucht, braucht dringend Geld. Fast 90 Euro werden für ein Gramm Crystal Meth fällig. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) hervor. Das Klinikum Niederlausitz in Senftenberg hat bereits 2015 davor gewarnt: Wer an die Droge gewöhnt ist, braucht nicht selten bis zu 2000 Milligramm Stoff pro Tag – 180 Euro. Ein Fahrrad bringt schnelles Geld – zwischen 20 und 100 Euro gibt es für einen Drahtesel – je nach Zustand und Modell. Das zumindest sind die Erfahrungswerte der Polizei Cottbus/Spree-Neiße.

Der Spree-Neiße-Kreis will den Kampf gegen Drogen im Allgemeinen und Crystal im Besonderen nun mit Hilfe der Landesregierung angehen. Vom Land fordert der Kreis: Im Haushalt 2019/20 müssten Mittel für zusätzliches Personal in den Suchtberatungsstellen weiter bereitgestellt werden. Zusätzlich soll aber auch die Präventionsarbeit der Polizei vor allem in Schulen personell weiter verstärkt werden. Weiter fordert der Kreistag vom Land, in der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße alle „personellen und sachlichen Voraussetzungen“ zu schaffen, „die eine konsequente Verfolgung und Aufklärung von Straftaten im Zusammenhang mit der Herstellung und dem Handel von Drogen ermöglicht.“ Außerdem schlägt der Kreistag ein landesweit einheitliches und für alle Schulen geltendes Konzept zu Umsetzung von Maßnahmen der Primärprävention vor, das von der Landesregierung erarbeitet werden soll. Ziel ist dem Kreistagsbeschluss zufolge die Persönlichkeitsstärkung von Schülern, um der Versuchung, Drogen zu konsumieren, zu widerstehen.

Der Kreis selbst will dabei nicht untätig bleiben. Die Landesmittel für das zusätzliche Personal in den Suchtberatungsstellen sollen weiter mit einer Kofinanzierung verstärkt werden, die aus dem Kreishaushalt kommt. Darüber hinaus will der Kreis regionale Präventionsprojekte mit eigenen Mitteln fördern. Die vorhandenen Plätze in Langzeit-Wohnbetreuungsangeboten will der Kreis prüfen und – wenn nötig – an den Bedarf anpassen. Gemeint sind laut Beschluss Plätze, die diejenigen angeboten bekommen können, die eine suchtmedizinische Behandlung hinter sich haben. In einem Zwei-Jahres-Turnus sollen sich darüber hinaus künftig der Sozial-, der Bildungs- und der Jugendhilfeausschuss des Kreises treffen, um über die aktuellen Entwicklungen im Bereich Sucht und Drogen zu beraten.