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Abschied
„Ich nehme auf alle Fälle die Spreewaldgurke mit“

Oliver Heilmeyer wirkte nicht nur als Koch im Spreewald, sondern auch als Wirtschaftsmotor.
Oliver Heilmeyer wirkte nicht nur als Koch im Spreewald, sondern auch als Wirtschaftsmotor. FOTO: Marion Hirche
Burg. Spitzenkoch Oliver Heilmeyer sagt dem Kurort Burg adé, um am Schluchsee erneut Wurzeln zu schlagen.

Er hat Maßstäbe für die Burger Gastronomie gesetzt: Oliver Heilmeyer war der erste Sternekoch, der in Burg arbeitete. 1997 ist der Schwarzwälder hierher in die Lausitz gekommen. Seine Frau Monika und seine beiden Kinder kamen mit, schlugen hier Wurzeln. Ein weiteres Kind komplettierte die naturliebende Familie. Jetzt sind die Kinder groß, und der Koch sucht eine neue Herausforderung: „Ich will noch was angreifen“, sagt der 53-Jährige und verabschiedet sich in Richtung Schluchsee, ein bekannter Kurort im Hochschwarzwald und Heimat der Heilmeyers.

Noch heute erinnert sich Oliver Heilmeyer an seinen Start in Burg: „Ich war sechs Jahre lang selbständig und bekam dann das Angebot, in großen Häusern in Potsdam oder Berlin zu arbeiten. Das war für mich nicht so interessant wie der Lockruf aus Burg, die Störche waren interessant für mich.“ Die Familie, die Campingurlaub bevorzugt lebte sich bestens in Burg ein: „Das hing natürlich auch damit zusammen, dass mein damaliger Chef Michael Clausing mir relativ freie Hand ließ bei der Entwicklung und Gestaltung der Bleiche-Gastronomie“. 19 Jahre lang war Heilmeyer Küchenchef im Bleiche Resort & Spa. Hier hat er berühmte Gäste bekocht, die meisten inkognito. Bekannt ist, dass auch die Stars von Bayern München hier gewohnt und gegessen haben.

Der Mann aus dem Schwarzwald hat sich Schritt für Schritt die Lausitzer Küche erobert: „Leider ist da nur wenig aufgeschrieben, also habe ich mit den Menschen geredet und habe auf deren Rat vertraut, ich habe so unter anderem gelernt, dass Leinöl nicht nur zum Fensterrahmen streichen gut ist.“ Zusammen mit Produzenten des Spreewalds hat der Zugezogene die Produkte der Region salonfähig gemacht: Ich bin zu den  Bauern gegangen und habe meine Wünsche geäußert. Das Entgegenkommen war riesig, sodass ich immer auf frische Produkte zurückgreifen konnte. Mancher hat sich dadurch, dass er für mich zum Lieferanten wurde, sehr gut entwickelt.“ Noch heute schwärmt der Koch von dem Riesenkorb Himbeeren, den ihm eine Frau eines Morgens anbot. Fortan nutzte er die süßen Früchte für seine Menüzusammenstellung. 2016 wechselte Oliver Heilmeyer von der „Bleiche“ zum Landhotel Burg. Nun hat er Abschied vom Spreewald genommen, um nochmal in einem Fünf-Sterne-Haus im Hochschwarzwald loszulegen. „Auf alle Fälle werde ich dort die Spreewälder Gurken nutzen. Da gibt es einen Wurstsalat, den ich mit den Grünen aus Burg anbieten werde. Ganz sicher werde ich auch das wunderbare Leinöl nutzen, denn die Menschen an meinem neuen Wirkungsort sind auch sehr gesundheitsbewusst.“

Einer, der die Gastronomie im Spreewald wesentlich beeinflusst hat, der dazu beigetragen hat, dass sich viele Gemüse- und Lebensmittelproduzenten sehr gut und wettbewerbstauglich entwickelt haben, ist gegangen, leise, unspektakulär. Oliver Heilmeyer war Wirtschaftsmotor. Da kann man nur danke sagen und sich darauf freuen, dass er im Urlaub mit seinem Wohnmobil in Burg Station machen wird.

(jul)
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