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Spiel mit dem Schicksal

In der Sandower Bücherei stellte Maxi Hill am Donnerstagabend ihren neuen Roman vor.
In der Sandower Bücherei stellte Maxi Hill am Donnerstagabend ihren neuen Roman vor. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Normalerweise sind es Kinder, die durch die Pausenhallen der Christoph-Kolumbus-Grundschule stürmen. Am Donnerstagabend wurde das Kellergeschoss der Sandower Grundschule zu einem lebendigen Lesesaal für alle Freunde der Literatur und solche, die es werden möchten. Jenny Theiler

Die Sandower Bücherei organisierte einen abwechslungsreichen Leseabend, der kaum einen kulturellen Wunsch offen ließ.

An den Wänden der "kleinen Galerie" hängen die Werke des mexikanischen Künstlers William Pino, der sich und seine Werke vorstellt. Das Schülerensemble "Dreiklang" vom Max-Steenbeck-Gymnasium leitet den Abend musikalisch ein, und in der Mitte des Raums sitzt Maxi Hill an einem unscheinbaren Lehrerpult. Es gibt keine Bühne, kein Mikrofon und keine Grenzen zum Publikum. Die Cottbuser Autorin genießt die familiäre Atmosphäre inmitten ihrer überwiegend älteren Zuhörer.

Das aktuelle Buch trägt den Titel "Vor dem Glück" und bewegt sich inhaltlich etwas abseits des Genres, das Maxi Hill üblicherweise bedient und das sich mit Schicksalen beschäftigt, die durch gesellschaftliches Versagen geprägt sind. Weniger dramatisch, aber nicht weniger spannend ist die Geschichte um Nelli Winter und ihren Weg zum persönlichen Glück.

Auch dieses Werk ist kein "Hirngespinst einer Schreiberseele", wie die Autorin selbst betont. Auch der aktuelle Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Das Cottbuser Lokalkolorit, das ein wesentliches Merkmal ihrer Bücher darstellt, fehlt natürlich auch dieses Mal nicht.

Nelli Winter ist eine Frau mit doppelten Modelmaßen, einem taktlosen Ex-Ehemann und einer anmaßenden Freundin. Zwei Fehlgeburten und eine immer lauter tickende, biologische Uhr treiben den Wunsch nach einem Kind immer stärker voran. Da sie von Männern die Nase voll hat, aber dennoch Mutter werden möchte, entschließt sich die gebeutelte Frau zu einer künstlichen Befruchtung in einer Kinderwunschklinik in Sachsen. "In Brandenburg gibt es meines Wissens solche Einrichtungen nicht", wendet die Autorin ein. Ein schelmisches Schmunzeln und verlegenes Kichern geht hin und wieder durch das Publikum, wenn Maxi Hill von Samenspende spricht. Dennoch nimmt das Publikum das etwas unkonventionelle Thema des Romans an und lauscht gespannt dem Chaos, zu dem sich Nellis Leben allmählich entwickelt.

Das Glück selbst ist längst nicht so interessant wie der Weg dorthin. Ein mögliches Happy End wird im Titel angedeutet. Dennoch setzt Maxi Hill ihre Zuhörer an einer besonders "unglücklichen" Stelle ab. Jetzt müssen sich die neugierigen Zuhörer selbst auf den Weg zu Nellis Glück begeben. Viele Besucher gehen mit einem eigenen Exemplar des Romans nach Hause.

"Mich berühren echte Schicksale mehr als erdachte", gibt die Cottbuserin zu und berichtet über ihre Schreiberfahrungen. Die Cottbuserin, die eigentlich nie Schriftstellerin sein wollte, versteht sich selbst als regionale Autorin. "Um Erfolg geht es mir nicht, sondern um die Leidenschaft des Schreibens", stellt Maxi Hill klar.