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Spezialasphalt für die Straßenbahn

Das Gleiskreuz soll in gut drei Wochen fix und fertig sein. Im Vordergrund sorgt Wolfgang Kiefer von der Schienen-, Schleif- und Schweißtechnik GmbH aus dem sächsischen Bad Lausick für den Anschluss der Gleisstränge.
Das Gleiskreuz soll in gut drei Wochen fix und fertig sein. Im Vordergrund sorgt Wolfgang Kiefer von der Schienen-, Schleif- und Schweißtechnik GmbH aus dem sächsischen Bad Lausick für den Anschluss der Gleisstränge. FOTO: Kompalla
Cottbus. Sieht aus wie Kopfsteinpflaster, ist aber Asphalt: Erstmals kommt in Cottbus das patentierte Verfahren zum Einsatz. Für die Berliner Straße vor dem Rathaus ist dafür eine spezielle Cottbuser Mischung nötig. Der Aufwand soll mit längerer Lebensdauer belohnt werden. Peggy Kompalla

Das Problem ist altbekannt: Das Kopfsteinpflaster zwischen den Straßenbahn-Schienen in der Berliner und der Sandower Straße löst sich immer wieder. Der Grund ist einfache Physik. Die Straße liegt starr, während die Schienen schwingen. Sie bewegen sich zwischen 0,8 und 1,2 Millimeter in der Senkrechten, erklärt Ingenieur und Bauplaner Klaus Meister. Außerdem fahren Autos über das Pflaster. Auch das trägt dazu bei, dass sich die Steine oft schon nach zwei Jahren zwischen den Schienen lösen. Die Reparatur ist aufwendig und kostet entsprechend. Asphalt hält dagegen deutlich länger. Doch der moderne Baustoff passt nicht zum historischen Bild der Altstadt. Bislang.

Denn Cottbusverkehr wagt nun einen Versuch - mit dem Einverständnis der Denkmalschützer. Denn hinterher soll der Asphalt aussehen wie Kopfsteinpflaster. Das ist eine Premiere für den Verkehrsbetrieb, wie Hans-Jürgen Krüger verrät. "Das Verfahren kombiniert die historische Ansicht mit einer höheren Liegedauer", sagt der Technische Leiter.

Umsetzen wird es die Asphalt Straßenbau Gesellschaft mbH aus Krieschow. Geschäftsführer Frank Pilzecker hat dafür die Patentrechte erworben. "Wir haben im Vorfeld verschiedene Musterflächen hergestellt", berichtet er. "So haben wir eine spezielle Cottbuser Mischung gefunden, die dem Original-Pflaster sowohl in Farbe als auch Körnung entspricht." Nicht nur das: Auch die Matrize - also die Form, mit der der Asphalt geprägt wird - ist eine Spezialanfertigung. "Es soll ja unregelmäßig aussehen wie das alte Pflaster."

Eingebaut wird der Spezial-Asphalt vor dem Rathaus. Am Berliner Platz saniert Cottbusverkehr das Gleiskreuz. Für den Anschluss werden die Schienen bis in die Berliner Straße erneuert. Genau dort beginnt das historische Pflaster. Insgesamt 420 Quadratmeter werden mit dem Kopfsteinpflaster-Imitat belegt. Radfahrer dürften aufhorchen. Denn für sie ist die Strecke zwischen Rathaus, Altmarkt und Oberkirche eine Qual.

In gut drei Wochen will Cottbusverkehr die Großbaustelle in der Altstadt abgeschlossen haben. "Am 19. November soll die Straßenbahn wieder normal fahren", sagt Hans-Jürgen Krüger. Nach Sandow geht es dann über den Superasphalt.