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| 14:18 Uhr

Illegale Entsorgung sorgt für Frust
Sperrmüll als Problemfall

 Auch alte Bodenbeläge oder Schranktüren werden einfach vor der Haustür entsorgt.
Auch alte Bodenbeläge oder Schranktüren werden einfach vor der Haustür entsorgt. FOTO: LR / Silke Halpick
Cottbus. Die Zahl der illegalen Entsorgungen steigt. Anwohner ärgern sich über lange Verfahrenswege. Von Silke Halpick

Illegal abgestellter Sperrmüll wird immer öfter zum Problem für die Stadt Cottbus. Nach Angaben der Verwaltung ist die Zahl der Delikte im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen. Die Folge: Anwohner ärgern sich über unschöne Müllberge direkt vor der Haustür. Für Vermieter, Entsorger und Ordnungsbehörden steigt der eigenen Aufwand beträchtlich.

Im Grunde ist es ja ganz einfach: Jeder Haushalt der Stadt Cottbus kann seinen Sperrmüll zweimal pro Jahr kostenlos abholen lassen. Dafür genügt ein Anruf unter der Servicenummer des Entsorgungsunternehmens Alba. Doch immer häufiger wird gar nicht zum Telefon gegriffen und der Sperrmüll einfach vor die Tür gestellt. Das zeigen aktuelle Fälle in der Garten-, in der Insel- oder in der  Greifenhainer Straße.

„Wie anderswo, so ist auch hier das illegale Entsorgen von Müll längst ein Thema“, kritisiert Evelin Brauer. Sie wohnt seit mehr als 20 Jahren in der Greifenhainer Straße, einem einst beliebten und attraktiven Wohngebiet in der Nähe des Bahnhofes. Entlang der gesamten Straße hätten sich regelrechte Müll-Ablageplätze „etabliert“, wie sie berichtet.

 Neben dem abgestellten Polstersessel sammelt sich auch viel Kleinmüll an, wie man sieht.
Neben dem abgestellten Polstersessel sammelt sich auch viel Kleinmüll an, wie man sieht. FOTO: LR / Silke Halpick

Mit dem Freizug der Wohnblöcke steigen die Müllberge

Eine neue Qualität und Quantität habe das Müllproblem Ende 2018 mit dem Freizug einiger Wohnblöcke erreicht, wie sie betont. „Vor zirka sechs Wochen wurde beim Auszug eines Mieters fast dessen komplettes Mobiliar neben dem Wertstoffplatz abgeladen“, so Brauer. Seitdem sei eine Mülldeponie von beträchtlichem Ausmaß entstanden, deren Anwachsen die Bewohner täglich mitverfolgen können.

Das Problem ist auch der Stadt Cottbus bekannt, wie Martin Gransalke vom Ordnungsamt auf RUNDSCHAU-Anfrage einräumt. In diesem konkreten Fall sei sogar der Verursacher ermittelt und mit einer Geldbuße bestraft worden. Das ist sonst die Ausnahme. Das Ordnungsamt hat Gransalke zufolge den Sperrmüll beim Entsorger Alba angemeldet. Dieser soll jetzt abgeholt werden.

Doch die Greifenhainer Straße ist kein Einzelfall. „Leider hat diese Art der illegalen Müllentsorgung in den letzten Monaten deutlich zugenommen“, erklärt Gransalke. Seine Zahlen verdeutlichen das: Im vergangenen Jahr wurden durch den Vollzugsdienst 251 ordnungswidrige Müllentsorgungs-Delikte erfasst. In diesem Jahr sind es bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits 232.

Oft liegt der Sperrmüll schon Tage, bevor etwas passiert

Als Problem sieht Gransalke vor allem die „lange Verweildauer des Sperrmülls auf der Straße“. Denn Alba sammelt und entsorgt grundsätzlich nur angemeldeten Sperrmüll. Der Rest bleibt stehen. Vom illegalen Müll erfährt die Stadt aber erst, wenn eine Beschwerde vorliegt oder Außendienstmitarbeiter bei ihren Kontrollgängen die Ordnungswidrigkeit feststellen. „Oftmals liegt der Sperrmüll dann schon einige Tage“, räumt Gransalke ein.

 Der Müllberg neben dem Wertstoffplatz in der Greifenhainer Straße wächst von Tag zu Tag.
Der Müllberg neben dem Wertstoffplatz in der Greifenhainer Straße wächst von Tag zu Tag. FOTO: LR / Silke Halpick

Auch Evelin Brauer kennt das Dilemma: Von Alba habe sie die Information erhalten, dass der Sperrmüll nur nach Auftragserteilung durch den Verursacher oder das Ordnungsamt abgeholt wird. Das Ordnungsamt wiederum teilte ihr mit, dass eine Auftragserteilung an Alba nur erfolgen könne, wenn der Verursacher ermittelt ist.

Doch den Verursacher zu finden, ist in der Praxis meist nicht einfach, „weil am Sperrmüll keine Identitätsnachweise vorhanden sind“, so Gransalke. Auch Zeugen, die sich als solche auch bereitstellen, seien nur schwer zu finden. Das Abstellen von Sperrmüll ohne vorherige Anmeldung ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Euro geahndet werden kann.

Für das Entsorgungsunternehmen Alba gehört illegal abgestellter Sperrmüll zum Tagesgeschäft. „Es gibt im Stadtgebiet immer wieder Stellen, an denen sich die Bürger nicht an die von der Stadt festgelegte Verfahrensweise halten“, erklärt Logistikleiter Stefan Reinschke. Probleme gebe sei immer dann, wenn der Sperrmüll auf für den Transporter unzugänglichen Bereichen wie mitten auf einer Wiese abgeladen wird oder andere Abfälle wie Schadstoffe oder Schrott hinzukommen.

Mit dem Sperrmüll-Problem werden auch die Wohnungsunternehmen konfrontiert. Klar: Die Mieter rufen hier an, wenn sie die Berge vor der Haustür anwachsen sehen und nichts passiert. „Es ist ein ständiger Prozess“, bestätigt Bernd Kliemann von der Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC) auf RUNDSCHAU-Nachfrage. In jedem Stadtteil gebe es Problemplätze.

Beobachtet hat Kliemann aber auch ein weiteres Phänomen: Mieter melden ihren Sperrmüll ordnungsgemäß an, dieser wird auf die Straße gestellt und abgeholt. Kurz darauf laden Bürger, die nicht einmal in der Gegend wohnen, genau an dieser Stelle ihren illegalen Sperrmüll ab.

Illegale Ablagerungsplätze können unter der Hotline der Stadt unter 0355/6123456 gemeldet werden.