Maria Hennig ist 24 Jahre alt – 19 davon hat sie auf dem Tanzparkett verbracht: als Funkenmariechen, in der Showgruppe und später in der Tanzschule. Doch im August 2019 dann die Schock-Diagnose: Sie ist an Leukämie erkrankt. Während der Chemotherapie, der sie sich noch immer unterziehen muss, musste ihr das linke Bein amputiert werden. Nun sammeln Freunde und Familie Geld, damit Maria mit einer neuen und speziellen Beinprothese weiter tanzen kann.

Spendenaktion beim Neujahrslauf

„Ich bin total sprachlos und dankbar. Es fasziniert mich, wie viele Menschen, die ich gar nicht oder nur flüchtig kenne, bereit sind, etwas für mich zu geben“, sagt sie am Telefon. Bereits zum 20. Mal lädt das Cottbuser Fitnessstudio Chakra am 1. Januar um 14.30 Uhr zum Neujahrslauf ein. Diesmal jedoch mit einem besonderen Antrieb: Es soll ein Benefizlauf für Maria sein. 5,5 Kilometer ist die Strecke lang, die Startgebühr beträgt zwei Euro – oder freiwillig mehr. Mehr als 400 Menschen sollen sich bereits angemeldet haben, erklärt Maria Hennig.

Freunde von ihr hätten die Aktion gemeinsam mit dem Fitnessstudio organisiert, sie selbst wusste nichts davon. Ihre Familie würde sich unterdessen über die neue Prothese informieren, die durch ein bewegliches Fuß- und Kniegelenk das Steuern erleichtern und das Tanzen ermöglichen soll. Die Kosten dafür liegen im fünfstelligen Bereich. Für Maria Hennig wäre es die Möglichkeit, ihre Leidenschaft weiter auszuüben.

Youtube Unterricht mit Maria Hennig

Spezialisierung auf Arbeit mit Kindern

„Meine Eltern haben in Forst eine Gaststätte, wo früher immer der Karnevalsverein probte. So bin ich zum Kindertanzen gekommen“, erklärt die 24-Jährige, die seit dem fünften Lebensjahr tanzt. Dann ging es weiter zu den Funkemariechen und von da zur Showtanzgruppe. Nach Ihrem Abitur machte Maria Hennig eine Ausbildung zur Tanzlehrerin beim Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband. „In einem goldenen Ordner standen sämtliche Paartänze von Standard bis Latein, aufgelistet in Fußtechnik und Drehbewegung. Da haben wir sämtliche Figuren auseinandergenommen“, beschreibt Maria Hennig ihre Ausbildung.

Schon damals spezialisiert sie sich auf die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. „Mit denen habe ich gerne Einzeltänze gemacht, weil man da selber kreativ sein und sich Choreographien ausdenken kann“, sagt sie. Tanzvideos im Internet würden nur gelegentlich als Inspiration dienen. „Hauptsächlich ist man selbst kreativ in der Tanzschule vor dem Spiegel zu der Musik, die mich berührt oder die den Mädels gefällt“, erklärt sie. Etwa 25 Mädchen zwischen 15 und 28 Jahren trainierten bei ihr jeden Freitag und Samstag. Maria Hennig hat selbst schon in dem Alter getanzt und weiß deshalb nicht nur, was das Tanzen im Menschen bewirkt, sie sieht es auch bei ihren Schülerinnen.

Youtube Standard-Tanz mit Maria Hennig

Augenrollen bei den Männern

„Man beschäftigt sich viel mit der eigenen Körperhaltung, steht gerade und macht die Schultern nach hinten“, sagt sie. Muskeln würden sich bilden und auch das Selbstbewusstsein würde größer werden. „Wenn ich an die Jugendlichen denke, die mit dem Tanzen angefangen haben und unsicher waren, merke ich, dass man die irgendwann kriegt und sie immer selbstbewusster werden“, erklärt Maria Hennig.

Tanzen sei immerhin nicht nur etwas für einen selber. Man ist Teil einer Gruppe, in der man zusammen lacht, Dinge lernt und sich auch mal anzickt. Auch Paartänzer würden mit der Zeit immer sicherer werden. „Wenn ich einen Kurs im Paartanzen eröffne, frage ich in der ersten Stunde immer, wer freiwillig hier ist und oft verdrehen die Männer dann die Augen“, sagt Maria lachend. Doch am Ende sind es gerade sie, die Ehrgeiz entwickeln und weitermachen wollen. So wie sie, nach überstandener Leukämie-Erkrankung.