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| 17:44 Uhr

Innovativ
Ein Ort für das Leben und den Tod

David Kreuziger (Landesvorstand Johanniter, v.l.), Schirmherrin Elke Gräfin von Pückler, Jörg Lüssem (Bundesvorstand Johanniter), Andreas Berger-Winkler (Regionalvorstand), Landrat Harald Altekrüger,  Bürgermeisterin Ira Frackmann und der amtierende Amtsdirektor Christoph Neumann beim Spatenstich.
David Kreuziger (Landesvorstand Johanniter, v.l.), Schirmherrin Elke Gräfin von Pückler, Jörg Lüssem (Bundesvorstand Johanniter), Andreas Berger-Winkler (Regionalvorstand), Landrat Harald Altekrüger,  Bürgermeisterin Ira Frackmann und der amtierende Amtsdirektor Christoph Neumann beim Spatenstich. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Hilscher Andrea
Burg. Der Spatenstich für das Kinderhospiz in Burg gibt den Weg für ein Millionenprojekt frei. Von Andrea Hilscher

Das Projekt ist ehrgeizig. Als Jörg Lüssem vom Bundesvorstand der Johanniter 2012 zum ersten Mal von der Idee hörte, in Südbrandenburg ein Kinderhospiz zu bauen, war er skeptisch. Nach und nach aber musste er einsehen: Die Verfechter des Planes ließen nicht locker. Und der Erfolg gibt ihnen recht. Jetzt konnten sie den ersten Spatenstich für Brandenburgs erstes Kinderhospiz feiern, und natürlich gehörte Jörg Lüssem zu ihren Ehrengästen.

Das Kinderhospiz, idyllisch im Grünen gelegen, ist in seiner Konzeption bundesweit einzigartig. Zum einen bietet es Familien mit schwerstkranken Kindern die Möglichkeit, sich gemeinsam eine Auszeit zu gönnen. Zum anderen, und das ist neu, werden Kinder und Jugendliche mit hohem medizinischen Betreuungsbedarf in einer eigenen Wohngruppe versorgt.

Die beiden Projekte mit ihren jeweils unterschiedlichen Anforderungen hat eine Planungsgruppe rund um Prof. Ralf-Rüdiger Sommer in eine Form gegossen. Der Baukörper, der an einen Dreiseitenhof erinnert, schmiegt sich unauffällig in die Spreewaldlandschaft, sorgt mit viel Glas und Außenbezügen für ein Gefühl der Weite und der Verbundenheit.

„Niemand soll sich hier alleine fühlen müssen“, sagt Sommer, trotzdem gebe es Möglichkeiten für Rückzug und Stille. „Wir hatten betroffene Familien in Workshops gebeten, uns ihre Bedürfnisse zu schildern. Wir haben sie gefragt, wie sie, wenn es denn nötig sein sollte, den Abschied von ihren Kindern gestalten wollen.“ Um diese Wünsche herum wurde das Kinderhaus geplant.

Zunächst aber soll es in der Pusteblume nicht vorrangig um den Tod, sondern um das Leben gehen. Um das von Kindern wie Anna Heinze vielleicht. Mittlerweile fast 15 Jahre alt, ist Anna vor zehn Jahren verunglückt und seitdem schwerstmehrfachbehindert. Ihre Eltern Michael und Anja Heinze aus Heideblick (Dahme-Spreewald) haben ihr Leben komplett auf die Versorgung ihrer Tochter eingestellt, eine 24-Stunden-Intensivpflege organisiert. „Aber es wäre schön, einfach mal ein paar Tage mit ihr gemeinsam in schöner Atmosphäre verbringen zu können“, sagt Anja Heinze. Sonst wäre an so etwas wie Urlaub überhaupt nicht zu denken.

Das Kinderhaus Pusteblume soll ein Hospiz und eine Wohngruppe für Kinder und Jugendliche beherbergen.
Das Kinderhaus Pusteblume soll ein Hospiz und eine Wohngruppe für Kinder und Jugendliche beherbergen. FOTO: Johanniter/Roland Hauke

Sie jedenfalls freut sich schon jetzt auf eine gute Zeit in dem neuen Kinderhaus. Mit ihr waren am Dienstag viele Familien mit ihren kranken Kindern zum Spatenstich nach Burg gekommen, haben sich Grundstück und Modell angeschaut. Klar ist: Sie können später gemeinsam mit ihren Kindern und deren Geschwistern Zeit im Hospiz verbringen, werden dort rund um die Uhr versorgt. „Wichtig war uns neben der Idylle des Spreewaldes auch die Nähe zum Carl-Thiem-Klinikum“, sagt Andreas Berger-Winkler, Regionalvorstand der Johanniter. Er kämpft seit Jahren um die Realisierung des Projektes, das auch in Burg nicht nur auf offene Herzen gestoßen ist.

Bürgermeisterin Ira Frackmann  gibt zu, dass der Gedanke an kranke Kinder mitten in dem touristisch geprägten Ort auch Bedenken geweckt habe. Letztlich aber konnten die Burger und auch die Kreisverwaltung überzeugt werden. „Bauen in der Biosphäre ist nicht immer frei von Problemen“, sagt Landrat Harald  Altekrüger. Immerhin: Für die Baugenehmigung brauchten seine Mitarbeiter nur wenige Wochen.

Dem Baubeginn steht also, zumindest theoretisch, nichts mehr im Wege. Dass es dennoch keinen genauen Starttermin gibt, liegt am lieben Geld. Projektplaner Ralf-Rüdiger Sommer erklärt: „Wir haben mit Baukosten von fünf Millionen Euro gerechnet. Auf unsere Ausschreibung haben aber nur wenige Unternehmen reagiert.“ Der Bauboom in Berlin ist auch in der Lausitz zu spüren.

Die Preisvorstellungen möglicher Generalunternehmer liegen bei sieben Millionen Euro, es muss nachverhandelt oder neu ausgeschrieben werden. Spätestens 2020 aber sollen die ersten Bewohner in das Kinderhaus Pusteblume einziehen können. Voraussichtlich wird es dann das 17. Kinderhospiz in Deutschland sein. Berger-Winkler: „Bei einem Bedarf, der weitaus größer ist.“