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Sparkasse Spree-Neiße ersteigert Cottbuser Weltspiegel

Ralf Zarnoch ist zwar nicht mehr Eigentümer des Weltspiegels, aber er bleibt dem Haus weiterhin erhalten.
Ralf Zarnoch ist zwar nicht mehr Eigentümer des Weltspiegels, aber er bleibt dem Haus weiterhin erhalten. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Gläubigerbank überbietet am Dienstag mit 1,2 Millionen Euro einen Berliner Filmverleiher bei der Zwangsversteigerung am Cottbuser Amtsgericht. pk

Das älteste Brandenburger Kino hat einen neuen Eigentümer. Die Sparkasse Spree-Neiße ersteigert den Cottbuser Weltspiegel am Dienstag für 1,2 Millionen Euro. Um 9.56 Uhr erteilt die Rechtspflegerin der Sparkasse den Zuschlag. Damit verliert Ralf Zarnoch zwar das Kino, doch bleibt er dem Haus weiterhin als Betreiber erhalten. Das versichert er kurz nach dem Termin am Amtsgericht. Sein Zwangsverwalter, Rechtsanwalt Udo Feser, ergänzt: "Der Kinobetrieb läuft ganz normal weiter. Es hat lediglich ein Eigentümerwechsel stattgefunden. Als Nächstes werden wir mit der Sparkasse einen neuen Mietvertrag aushandeln."


Die Bank äußert sich selbst nicht zu dem Vorgang. Udo Feser erklärt jedoch: "Die Sparkasse wird das Objekt langfristig veräußern. Ein Kinobetrieb gehört nicht zum Geschäft einer Bank." Aus der Sicht des Rechtsanwalts ist die Zwangsversteigerung ein Fortschritt. "Jetzt bin ich in die Lage versetzt, Herrn Zarnoch zu entschulden. Ich kenne die Verbindlichkeiten und kann einen Plan aufstellen."

Ralf Zarnoch selbst zeigt sich erleichtert. "Damit ist die Unsicherheit vorbei", sagt er und ergänzt: "Wir wissen, dass die Sparkasse im Interesse der Stadt handelt. Und dem Bürger ist daran gelegen, dass das Kino weiterläuft." Das sei auch ein wichtiges Signal für die vier festangestellten Mitarbeiter und die 15 Pauschalkräfte. "Wir haben unter widrigen Umständen viel erreicht", lobt er seine Truppe. Der Weltspiegel wolle an erfolgreichen Veranstaltungen - wie Jugendweihen, Lesungen und dem Filmfestival - festhalten. Der Kinobetrieb selbst stehe auf einer wirtschaftlich grundsoliden Basis.

Gedrückt haben Ralf Zarnoch die Schulden, entstanden durch die umfassende Sanierung des mehr als 100 Jahre alten Baudenkmals und den Anbau mit zwei zusätzlichen Kinosälen und Filmbar. Die Ausgaben waren während der Bauzeit zwischen 2009 und 2012 stetig gestiegen. Laut Rechtspflegerin bei der Zwangsversteigerung belaufen sich die Außenstände auf rund drei Millionen Euro. Wobei die Sparkasse Spree-Neiße Gläubigerin des weit größten Schuldenteils ist. Die Stadt Cottbus hatte demnach unerfüllte Forderungen von rund 270 000 Euro. Für die Zwangsversteigerung war der Verkehrswert der vier Grundstücke auf 959 000 Euro festgelegt worden.

Ein Berliner Filmverleiher macht die Zwangsversteigerung am Dienstag spannend. Er bietet zunächst 850 000 Euro für den Weltspiegel und erhöht danach sein Gebot auf 1,01 Millionen Euro, nachdem die Sparkasse mitzieht. Er muss sich letztendlich den 1,2 Millionen Euro der Bank beugen. Damit ist die Sparkasse Kinobesitzerin. Dafür sind nun die Grundbücher sauber. Denn mit der Zwangsversteigerung werden alle Schuldentitel gelöscht, das Grundstück ist lastenfrei.

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