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Spätis treten in Cottbus ihren Siegeszug an

Sebastian Heße aus dem "Cotti" in der Karl-Marx-Straße hat alles für den Versorgungs-"Notfall" im Regal.
Sebastian Heße aus dem "Cotti" in der Karl-Marx-Straße hat alles für den Versorgungs-"Notfall" im Regal. FOTO: Tino Schulz/tsz1
Cottbus. Erfunden wurden sie in Berlin-Pankow, um die malochenden Nachtschichtarbeiter in der DDR mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Cottbuser Nachtschwärmer haben mittlerweile fünf dieser Anlaufpunkte in der Innenstadt. Nun haben zwei neue Spätverkaufsstellen ihre Pforten geöffnet. Peggy Kompalla

Die Spätis sind viel mehr als nur reine Verkaufsstellen. Jeder Laden hat seine Eigenheiten und bringt damit Schwung in den Kiez. Das sieht auch René Land so. Er ist im Cottbuser Rathaus Servicebereichsleiter für Gewerbeangelegenheiten. "Damit ergänzt sich das Angebot außerhalb der Ladenöffnungszeiten. Der Trend ist gut für Cottbus. Besonders die Jugend nimmt das gut an." Möglich mache das das Brandenburger Gaststättengesetz. Denn Spätis gelten als Gastronomiebetriebe, da sie Kaffee ausschenken und frische Imbisse verkaufen.

Das Karli an der Karl-Liebknecht-Straße hat daraus eine Spezialität gemacht. Nur in dem Späti gibt es die Ketwurst - die DDR-Antwort auf den Hot Dog. Das besondere Flair des Ladens macht die Retro-Einrichtung aus. Dazu gehört auch eine alte Jukebox mit Schallplatten, die die Kunden selbst auflegen können.

So gemütlich ist es im Eck 33 Kiosk an der Marktstraße noch nicht. Der Späti ist seit einem Monat geöffnet. Eigentümer Müslüm Gezer steckt noch mitten im Ausbau. "Ab dem 20. Februar sind wir Poststelle und Paketdienst", erzählt er. Die Theke ist bereits entsprechend vorbereitet. Außerdem können Kunden in dem Kiosk Flugtickets kaufen und weltweite Geldtransfers abwickeln.

Gezer hat selbst 17 Jahre lang als Koch bis spät in die Nacht gearbeitet. "Da passierte nicht mehr viel in Cottbus", sagt er. "Deshalb bringen wir jetzt ein bisschen Bewegung rein." Die Lage seines Spätis sei ideal - nur einen Spaziergang vom Altmarkt entfernt.

Das Cotti an der Karl-Marx-Straße ist wohl der größte Späti in der Stadt - mit dem vielfältigsten Sortiment. Hier gibt es wirklich alles. Mehl, Nudeln, Tomatensoße, Zahnbürsten, Filtertüten oder Waschmittel. Seit 2013 führt Ufuk Kalkan den Späti. "Ich habe an der BTU Informatik studiert und immer gedacht, dass so ein Geschäft fehlt. Als die Apotheke frei wurde, habe ich einfach zugeschlagen und den Laden eröffnet." Mit dem Campus im Rücken und direkt an der Hauptstraße hat sich das Cotti etabliert. "Wir wollen demnächst umbauen und im Frühjahr eine Terrasse eröffnen", erzählt der Chef. Damit will er das Tagesgeschäft weiter ankurbeln. Denn bislang sei der Hauptansturm im Cotti zwischen 20 und 24 Uhr. Sabrina Witt steht hinterm Tresen. Sie versichert: "Es kommen nicht nur junge Leute. Unsere Kundschaft ist bunt gemischt." Die Älteren fänden allerdings überwiegend wegen des Paketshops den Weg ins Cotti. Leon Schmid stürmt zur Tür herein. Der Erstsemestler braucht Zigaretten. "Ich bin regelmäßig hier", sagt er. "Ich komme aus Bayern und hier gibt sogar bayrisches Bier." Das ist es, was die Spätis ausmacht. Das Sortiment verändert sich schnell nach den Wünschen der Kunden. Man kennt sich eben etwas besser.

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