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| 02:34 Uhr

Sorge um alte Gefügelrassen

Fritz Schmidt (l.), Karl-Heinz Olding (mit Welsumer-Hahn) und Carsten Hetze (r. mit Seidenhahn) in Hetzes Voliere.
Fritz Schmidt (l.), Karl-Heinz Olding (mit Welsumer-Hahn) und Carsten Hetze (r. mit Seidenhahn) in Hetzes Voliere. FOTO: Elsner
Cottbus. Seit November sind Geflügelhalter gezwungen, ihr Nutz- und Ziergeflügel im Stall zu halten, um eine Einschleppung des N5N8-Virus zu vermeiden. Und die Stallpflicht besteht fort. Ulrike Elsner

"Es geht aber so nicht weiter", darin sind sich Carsten Hetze, Fritz Schmidt und Karl-Heinz Olding vom Kleintierzuchtverein Burg/Spreewald einig. Sie sehen eine zunehmende Gefahr für den Erhalt alter Rassen. "Wir reden dabei von einem wichtigen Kulturgut", betont Karl-Heinz Olding.

In der großzügigen Voliere bei Hetzes haben die Seidenhühner gute Bedingungen. Eine Glucke mit zwölf Küken hat sogar in einem leer stehenden Haus ein sicheres Plätzchen gefunden. Für den Laien scheint alles in Ordnung. Ist es aber nicht. "Die Mutter muss den Küken eine Menge beibringen. Und Vieles geht nur draußen", erläutert der Vereinsvorsitzende Carsten Hetze. "Zum Beispiel, wie sie sich verhalten müssen, wenn ein Greifvogel naht."

Noch größer sind die Einschränkungen für Enten und Gänse. Schlimmstenfalls werden die sich im nächsten Jahr nicht vermehren, mutmaßt die Runde. "Weil sie das Wasser für den Tret-akt brauchen", erläutert Karl-Heinz Olding.

Den Wirtschaftsrassen sind bestimmte Eigenschaften an- oder weggezüchtet worden. Entweder sind sie Top-Eierlieferanten oder sie setzen besonders viel Fleisch an. Beides vereint findet sich nur bei den traditionellen Rassen wie den Welsumern, die Carsten Hetzer hält. Außerdem liefern sich Hühner in industriellen Anlagen keine Revierkämpfe. Was aber, wenn Freilandhühner, die bisher in den meist engen Ställen nur geschlafen haben, monatelang dort ausharren müssen?

Viele Züchter haben inzwischen genug. "Sie schaffen ihr Geflügel ab", sagt Fritz Schmidt. Darunter sind häufig auch Arten, die auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen stehen. Auch die Pommerngänse, die Fritz Schmidt hält, gehören dazu.

Besonders schlimm ist die Situation für die Burger Züchter, weil sie nach den Worten von Carsten Hetzer "anzweifeln, dass die Stallpflicht, mit der sich unsere Tiere so quälen, überhaupt Sinn hat". Viele Experten haben sich in diesem Sinne geäußert und belegt, dass das Einsperren die Tiere sogar anfälliger für Infektionen macht. "Wie kommt es eigentlich, dass der Erreger immer wieder in große Mastanlagen gelangt?", fragt Karl-Heinz Olding.

"Eine Rassegeflügelzucht . . .", so hat es der Vereinsvorsitzende in einem Brief an den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke formuliert, "ist im Gegensatz zu den Wirtschaftsrassen nur in freier extensiver Haltung möglich. Wir verlieren zum jetzigen Zeitpunkt viele Zuchttiere und ganze Zuchten . . . nicht durch die hochpathogene Influenza, sondern vor allem durch die seit November 2016 geltende Stallpflicht." Zudem zeige sich an Krankheitsausbrüchen in großen Anlagen, dass der Stall nicht den versprochenen Schutz bietet. Der Verein schlägt deshalb vor: "Die Stallpflicht sollte sich ausschließlich auf die Risikogebiete und die Fundorte von Geflügel mit dem hochpathogenen Virus beschränken."

Für die Vereinsmitglieder war es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass sich in letzter Zeit verstärkt junge Leute für ihr Hobby interessiert haben. Auch das scheint jetzt gefährdet. Dabei hat Geflügelzucht auch einen Bildungsaspekt. "Ist doch toll, wenn Kinder sehen, wie ein Küken aus dem Ei schlüpft", sagt Karl-Heinz Olding. Dem wird niemand widersprechen.