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| 13:09 Uhr

Mängel beim Unterricht
Modellschule soll Sorbisch/Wendisch bewahren

 Schlechte Noten für den Unterricht.
Schlechte Noten für den Unterricht. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Cottbus. In einem Offenen Brief äußert sich ein Verein zum Problem der unzureichenden Sprachvermittlung.

Die Situation ist offenbar mehr als kritisch. Bereits vor Weihnachten hatte die Universität Leipzig einen Evaluationsbericht zum Stand der Sprachvermittlung im Sorbisch/Wendisch-Unterricht der Region veröffentlicht. Die RUNDSCHAU hatte über die katastrophalen Ergebnisse berichtet. Jetzt äußert sich der Vorstand des „Vereins zur Förderung der wendischen Sprache in der Kirche“ in einem Offenen Brief.

Bisher, so heißt es in dem Schreiben, sei zwar die „sehr problematische Lage der Sprachvermittlung in den Schulen“ beschrieben worden, es fehle allerdings eine sachliche Analyse des Berichtes. „Es wurden Schuldige für generelle Unzulänglichkeiten im System gesucht“, so die Autoren des Briefes. Der Verein zur Förderung der wendischen Sprache in der Kirche könne nicht hinnehmen, dass Menschen, die sich zum Sorbischen und Wendischen bekennen, persönlich oder in den sozialen Medien diskreditiert würden. Es komme vielmehr auf eine konstruktive Analyse der Lage an und auf zukunftstaugliche Lösungen. „Wir fordern daher eine sachliche und zielorientierte Diskussion der Evaluation.“

Der Vereinsvorstand benennt dabei mehrere Punkte: die Einhaltung des durch die Verfassung geschützten Rechts jedes Einzelnen auf das Erlernen der sorbischen/wendischen Sprache ohne organisatorische Einschränkungen, Vorgaben von Schülerzahlen und Gruppengrößen. Gefordert werden zudem die gesetzgeberische Erweiterung der Angebote für den Sorbisch/Wendisch-Unterricht, eine Ausbildung von Lehrkräften direkt im Land Brandenburg in ausreichender Zahl und mit hoher Lehrbefähigung sowie die Etablierung einer Modellschule, in der tragfähige Konzepte für den Erwerb einer indigenen Sprache umgesetzt werden.

Es gebe einen Konsens, das wendische/sorbische Kulturerbe kommenden Generationen zu erhalten. Die Sprache sei eine der bedrohtesten Europas. Das Erlernen der Sprache in der Schule, so schreiben die Autoren, sei eine notwendige Voraussetzung für den Spracherhalt.

Die Evaluation der Leipziger Wissenschaftler basierte auf Untersuchungen von mehr als 20 Schulen in Brandenburg. Im Herbst 2015 und im Sommer 2017 wurden 38 Lehrer und 250 Schüler aus den Jahrgangsstufen vier und sechs geprüft. Dabei hatte sich gezeigt, dass die Schüler der sechsten Klassen zum Teil einen niedrigeren Wissensstand hatten als im Kindergarten. Auch die Lehrer fielen teilweise durch mangelnde Sprachfähigkeiten auf.

 Schlechte Noten für den Unterricht.
Schlechte Noten für den Unterricht. FOTO: dpa / Patrick Pleul
(hil)