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Sonntagseinkauf auf der Kippe

Volle Einkaufstüten oder geschlossene Läden? Cottbuser Händler fürchten um die besonders lukrativen verkaufsoffenen Sonntage.
Volle Einkaufstüten oder geschlossene Läden? Cottbuser Händler fürchten um die besonders lukrativen verkaufsoffenen Sonntage. FOTO: fotolia
Cottbus. Sechsmal wollen die Cottbuser Händler in diesem Jahr noch ihre Läden an einem Sonntag öffnen. Doch nachdem jüngst das Oberverwaltungsgericht die Sonntagsöffnungszeiten in Potsdam gekippt hat, drohen nun auch in Cottbus massive Einschnitte. Im schlimmsten Fall bleibt nur noch ein einziger Sonntagseinkaufstag übrig. Die Händler sind schockiert. Sven Hering

Zehn verkaufsoffene Sonntage hatte die Stadt Potsdam für dieses Jahr genehmigt. Das Brandenburgische Ladenöffnungsgesetz sieht allerdings nur sechs Tage pro Jahr vor. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zog deshalb vor das Oberverwaltungsgericht (OVG) und verbuchte dort einen Erfolg. Das Gericht setzte die Verordnung der Stadt Potsdam über die verkaufsoffenen Sonntage außer Vollzug.

In Cottbus hat dieses Urteil aufhorchen lassen. Denn auch hier sollten die Läden in diesem Jahr an mehr als den sechs Sonntagen öffnen dürfen. So wurden insgesamt elf Termine vereinbart. Um allerdings dem Gesetzgeber Rechnung zu tragen, wurde darauf geachtet, dass es pro Ortsteil nur maximal sechs verkaufsoffene Sonntage gibt.

Die Stadtverordneten verabschiedeten diese Verordnung im November des vergangenen Jahres. Die Händler hatten Planungssicherheit und konnten mit der Organisation der besonders lukrativen Einkaufstage beginnen.

Doch möglicherweise sind alle Pläne ein Fall für die Tonne. Die Stadt befürchtet jedenfalls nach der Potsdamer Entscheidung das Schlimmste. "Wir müssen damit rechnen, dass auch gegen die Cottbuser Verordnung gerichtlich vorgegangen wird", sagt Manfred Geißler, Chef des städtischen Ordnungsamtes. Sollte das der Fall sein, bliebe noch ein verkaufsoffener Sonntag übrig - fünf sind bereits verbraucht. Den Händlern würde vor allem das lukrative Weihnachtsgeschäft flöten gehen.

Die Reaktionen des Einzelhandels fallen deshalb drastisch aus. "Das wäre für die Händler tödlich", sagt Sylke Schulz-Apelt, Centermanagerin im Lausitzpark. Im Vertrauen auf die Verordnung der Stadt hätten viele ihrer Mieter bereits Verträge mit Agenturen abgeschlossen, um die verkaufsoffenen Sonntage zu einem besonderen Einkaufserlebnis zu gestalten. Zusätzliche Kosten bei ausbleibenden Einnahmen wären die Folge. "Wir wollen die Städte beleben, dazu gehören auch die Einkaufsmöglichkeiten, für mich ist die Klage von Verdi unverständlich, schließlich geht es auch um die Arbeitsplätze im Handel", sagt Christine Rödiger. Die Geschäftsleiterin von Galeria Kaufhof ist außerdem Vorsitzende des Handelsausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Kammer selbst unterstützt die Meinung der Händler. Mit Einschnitten bei den Öffnungszeiten werde vor allem der Online-Handel gestärkt. Die Attraktivität der Stadt als Handelsstandort leide, erklärt der Cottbuser IHK-Sprecher Nils Ohl.

Carsten Hajek vom Altstadtverein findet ebenfalls deutliche Worte. Die Gewerkschaft solle doch bitteschön schleunigst die Finger von den Ladenöffnungszeiten lassen. "Die Händler in Cottbus haben schon genug Probleme, da können wir nicht noch zusätzlichen Ärger gebrauchen", betont er.

Zum Thema:
Für dieses Jahr sind in der Stadt Cottbus noch sechs verkaufsoffene Sonntage geplant. Am 13. September zum Töpferfest, am 4. Oktober zum Lausitzer Bauernmarkt, am 11. Oktober in Groß Gaglow zur Kirmes, am 8. November zum Filmfestival sowie am 13. und 20. Dezember zum Weihnachtsgeschäft. Laut IHK machen die Händler in den MonatenNovember und Dezemberein Drittel des Jahresumsatzes.