Dabei ist mein Gebet keineswegs immer "freundschaftlich". Da kommen schon oft bittere Vorwürfe aus meinem Herzen. Da ist immer wieder die mal verzweifelte, mal wütende Frage an Gott: Warum ist das jetzt so? Muss das sein? Krankheit, Trauer, alle möglichen das Leben beeinträchtigenden Abhängigkeiten, Schuld, eigene und fremde - es ist so vieles, was uns Menschen umtreibt. Aber welch ein Segen, wenn ich das nicht in einem endlosen Kreislauf in und mit mir selbst abmachen muss! Ich kann meine "Herzbeschwerden", also alles, was mein Herz schwer macht, Gott auch an Sein Herz legen. Zu Zweit trägt es sich leichter! "Hilf mir! Sieh doch, wie es um mich steht! Lass mich nicht allein!" Und so erkenne ich denn allmählich, da sind Menschen rechts und links in meinem Alltag, die helfen mir tragen und ich ihnen - so allein bin ich gar nicht! So merke ich irgendwann, manchmal dauert es schier endlos, aber der Moment des "irgendwann" kommt, ich merke: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Wie in der Freundschaft unter uns Menschen gibt es auch in der Beziehung mit Gott Krisenzeiten. Die will und werde ich durchstehen - im Gebet, im Reden mit Gott, im Loben und im (An)-Klagen, im Fragen und im Annehmen der Antworten, die ich entdecke. Damit stehe ich in der langen und festen Gebetstradition von Christen und Juden, die aus biblischer Zeit bis in unsere Tage reicht. Ringen mit Gott und mit mir selbst - wenn ich so "ringe" halte ich mich zugleich fest an meinem Gegenüber und werde gehalten. Und aus dem Ringen wird auch ganz plötzlich, doch nicht unerwartet, die freundschaftliche und stützende Umarmung. Denn es trägt bis heute, was vorzeiten der/die Betende gesagt hat:

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.