| 02:34 Uhr

Solidaritätsaktion für politische Gefangene in Cottbus

Das ehemalige Zuchthaus Cottbus und jetzige Menschenrechtszentrum mit der Fidelio-Bühne.
Das ehemalige Zuchthaus Cottbus und jetzige Menschenrechtszentrum mit der Fidelio-Bühne. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Vor der letzten Aufführung der Freiheitsoper "Fidelio" in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus sollen auf der Zufahrtsstraße symbolische Gefängniszellen aufgebaut werden. Dort könnten Besucher und andere engagierte Bürger das Schicksal politischer Gefangener für 30 bis 60 Minuten teilen, teilte das Menschenrechtszentrum Cottbus (MRZ) am Mittwoch mit. dst

Es will mit der Aktion auf die Lage politischer Gefangener in aller Welt aufmerksam machen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Dombrowski, der zu DDR-Zeiten selbst wegen Republikflucht inhaftiert war, will einen Platz in einer Zelle einnehmen. Dombrowski ist Vorsitzender des MRZ und Pate des politischen Gefangenen Majid Tavakoli im Iran.

Das MRZ hat das ehemalige Gefängnis 2011 in eine Gedenkstätte umgewandelt. Zwischen 1945 und 1989 gab es dem Verein zufolge dort rund 20 000 Häftlinge. Neben Bautzen zählte es zu den größten DDR-Gefängnissen für politische Gefangene.

Das Staatstheater Cottbus hat 25 Jahre nach dem Mauerfall Ludwig van Beethovens (1770-1827) Oper "Fidelio" auf dem ehemaligen Gefängnisgelände auf die Bühne gebracht. Ex-Häftlinge, die heute in ganz Deutschland leben, wirken im Gefangenenchor mit.

Bis zum Ende der Aufführungsserie mit insgesamt sieben Vorstellungen werden über 8000 Besucher erwartet. Die letzten Vorstellungen am Freitag, 11. Juli, und Sonnabend, 12. Juli, sind ausgebucht. An der Abendkasse kann nach nicht abgeholten Karten gefragt werden.

Kein Wunder also, dass am Staatstheater mit einem guten Gefühl auf die bevorstehende Spielzeitpause geschaut wird. Intendant Martin Schüler: "Meine Erwartungen wurden übererfüllt. Kunst sollte auf Wirklichkeit treffen und nun hören wir von unseren Besuchern, dass uns dies gelungen ist. Der Ort hat der Inszenierung eine bestürzende Aktualität und eine historische Genauigkeit verliehen."

www.menschenrechtszentrum-

cottbus.de

Zum Thema:
Ludwig van Beethoven sah in seiner Oper "Fidelio" die Möglichkeit, die gegen jede Tyrannei gerichteten Prinzipien der politischen Freiheit, der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit durch die Rettung eines unschuldigen Helden aus höchster Not zum Ausdruck zu bringen.