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Solidarität statt Strafandrohung

Johann Staudinger will mit Kleingärtnern ins Gespräch kommen.
Johann Staudinger will mit Kleingärtnern ins Gespräch kommen. FOTO: Hering
Cottbus. Die Zone hoher Schadstoffwerte im Grundwasser in Ströbitz breitet sich weiter aus. Das Umweltamt der Stadt Cottbus untersagt deshalb ab 22. Oktober weiteren Ströbitzer Grundstückseigentümern, ihre Brunnenwasser zu nutzen. Annett Igel-Allzeit

Nur eine der Kleingartensparten soll noch nicht betroffen sein - hier gab der Umweltsamtschef Stephan Böttcher in einer Informationsveranstaltung in der vergangenen Woche noch einmal Entwarnung. Neben der ehemaligen Potsdamer Chemiefabrik werden weitere Schadstoffquellen vermutet. Doch Johann Staudinger, Sprecher des Umwelt- und Naturschutzbundes (BUND) in Cottbus, ärgert der Ton Informationen. "Zu erklären, dass dem, der das Verbot der Grundwasserentnahme missachtet, bis zu 5000 Euro Strafe drohen, vergiftet die Atmosphäre zusätzlich", sagt er. Schließlich sei es nicht die Schuld der Bürger, dass die Schadstoffe ins Grundwasser gelangt sind und die leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffe in Verbindung mit Sauerstoff ausgasen. Sondern hier habe eine Behörde versagt. Jahrzehntelang konnten Grundstückeigentümer und Kleingärtner ihr Grundwasser nutzen und plötzlich dürfen sie das nicht mehr - das ist ein Einschnitt. Und es sei laut Staudinger zu befürchten, "dass es wieder der kleine Bürger ist, der hier die Zeche zahlt."

Zumindest für die Kleingärtner müsste über einen Solidaritätfonds oder eine Unterstützung bei den Trinkwasserkosten nachgedacht werden, schlägt Staudinger vor. Zugleich will der BUND Cottbus angesichts dieses Vorfalls mit den Kleingartenvereinen in ganz Cottbus ins Gespräch kommen. Beim Kreisverband der Kleingärtner Cottbus-Stadt sind allein für Ströbitz neun Gartenvereine gemeldet. Als 2009 schon einmal hohe Schadstoffwerte im Grundwasser bekannt wurden, wurden Sparten wie "Am Landgraben" und "Aufbau" ans Trinkwassernetz angeschlossen.