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| 18:19 Uhr

Umweltwoche
So verändern Klimawandel und modernes Leben unseren Alltag

Cottbus. Auftakt der 28. Cottbuser Umweltwoche im Carl-Thiem-Klinikum. Von Andrea Hilscher

Das Motto der diesjährigen Umweltwoche in Cottbus ist Versprechen, Mahnung und Hoffnung zugleich. „Natur- und Artenvielfalt vor der Tür!“ ist eher Ziel als Zustandsbeschreibung, zumindest, wenn man den Referenten der zahlreichen Fachvorträge im Rahmen der Umweltwoche glaubt. Den Auftakt machten jetzt zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema. Im Carl-Thiem-Klinikum sprach Dr. Daniel Grafmans, Leitender Oberarzt in der HNO-Klinik am CTK, über ein Thema, das gerade jetzt im Frühling vielen Cottbusern unter den Nägeln brennt: Allergien, so scheint es, sind auf dem Vormarsch und belasten den Alltag von immer mehr Menschen.

Bundesweit, so Daniel Grafmans, leiden rund 25 Millionen Menschen unter Allergien. Auf Cottbus herunter gebrochen heißt das: Allein im Stadtgebiet werden rund 30 000 Einwohner regelmäßig von Fließschnupfen, Juckreiz oder Atemproblemen gequält.

Die Gründe sind ebenso simpel wie schwerwiegend. Daniel Grafmans: „In den vergangenen 11 500 Jahren ist die Temperatur auf der Erde um fünf Grad gestiegen. Das Tempo der Erderwärmung beschleunigt sich dabei rasant.“ Die letzten zwei Grad Erwärmung haben sich erst in den Jahren seit 1850 vollzogen. Eine der spürbaren Folgen: Längere Vegetationsperioden verlängern auch die Zeit, in der die Atemluft mit Pollen belastet ist.

Besonders aggressiv ist nach Expertenmeinung die Mischbelastung aus Pollen und Feinstaub. Daniel Grafmans: „Die von Menschen verursachten Feinstaubemissionen – Diesel, Reifenabrieb, Schornsteinruß – haben seit 1970 um 70 Prozent zugenommen.“ Sie können die Lungenfunktion verschlechtern, Herzinfarkte auslösen, Hauterkrankungen hervorrufen. Auch Diabetes und Allergien und die Abnahme kognitiver Fähigkeiten stehen häufig in direktem Zusammenhang mit der gestiegenen Feinstaubbelastung. Grafmans warnt in diesem Zusammenhang vor der erhöhten Gefahr von Feinstaub in Innenräumen. „Hier ist der Feinstaub besonders aggressiv, wenn er zusammen mit der Hausstaubmilbe auftritt.“ Durch moderne Bauweisen wäre die Raumluft oft zu feucht und stark belastet. Für Allergiker heißt das: Milbensanierung vornehmen, eventuelle Haustiere abschaffen, Allergene meiden und über eine Hyposensibilisierung nachdenken.

Und während der Allergologe über ein „Zuviel“ an neuen Stoffen spricht, richtet der Naturschutz seinen Blick auf das „Zuwenig“: Die Abnahme von Vielfalt in der Pflanzen- und Tierwelt rund um Kolkwitz ist Lebensthema von Werner Richter. Der Leiter des Naturschutzvereins der Großgemeinde hat sich die Mühe gemacht, Jagdberichte von vor 130 Jahren mit denen heutiger Jäger zu vergleichen. Ergebnis: Wurden damals noch 7000 Hasen, 5000 Drosseln und 6600 Rebhühner im Jahr erlegt, liegen die Zahlen heute bei Hasen, Rebhühnern und Fasanen bei null. Das Birkhuhn, vor 50 Jahren noch in der Puttgola heimisch, ist ganz aus der Region verschwunden.

Werner Richter: „Selbst die Störche, die im Osten sonst so zahlreich vorkamen, werden kontinuierlich weniger.“ In Sachsen ist ihre Zahl um zehn Prozent gesunken, in Brandenburg um vier, in Mecklenburg-Vorpommern sogar um 28 Prozent. Schuld, so der Naturschützer, seien Monokulturen, Klimaveränderungen und der Einsatz von Arzneimitteln in der Tierzucht. „In Kolkwitz haben wir dieses Jahr noch Glück, elf Storchennester sind besetzt. Elf aber sind auch in diesem Jahr leer geblieben.“ Ein Privatmann in Zahsow sei inzwischen sogar dazu übergegangen, Störche unter großen Netzen zu halten und zu züchten. Ein Versuch, dem Artensterben in der Region etwas entgegenzusetzen.