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Expertentipps aus Cottbus
So überstehen Sie Weihnachten ohne Streit

Wer Streit rund um das Weihnachtsfest verhindern will, sollte sich vorher zusammensetzen.
Wer Streit rund um das Weihnachtsfest verhindern will, sollte sich vorher zusammensetzen. FOTO: fotolia
Cottbus. Weihnachten ist das Fest der Liebe und Harmonie. Doch in vielen Familien schlägt es ins genaue Gegenteil um: Streit und gegenseitiges Auf-die-Nerven-gehen. Das kennt auch Manuela Werner, Psychologische Beraterin aus Cottbus – und hat ein paar Tipps für einen gelungenen Heiligabend. Von Bodo Baumert

„Das Gefährliche sind die hohen Erwartungen“, sagt Manuela Werner. Perfektes Essen, perfekte Dekoration, perfekte Kinder, harmonisches Beisammensein – zum Weihnachtsfest soll alles stimmen. Doch was ist, wenn das nicht gelingt. „Falsche Ansprüche verursachen Stress“, warnt die psychologisch ausgebildete Beraterin. Sie rät ihren Klienten, sich über die eigenen Vorstellungen klar zu werden, zu entscheiden, was man wirklich selbst vom Weihnachtsfest erwartet – und was nur von außen aufgedrückt wird.

„Das perfekte Weihnachtsfest gibt es nur in der Werbung oder in Nachbars Fenster“, sagt Manuela Werner. Jeder sollte sein eigenes Fest, eigene Rituale finden. Wenn das jeden nur für sich macht, ist das aber noch keine Lösung. Deshalb:

Manuela Werner.
Manuela Werner. FOTO: privat

Tipp 1: Bereden, zuhören, bereden. „Wenn jeder der Partner mit seinen eigenen Vorstellungen ins Fest geht, ohne das mit dem anderen zu besprechen, entstehen neue Spannungen“, warnt Manuela Werner. Wenn hingegen schon vor dem Fest über die Vorstellungen gesprochen und ein gemeinsamer Weg vereinbart werde, könnten sich beide besser darauf vorbereiten.

Tipp 2: Familienkonferenz einberufen: Mama will die ganze Familie beisammenhaben, Papa seine Ruhe und die vielleicht schon erwachsenen Kinder am Abend möglichst bald in die Disco oder zu ihren Kumpels statt zuhause mit den „Alten“ rumzuhängen. Beim Weihnachtsfest können – wie im Rest des Jahres – unterschiedlichste Interessen in einer Familie aufeinandertreffen. Um zu verhindern, dass diese unterschiedlichen Interessen in einen Streit münden, kann eine Familienkonferenz helfen. Alle setzen sich an einen Tisch und sagen, wie sie sich ihr Weihnachtsfest vorstellen. Dann gilt es, Kompromisse zu finden – wie auch immer die aussehen. „Wir schreiben heute ins Lebensbuch unserer Kinder“, mahnt die Beraterin. Ein Weihnachtsfest, das den Kindern nur auf die Nerven geht, trägt dazu bei, dass sich bei denen negative Erfahrungen festsetzen – und die nächste Generation mit Weihnachtsstress heranwächst.

Tipp 3: Größtmögliche Harmonie. „Allumfassende Harmonie gibt es nicht“, sagt Manuela Werner. Stattdessen sollte man versuchen „größtmögliche“ Harmonie anzustreben. Realistische Erwartungen verhindern bittere Enttäuschungen. Auch mit Verwandten, die zu Besuch kommen, kann man klare Regeln verabreden. Und wenn sich kein Kompromiss finden lässt, lautet die einfache Grundregel: Auf das Nötigste beschränken und der Gastgeber entscheidet.

Tipp 4: Streitpause verabreden. Paare, die im Rest des Jahres ohnehin schon aneinandergeraten, haben während der Festtage, die ja unbedingt harmonisch verlaufen müssen, eine hohe Wahrscheinlichkeit, wieder aneinanderzugeraten. Hier kann eine bewusst vereinbarte Streitpause helfen. Ärger wird in dieser Zeit nicht ausgetragen sondern aufgeschrieben – und nach den Festtagen zum Beispiel in einer Paar-Beratung gemeinsam ausgewertet.

Tipp 5: Besinnlichkeit braucht Zeit. Vier Wochen lang bereitet wir uns auf Weihnachten vor. Bis zum 24. wird gearbeitet, die Wohnung aufgeräumt, geputzt, eingekauft, und, und, und... Dann soll es auf einen Schlag schön besinnlich sein – und am nächsten Tag geht es weiter zu Oma, Opa, Schwiegereltern, Verwandten. Das ist Stress pur. „Besinnlichkeit braucht Zeit“, mahnt Manuela Werner. Deshalb macht es Sinn, sich die Zeit zu nehmen, um rund um Weihnachten zur Ruhe zu kommen. Es hilft, Schwerpunkte zu setzen und nicht jede Weihnachtsfeier und jeden Verwandtenbesuch unterbringen zu wollen. „Zum Ende des Jahres sehnen wir uns nach Ruhe und danach, Dinge gut beenden zu können“, erklärt Manuela Werner. Wer die Möglichkeit hat, sollte die Chance nutzen, Urlaubstage nach Weihnachten zu legen. Das eröffnet die Chance, dem Stress zu entkommen und das Jahresende bewusst wahrzunehmen.

Tipp 6: Alle einspannen. Ein Tipp für Familien, in denen noch das klassische Rollenmodell gilt: Mutti macht alles. Hier empfiehlt Manuela Werner, bewusst einen „Cut“ zu setzen. Es muss nicht einer alles machen. „Familie ist wie ein kleines Wirtschaftsunternehmen. Das gilt es, klug zu steuern und Ressourcen sinnvoll zu nutzen.“ Das Bad können auch mal Kinder oder Papa putzen. Schwiegermutter kann den Weihnachtsbraten mitbringen. Und wenn was nicht klappt kann man auch mal über sich zu lachen! Shit happens.

Manuela Werner arbeitet seit 2006 als Beraterin für Paare, Einzelne und Familien. Sie hat eine Praxis für psychologische Beratung in Cottbus.