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| 02:32 Uhr

So passt die Lausitz durch jede Tür

Sie haben das Klärwerk an der Cottbuser Spreewehrmühle detailgenau nachgebaut: Danny Streich, Enrico Kählig, Tino Rölle, Mike Lubosch, Mandy Woick und Christopher Wenzel (v.l.n.r.).
Sie haben das Klärwerk an der Cottbuser Spreewehrmühle detailgenau nachgebaut: Danny Streich, Enrico Kählig, Tino Rölle, Mike Lubosch, Mandy Woick und Christopher Wenzel (v.l.n.r.). FOTO: Elsner
Cottbus. Mit dem Modell des Großen Hauses haben sie für eine Attraktion bei der Spielplanpräsentation des Staatstheaters in Branitz gesorgt. Ganz neu ist das Modell vom alten Klärwerk: In der Cottbuser Werkstatt des Vereins Themen- und Informationspark Lausitzer Seenland entstehen Modelle von Baudenkmälern und anderen Sehenswürdigkeiten. Ulrike Elsner

Sie machen Lust auf Entdeckungen in der Lausitz.

Perfekt bis ins Detail

Die Proportionen entsprechen dem Original. Jedes Detail der historischen Backsteinfassade ist perfekt. Hier waren Männer und Frauen am Werk, die gelernt haben, eine Aufgabe gemeinsam anzupacken und bei der Qualität keine Abstriche zuzulassen. Rund hundert Modelle von besonderen Sehenswürdigkeiten des Seenlandes und der Lausitz sind seit der Gründung des Vereins im Jahr 2007 entstanden, berichtet der Vereinsvorsitzende Frank Brunne. "Zusätzlich und gemeinnützig", wie es den Prinzipien für die Vergabe von Maßnahmen mit Mehraufwandsentschädigung - auch Ein-Euro-Jobs genannt - entspricht.

Miniatur des Dieselkraftwerks

Gebaut wird im Maßstab 1:25. So sind Modelle des Forster und Cottbuser Wasserturms entstanden, die alljährlich von Ostern bis Ende Oktober im Erlebnis- und Miniaturenpark "Kleine Lausitz" in Elsterwerda besichtigt werden können. Oder die Miniatur des Cottbuser Dieselkraftwerks, die Teil einer Ausstellung in der ehemaligen Puschkinschule in Welzow ist.

Das vielleicht spektakulärste Ergebnis aber dürfte das Modell der Energiefabrik Knappenrode sein. Es ist 12,8 Meter lang, einen Meter breit und 1,6 Meter hoch. Und neben dem vier Meter hohen Schornstein wirkt selbst der groß gewachsene Vorarbeiter Mike Lubosch fast winzig.

Doch größer als der allerhöchste Schornstein ist das, was die Arbeit mit den Menschen macht, die sie leisten. Jeder bringt seine besonderen Fähigkeiten ein. Mandy Woick, gelernte Bäckerin, kümmert sich zum Beispiel um die Farbgebung. Hat sich gekümmert, muss es heißen. Denn für Mandy Woick ist genauso wie für alle anderen Teilnehmer die Maßnahme erst einmal zu Ende.

Vorerst jedenfalls. Gern würde die 40-Jährige aber weitermachen. Ansonsten heißt es Bewerbungen schreiben - was Mandy Woick ohnehin seit Langem tut - bisher jedoch ohne Erfolg.

Frank Brunne rechnet mit einem Neustart der Cottbuser Werkstatt im Februar. Eine mündliche Zusage hat er bereits. Auch in Elsterwerda, wo der Verein außerdem aktiv ist, soll es im Februar weitergehen. Der Standort Spremberg läuft noch bis zum 30. Juni. Aber die Zukunft der vierten Werkstatt in Welzow ist nach den Worten des Vereinsvorsitzenden ab dem 1. März offen.

Gibt es genügend neue Projekte? Die Ideen gehen den Modellbauern nicht aus. "Man müsste das Cottbuser Stadthaus auf einer Platte mit dem benachbarten Piccolo-Theater bauen", schlägt Mike Lubosch vor. "Außerdem das alte Knappschaftsgebäude oder das Blechen-Carré."

Messungen sind der Anfang

Seine Leute hätten viel gelernt, was sie fit macht für den ersten Arbeitsmarkt, sagt der Vorarbeiter, der in dem Projekt selbst vor fünf Jahren als Ein-Euro-Jobber angefangen hat. Am Anfang eines jeden Modells stehen Messungen vor Ort. Es folgt die Übertragung auf Zeichnungen und Baupläne, später die akribische Arbeit am Modell, bei der Ausdauer und Fingerfertigkeit geschult werden.

Drei Monate lang hat Christopher Wenzel zum Team gehört. Tischler ist das Berufsziel des 29-Jährigen, der schon einige Ein-Euro-Jobs hinter sich hat, darunter auch manchen, den er als "bloße Beschäftigungstherapie" in Erinnerung hat. "Aber hier gibt es eine lohnenswerte Aufgabe und eine gute Atmosphäre im Team. Hier hat die Arbeit wirklich Spaß gemacht", sagt der 29-Jährige.