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Fit durch die fetten Tage
Sind auch Computerspieler Sportler?

Ein Profi-E-Sportler in der Vorrunde des E-Sport-Events ESL One 2017. Während in Asien und Skandinavien E-Sport breite Anerkennung genießt, kämpft die deutsche Szene um Akzeptanz.
Ein Profi-E-Sportler in der Vorrunde des E-Sport-Events ESL One 2017. Während in Asien und Skandinavien E-Sport breite Anerkennung genießt, kämpft die deutsche Szene um Akzeptanz. FOTO: Marek Majewsky / dpa
Cottbus . Mohnstollen, Gänsebraten und Glühwein – wie es nach den Feiertagen an die zusätzlichen Pfunde geht, verrät die RUNDSCHAU in ihrer Serie „Fit durch die fetten Tage“. Heute gehen wir der Frage nach, ob auch E-Sport fit hält. Von Stephan Meyer

Wenn es nach dem Deutschen Sportbund geht, hält sich derjenige korrekt fit, der regelmäßig, richtig, mit Maß und mit Spaß Sport treibt. Doch nicht alles was sich Sport nennt, wird auch als solcher akzeptiert. Eine Sportart kämpft in Deutschland schon seit langem um seine Anerkennung in der Öffentlichkeit: Der elektronische Sport, kurz E-Sport. Gemeint ist damit ein Wettkampf zwischen Menschen mit Hilfe von Computerspielen. Welche Rolle Fitness beim professionellen Computerspielen einnimmt, verrät Patrick Schölzel.

Der 26-Jährige hat Ende November mit Gleichgesinnten den ersten Cottbuser E-Sport Verein gegründet. Ihr Ziel ist es, vor allem Öffentlichkeitsarbeit für ihren Sport zu betreiben. Patrick selbst hat knapp fünf Jahre professionell gezockt. Später war er Teil eines Teams und widmete sich der Talentförderung, dem Scouting und der Organisation.

Bei der Frage, ob Computerspielen zur Fitness beitragen kann, unterscheidet Patrick zwischen geistiger und körperlicher Fitness. „E-Sport beginnt ja schon zu Hause, wenn man auf dem Sofa Fifa spielt“, erzählt der Cottbuser. „Das trägt selbstverständlich nicht zur körperlichen Fitness bei.“ Geht es hingegen um den professionellen E-Sport und die geistige Fitness, sehe die Situation ganz anders aus. Wie bei jedem wettkampforientierten Sport käme es auch hier auf die richtige Strategie an. „Das logische Denken wird dabei gefördert, das belegen bereits einige Studien.“ Räumliches Denken und Kreativität würden ebenfalls profitieren.

Doch auch wenn E-Sport nicht zur körperlichen Fitness beiträgt, kommen die Profis nicht um das Thema herum. „Wenn man etwas professionell betreibt, egal, ob Fußball oder Motorsport, braucht man eine gewisse Grundkondition“, weiß Patrick. Das gelte auch für den professionellen E-Sport. Die wichtigsten Turniere finden global statt. Die Spieler seien, ähnlich wie ein Formel 1-Pilot, oft mehrere Monate unterwegs. Die Wettkämpfe selbst gehen meist über mehrere Tage und K.o.-Spiele oft über zwei bis drei Stunden. „Dafür braucht man schon ein starkes Nervenkostüm“, so der Cottbuser. Eine gute Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit seien sehr wichtig. „Das ist schon wie ein kleiner Marathon“, berichtet der ehemalige Profi aus eigener Erfahrung. „Man ist da schon ausgelaugt, müde und geschafft.“ Um mental frisch zu bleiben, würden viele einen Ausgleichssport, wie Fußball oder Badminton, betreiben.

„Inzwischen tut sich etwas in Deutschland“, sagt Patrick und erklärt, wie sich der Sport in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Vorreiter sei Schalke 04. Der Verein hat eine eigene Abteilung für E-Sport eingerichtet. „Hier gibt es mittlerweile die ersten Fitnesstrainer.“ Auch Physiotherapeuten seien keine Seltenheit mehr bei professionellen Computerspiel-Teams. Schließlich verletzen sich E-Sportler genauso, wie andere Athleten. Nur die Krankheitsbilder seien andere. „Im Grunde sind das die gleichen Verletzungen, die einem im Büroalltag begegnen können“, schildert Patrick. Falsches und zu langes Sitzen, Kopf- und Augenschmerzen oder Sehnenscheidenentzündung an der Hand seien üblich. Sogar Knochenbrüche habe es schon gegeben.

Das Klischee vom übergewichtigen Computerspieler ist mittlerweile überholt, bestätigt der Cottbuser. Patrick ist überzeugt: „Das Verhältnis der Menschen zur Fitness hat sich allgemein geändert und so ist es auch bei den E-Sportlern.“ Viele Spieler würden ins Fitnessstudio gehen und auf ihrer Ernährung achten. Nicht jeder greife bei einem Match in die Chipstüte oder zum Energydrink. Zu viel Zucker und Koffein könne der Konzentration schaden. Patrick will aber niemanden etwas vorschreiben. „Das muss jeder für sich individuell entscheiden.“ Auch wenn E-Sport nicht geeignet ist, die eigene körperliche Fitness zu fördern, macht Partrick klar, es gehört mehr dazu, als nur ein Spiel am PC zu beherrschen. „Gerade wir als Verein sind in der Pflicht, etwas zu bewegen.“

Patrick Schölzel (r.) bei einem E-Sport-Event 2015. Der heute 26-Jährige hat knapp fünf Jahre professionell gespielt.
Patrick Schölzel (r.) bei einem E-Sport-Event 2015. Der heute 26-Jährige hat knapp fünf Jahre professionell gespielt. FOTO: Kelly Kline ESL
Fit durch die fetten Tage 2c
Fit durch die fetten Tage 2c FOTO: Sebastian Schubert / LR